Vorbereitung meines Caminos April 2008

Basel, 18. April 2008
Morgen ist Zügeltag und dies ist mein letzter Eintrag bevor ich meinen Computer abbaue. Mal schauen ob ich nochmal dazu komme etwas zu schreiben bevor ich gehe.
Diese Woche war sehr anstrengend und ich bin froh wenn der Umzug vorbei ist. Habe jetzt schon überall Muskelkater und die Füsse tun mir weh dabei hat das Möbel schleppen noch gar nicht begonnen.
Ein bisschen Wehmut ist ja schon dabei wenn ich denke, dass dies meine letzte Nacht in meiner Wohnung ist. Habe heute nochmal auf dem Balkon zu Mittag gegessen, es war ein wunderschöner Frühlingstag mit Temperaturen um die 20 Grad. Habe dieses Wetter schon mal für meinen Starttag vorbestellt…;-). Wäre einfach froh, wenn ich nicht im strömenden Regen los laufen müsste.
So, ich mache jetzt noch einen gemütlichen Fernsehabend und dann werde ich früh schlafen gehen. Will morgen früh aufstehen damit ich die restlichen Sachen noch erledigen kann, heute mag ich einfach nicht mehr.

Basel, 12. April 2008
Ich hatte gestern meinen letzten Arbeitstag und Abends war ich noch mit meinen Kolleginnen Essen. Der Abschied war tränenreich und hat mich sehr berührt. Eine lange Zeit der Zusammenarbeit ist nun zu Ende und etwas ganz neues fängt an, für mich und natürlich auch für meine ehemaligen Arbeitskolleginnen. Viel Unsicherheit was meine Zukunft betrifft und ganz viel Neugierde wie es weiter geht. Irgendwie fühle ich mich total leicht wie wenn ich in einer Luftblase schweben würde. Hoffe, dass die Luftblase nicht platzt und ich ganz unsanft in der Realität landen werde…;-). Ich lasse im Moment Schritt für Schritt mein altes Leben los, das bringt viel Unsicherheit ist aber auch sehr befreiend. Ich möchte viel Platz für Neues schaffen in meinem Leben. Ich freue mich darauf ein ganz neues Buch in meinem Leben aufzuschlagen.

Jetzt gönne ich mir noch ein ruhiges Wochenende und dann heisst es langsam Zügelkisten packen. Am nächsten Samstag kommt der nächste Schritt nämlich meine Wohnung aufgeben und die Möbel bei Willi einstellen. Bin froh wenn der Umzug vorbei ist.

Basel, 9. April 2008
Es sieht so aus als würde ich geprüft bevor ich los laufe. Ich habe meine dritte Erkältung in 3 Monaten. War noch nie in meinem Leben so oft krank und trotzdem zweifle ich nicht mehr daran, dass ich in 2 Wochen los marschieren werde.
Meine grösste Angst war von Anfang an, dass ich meinen Job und meine Wohnung künde und dann aus irgendeinem Grund nicht gehen kann. Ja und seit ca. 3 Monaten lässt mich mein Körper wie ich meine im Stich indem er dauernd krank ist. Ich bin in letzter Zeit öfters nachts aufgewacht völlig in Panik, dass ich nicht werde gehen können und ich war mir in dem Moment absolut sicher, dass es so sein wird. Am Morgen sah dann wieder alles anders aus und ich habe mich gefragt, was eigentlich mit mir los ist.
Diese Tage ist mir nun klar geworden, dass überhaupt nichts schief gehen kann. Denn ich wollte schon lange eine Änderung in meinem Job und meine Wohnung wollte ich langfristig auch nicht behalten. Die Entscheidung diesen Camino nach Santiago zu gehen hat mir einfach geholfen endlich meinen Job los zu lassen.
Seitdem ist eine grosse Last von meinen Schultern gefallen und trotz meinem keuchenden Husten welcher mir schier die Brust verreisst, weiss ich das alles Gut ist.
Klar ist meine Kondition im Moment etwas angeschlagen da ich immer wieder stark erkältet war und bin aber d. h. nur, dass ich am Anfang kurze Etappen machen werde und meine Kraft und Ausdauer langsam wieder aufbauen muss.
Seitdem wache ich auch nicht mehr in Panik auf und kann wieder ruhiger schlafen.
Am Freitag habe ich meinen letzten Arbeitstag und die letzten 2 Wochen habe ich meine Nachfolgerin eingearbeitet. Wir sind vom Typ her sehr ähnlich und ich glaube sie wird mich gut vertreten oder besser ersetzen. Täglich muss ich mich nun von den Patienten verabschieden und das loslassen ist nicht immer einfach. Viele sind schockiert und können es kaum fassen, dass ich gehe schliesslich gehöre ich nach 10 Jahren schon fast zum Inventar der Praxis…;-). Ich weiss oft auch gar nicht was ich sagen soll. Die meisten verstehen es aber und geben mir viele guten Wünsche mit auf den Weg. Es tut gut zu spüren wie sehr meine Arbeit von meinen Patienten geschätzt wurde, auf jeden Fall von den meisten…;-).
Draussen regnet es in Strömen und ich frage mich wo ich wohl heute in 2 Wochen sein werde….

Basel, 24. März 2008
Mir geht es wieder gut, der Hexenschuss war schnell vorbei. Mein Chiropraktiker hat gemeint das wäre nur ein Hexenschüsschen gewesen…;-). Der Riese eines Arztes hat mich kurz schnell gekrackt und mein Rücken fühlte sich augenblicklich besser an. Ich meinte noch er sei so brutal worüber er lachen musste aber er versteht sein Handwerk. Mache jetzt täglich Yoga, Stretching und gehe viel Laufen. Das Wetter ist zwar nicht vielversprechend im Moment aber es ist halt wie es ist und ich hoffe, dass es dafür im April besser wird. Draussen schneit es wieder und ich kann mich nicht erinnern, dass Ostern schon mal so früh war wie in diesem Jahr.

Morgen ruft die Arbeit aber es wird mal wieder eine sehr kurze Woche. Am nächsten Wochenende werde ich einen Workshop besuchen und etwas für mein Herz und meine Seele tun. Kann nicht schaden im Moment. Am nächsten Samstag habe ich auch noch Geburtstag aber der wird dieses Jahr nicht gefeiert dafür gibt es im April noch ein Abschiedsessen mit Familie und Freunden im Goldigen Fass.
Ja die Zeit rennt und bald werde ich meinen Rucksack schultern und Richtung Santiago los pilgern.

So es ist Zeit an die frische Luft zu gehen und ein wenig Lauftraining zu absolvieren…;-).

Basel, 16. März 2008

Ich habe seit gestern einen Hexenschuss!!! So langsam mache ich mir wirklich Sorgen ob ich im April meinen Camino starten kann. Mein Körper gibt mir in letzter Zeit nur ein Zeichen, nämlich dass ich nicht fit bin. Ich weiss nicht, ob dass meine Ängste sind die mich unbewusst sabotieren, ich weiss nur, dass ich im Moment überhaupt nichts tun kann. Am wohlsten ist es mir wenn ich liege, meine Beine hoch lege und mir eine Wärmflasche auf den Bauch lege, ausserdem brauche ich Schmerzmittel. Tönt nicht gerade nach intensivem Aufbautraining nach meiner Grippe! Gleichzeitig höre ich eine Stimme in meinem Inneren welche mir sagt, dass ich einfach vertrauen soll und das alles gut wird. Schwierig zu glauben im Moment. Ich habe nur noch das Gefühl, dass mir alles aus der Hand gleitet und ich nicht mehr die bin welche die Kontrolle hat aber vielleicht hatte ich die ja noch nie.

Ich weiss nicht einmal wie ich es geschafft habe mir einen Hexenschuss zu zulegen. Ich war gestern auf einem ausgedehnten Spaziergang, im meinem Rucksack befand sich nur ein wenig Proviant, ich wollte es ja langsam angehen und meine Kondition langsam wieder aufbauen. Es war ein wunderschöner Frühlingstag und die ganze Natur war voller Leben. Ich habe mich auch immer wieder hingesetzt, habe den Vögeln gelauscht, ein Eichhörnchen beobachtet und die Sonne genossen. Ich habe bemerkt, dass mein Kreuz etwas steif ist aber das habe ich öfters wenn ich spaziere und dann mache ich halt meine Dehnübungen. Komischerweise habe ich das nur wenn ich spaziere, wenn ich mit Gepäck laufe kenne ich keine Kreuzschmerzen. Kurz vor Ladenschluss habe ich dann noch eingekauft und da muss es wohl passiert sein, kann mich zwar beim besten Willen nicht bewusst erinnern wie und wann. Ich war dann abends bei meiner Familie zum Essen und irgendwann habe ich die Schmerzen im Sitzen nicht mehr ausgehalten und bin nach Hause. Ja und seitdem bin ich nur noch am Liegen… :-(.

Morgen fange ich theoretisch wieder an zu arbeiten aber wenn es nicht besser wird werde ich mich wohl krank melden müssen. Soviel ich weiss dauert ein Hexenschuss ca. 3 Tage und heilt von selber wieder. Zufälligerweise habe ich morgen einen Termin beim Chiropraktiker wegen meinem Nacken vielleicht kann er sich ja auch noch um mein Kreuz kümmern.

Im Moment bleibt mir nichts anderes übrig als die Situation so zu akzeptieren wie sie ist und vor allem darf ich nicht auf meinen Verstand hören der mir sagen will, dass ich im April nicht loslaufen kann. Es dauert ja immerhin noch 5 Wochen bis es soweit ist.

Basel, 6. März 2008

Habe seit bald einer Woche Ferien und liege krank im Bett! Richtig schöne Erkältung mit Schnupfen, Husten und Gliederschmerzen. Gehe morgen zum Arzt und lasse mir ein Zeugnis ausstellen, sonst muss ich nämlich im April noch Ferientage abarbeiten und das finde ich nun wirklich unsinnig wenn ich die Hälfte meiner Ferien im Bett verbringe.
Wollte eigentlich die Zeit Nutzen meine Wanderschuhe mit den neuen Einlagesohlen einzulaufen und meinen Körper an die Anstrengungen zu gewöhnen aber es soll halt nicht sein. Hoffentlich ist nächste Woche auch so wunderschönes Winterwetter.

Mein Rucksack sollte noch leichter werden, ich möchte inkl. Proviant nicht mehr als 10 kg auf die Waage bringen. Schwieriges Unterfangen aber ich habe bestimmt noch ein paar Sachen die ich nicht wirklich brauche z.B. mein kleines Luxusreisekissen (wobei es mir schwer fallen würde darauf zu verzichten..;-)). Die Luftmatratze und meinen Trekkingschirm könnte ich mir nach Spanien nachsenden lassen, denn in Frankreich und der Schweiz werde ich diese Sachen wohl kaum brauchen. Kann auch von unterwegs noch Sachen nach Hause schicken.

Muss jetzt auch langsam meinen Umzug organisieren, am 19. April ist Zügeltag. Brauche ein Auto und ein paar starke Männer…;-). Habe Gott sei Dank immer noch nicht sehr viele Möbel und Sachen angesammelt aber es wird schon immer etwas mehr. Na ja bin langsam ein Zügelprofi soviel wie ich immer umziehe. Als erstes werde ich mal Ueli anrufen und fragen ob er den Durisotti immer noch vermietet oder schon verkauft hat.

Basel, 23. Februar 2008
Heute ist ein richtiger Frühlingstag und die Zeit vergeht wie im Fluge…Ende diesen Monat werde ich wieder ein paar Verträge künden müssen. Wie mehr ich loslasse um so leichter fühle ich mich. Heute als ich unter der Dusche stand ist plötzlich eine grosse Freude über mich gekommen, dass ich bald schon mein Bündel packen und mein Abenteuer Richtung Santiago starten werde. Ob ich es bis Santiago schaffen werde, wer weiss? So Gott will kann ich da nur sagen. Falls ich abbrechen muss werde ich halt etwas anderes unternehmen und mir eine andere Auszeit gönnen. Ich möchte mich auch nicht auf das Ziel Santiago fixieren sondern einfach mal aufbrechen und Schritt für Schritt schauen wo mich der Weg hinbringt. Vielleicht hat Gott ja auch etwas anderes mit mir vor, wer weiss.

In einer Woche habe ich zwei Wochen Ferien und dann wird es sehr schnell gehen und mein Job welchen ich 10 Jahre meines Lebens ausgeübt habe wird Vergangenheit sein. Wie wenn man in einem Buch die letzte Seite umblättert und das Buch schliesst. Ja und dann werde ich ein neues Buch aufschlagen und bis jetzt habe ich keine Ahnung was da drin steht ausser das es mit einem ersten Schritt Richtung Santiago beginnt…

Basel, 26. Januar 2008
Gestern habe ich meine Wohnung gekündigt. Stand in der Post und wartete darauf, dass ich dran komme. Habe mich gefragt, ob ich das wirklich tun soll und fühlte mich plötzlich völlig unsicher. Es ist ja nicht so, dass ich frei wäre von Zweifeln und Ängsten. Dann habe ich mir aber einen inneren Stoss gegeben und den Brief abgeschickt. Habe mir ja auch überlegt, ob ich die Wohnung untervermieten soll aber es gibt zu vieles was in diesem Haus nicht stimmt und dann macht es auch keinen Sinn die Wohnung zu behalten.
Die grösste Angst welche ich habe ist, dass irgendetwas passiert und ich im April nicht gehen kann, dass ich alles für nichts und wieder nichts aufgegeben hätte. Dann muss ich mir aber immer wieder sagen, dass ich schon lange meinen Job wechseln möchte und dass die Wohnung auch viele Nachteile hat. Im schlimmsten Fall mache ich halt eine etwas andere Auszeit.
Meine Freundin Cécile wundert sich immer, dass ich diese Angst habe, kann sie nicht nachvollziehen. Sie könnte es eher verstehen wenn ich Angst davor hätte los zulaufen. Die habe ich vielleicht auch ein bisschen aber ich bin ja schon dreimal gestartet und weiss, dass der Anfang vielleicht schwierig wird aber, dass das vorbei geht und es mit jedem Tag einfacher wird.
Seit meiner letzten Wanderung im Herbst habe ich auch immer wieder leichte Schmerzen in den Füssen welche jetzt wo ich die Einlagen trage täglich besser werden. Ich habe nun mal einen Senk- und Spreizfuss und wenn mich etwas zum Aufgeben zwingen wird dann wohl meine Füsse. Bin unheimlich froh, dass ich mir diese Einlagen habe machen lassen. Sie waren zwar teuer sind aber Gold wert.
Das wichtigste für mich ist momentan im Hier und Jetzt zu sein und mich nicht von meinem Verstand sabotieren zu lassen. Ich lese und höre mir im Moment viel von Eckhart Tolle an welcher das Buch „Jetzt! Die Kraft der Gegenwart“ geschrieben hat. Das gibt mir viel Mut und Kraft an meinem Projekt festzuhalten. Habe ihn auch auf meinen i-Pod geladen und immer wenn mich auf dem Weg der Mut verlassen wird, werde ich mir die Kopfhörer über stülpen und ihm zuhören.

Basel, 10. Januar 2008
Heute habe ich meine Einlagen beim Orthopäden abgeholt es fühlt sich total gut an. Werde sie jetzt erstmal in meinen normalen Schuhen eintragen und dann werden sie in meine Wanderschuhe eingepasst. Ist schon ein Riesenunterschied zu den Einlagen welche es früher gab. Ich musste als Teenager schon mal Einlagen tragen, was ich aber nicht lange durchgehalten habe, irgendwann habe ich sie in hohem Bogen weggeworfen. Die Dinger waren teilweise aus Plexiglas, total hart und unbequem. Bin angenehm überrascht, dass das heute ganz anders ist. Sie sind extrem dünn, total flexibel und passen dadurch fast in jeden Schuh. Bin froh, dass ich mir diese etwas teuren Einlagen geleistet habe und hoffe natürlich, dass es etwas bringt.

Am 11. April habe ich meinen letzten Arbeitstag und am 19. April werde ich meine Wohnung auflösen. Ich kann meine Möbel bei Willi in der Garage einstellen, er stellt sie mir gratis zur Verfügung. Ja und dann kann es losgehen…;-).

Muss meinen inneren Schweinehund überwinden und anfangen zu trainieren, dass ich konditionsmässig nicht völlig unten bin wenn ich dann starte. Könnte ja wieder mit Nordic walking anfangen und zusätzlich 1-2 mal die Woche Krafttraining machen. Der gute Vorsatz ist da nur hapert es noch mit der Umsetzung…;-).

Basel, 25. Dezember 2007
Es ist Weihnachten, wünderschönes Wetter und ich fühle mich rundum wohl. Gestern war es ziemlich stressig da ich morgens noch arbeiten musste und dann direkt in die Stadt um die letzten Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Wie jedes Jahr mache ich alles im letzten Moment…;-). Um 18.00 Uhr waren alle Weihnachtsgeschenke eingepackt, ich frisch geduscht und bereit von meinem Bruder Pierre abgeholt zu werden. War froh, dass ich bei dieser Kälte nicht mit der Vespa fahren musste. Sowieso ist der Benzinhahn eingefroren…;-).

Gestern hat mein Chef die Kündigung noch schriftlich erhalten als Weihnachtsgeschenk sozusagen. Der definitive Schritt in Richtung Verwirklichung meines Traumes im nächsten Frühling ist getan. Ich kriege viel positives Feedback von meinen Patienten und das tut mir richtig gut. Mein Bruder war völlig entsetzt, dass ich meinen Job gekündigt habe und auch meine Wohnung aufgeben will, für ihn ist es unvorstellbar alles los zulassen und nochmal von vorne anzufangen. Für mich ist das natürlich auch einfacher, da ich alleine bin und keine Kinder habe um welche ich mich kümmern muss. Ich bin nur für mich selber verantwortlich und das macht das los lassen um einiges einfacher. Auch habe ich schon mehr Erfahrung damit, da ich schon mehrmals in meinem Leben wieder bei Null angefangen habe; und eines ist sicher: es geht immer weiter auch wenn man manchmal nicht weiss wie!
Habe mir auch überlegt meine langen Haare ganz kurz abzuschneiden bevor ich los laufe aber vielleicht ist das auch zu extrem. Wobei das Haarewaschen unterwegs um vieles einfacher würde…;-). Für mich hat es auch symbolische Kraft sich die Haare vor so einem Unternehmen kurz zu schneiden. Ich möchte einfach alles zurücklassen sogar meine Identifikation mit meinen langen Haaren. Ich gehe auch nicht als Frau auf diesen Weg sondern als Pilger. Ich mache diesen Weg vor allem aus spirituellen Gründen. Ich möchte mehr und mehr lernen im jetzigen Moment zu sein, meine persönliche Geschichte los lassen und meine Verbindung mit Gott spüren. Diese Verbindung zu spüren mit allem was ist, ist in der Ruhe der Natur um vieles einfacher als im so genannt normalen Leben.

Basel, 9. Dezember 2007
Heute ist der zweite Advent und das Wetter ist so gar nicht winterlich. Im Gegenteil es bläst der Föhn und es ist stürmisch. Habe gar keine Lust raus zugehen obwohl mir das wohl gut tun würde.

Jetzt ist es definitiv, ich werde meinen Job per Ende März kündigen. Am Dienstag hatten wir das Gespräch und am Freitag war meine Stelle schon ausgeschrieben. So schnell geht das. Keine Auszeit, dafür bin ich jetzt völlig frei und kann mir richtig Zeit lassen. Eigentlich war mir immer klar, dass ich die Auszeit nicht bekommen würde und es Zeit ist für mich zu gehen. Den Kontakt mit den Patienten werde ich sehr vermissen, dies ist es auch, was mich so lange an dieser Arbeitsstelle gehalten hat.

Ich weiss, dass es der richtige Schritt ist auch wenn mich viele vielleicht für verrückt halten einen „sicheren“ Job aufzugeben. Ich kann auch nicht sagen, dass ich frei von Zweifeln oder Aengsten bin und doch vertraue ich auf diese innere Stimme welche mir sagt mich auf den Weg zu begeben. Ich habe das starke Bedürfnis alles hinter mir zu lassen und nochmals ganz von vorne anzufangen. Was immer das auch heissen mag. Mal schauen wo mich dieser Weg hinführt. Es gibt sowieso keine Sicherheit im Leben und wenn wir noch so viele Versicherungen abschliessen. Das einzige was sicher ist, ist der stetige Wandel.

Basel, 25. November 2007
Habe mir eine Küchenwaage gekauft und jetzt wird jedes einzelne Teil welches in meinen Rücksack kommt abgewogen. Habe eine Excel-Liste gemacht wo das Gesamtgewicht automatisch zusammengerechnet wird wenn ich etwas hinzufüge oder wegnehme. Der Perfektionist in mir liebt es einfach Tabellen und Listen zu produzieren…;-). Bin momentan bei 8.5 kg ohne Proviant was schon mal nicht schlecht ist.

Habe nach längerem Recherchieren im Pilgerforum beschlossen, dass ich die Isomatte weglassen werde. Da spare ich schon wieder 400 g und in Frankreich z.B. habe ich sie auch nie benötigt. Dafür habe ich beschlossen einen kleinen Schirm mitzunehmen welcher als Regen- und Sonnenschutz gute Dienste leisten wird. Vor allem in der Meseta werde ich das Ding wohl gut gebrauchen können.

Habe Mitte Dezember einen Termin um mir orthopädische Einlagen für meine Wanderschuhe machen zu lassen. Ich möchte alles versuchen um Probleme mit schmerzenden Füssen und Sehnenscheidenentzündungen vorzubeugen. Meine Füsse werden es mir hoffentlich danken.

Basel, 11. November 2007
Wow! Wenn alles gut geht werde ich mich in 5 Monaten von meiner Haustür aus nach Santiago di Compostela aufmachen. Der Countdown läuft und jetzt wird es langsam richtig ernst. Vorletzten Herbst, als ich die Entscheidung traf im April 2008 den Camino zu laufen, dachte ich noch, dass es noch so lange dauert bis ich endlich los kann. Jetzt geht es mir fast schon zu schnell…;-). Ein bisschen mulmig ist mir schon und andererseits kann ich es kaum erwarten.

Ende Oktober hatte ich das Gespräch mit meinem Chef und wie erwartet ist er nicht begeistert. Er hat natürlich Angst um seine Praxis und will mich nicht gehen lassen, was ich teilweise auch verstehen kann, vor allem weil ich die einzige bin welche 100% arbeitet. Habe ihm mitgeteilt, dass ich so oder so gehen werde und er auf jeden Fall eine neue Arbeitskraft suchen muss; entweder für ein paar Monate oder für immer. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen und wir werden im Dezember nochmal zusammenkommen.

Innerlich habe ich das Gefühl, dass ich meinen Job künden und nach meinem Camino einen Neuanfang machen sollte. 10 Jahre sind eine lange Zeit und vielleicht ist es auch einfach der richtige Moment weiter zu gehen, vor allem auch weil ich mir schon lange eine Änderung wünsche. Ich war jetzt 10 Jahre sesshaft und für eine Zigeunerin wie mich ist das eine reife Leistung, vor allem wenn man bedenkt, dass ich davor für 10 Jahre herumgereist bin! Klar ist dies auch mit Ängsten verbunden aber der Drang wieder einmal frei und ungebunden zu sein ist sehr gross. Ich würde gerne nochmal ganz von vorne anfangen auch wenn ich schon 46 Jahre alt bin. Natürlich ist es mit einem Risiko verbunden, man weiss nie was danach kommt aber das ist es mir wert. Ich möchte mich auch nicht von meinen Überlebensängsten leiten lassen sondern lieber meine Träume verwirklichen. Ich möchte in meinem Leben nochmal ganz was anderes machen. Ich weiss zwar noch nicht was aber eine Wanderung auf dem Jakobsweg bis Santiago die Compostela schafft vor allem eines; viel Raum für Neues!

Ich bin froh, dass ich diese drei 2-wöchigen Wanderungen auf dem Jakobsweg in Frankreich gemacht habe. Erstens weiss ich jetzt, dass es möglich ist und zweitens hat es mir sehr viele meiner Ängste genommen. Von meiner Haustüre aus zu laufen ist jetzt einfach der nächste Schritt. Ich weiss nicht, ob ich mir das zutrauen würde wenn ich nicht schon Erfahrungen auf dem Weg gemacht hätte.

Das erste Stück des Weges wird kein Jakobsweg sein und wenn es die Wetterverhältnisse zulassen, werde ich die Strecke von Basel nach Genf auf dem Jurahöhenweg machen. Der Weg verläuft meistens auf ca. 800 – 1200 Meter, manchmal sogar 1600 Meter. Falls Mitte April noch zuviel Schnee liegt werde ich wahrscheinlich einen anderen Weg wählen. Für jene welche sich für diese Strecke auf dem Jurahöhenweg von Basel nach Genf interessieren habe ich noch ein eigenes Posting gemacht.

Die andere Variante würde direkt über Frankreich gehen, zuerst dem Doubs entlang und dann Richtung Cluny und Le Puy. Ich werde wahrscheinlich sehr kurzfristig entscheiden welchen Weg ich nehmen werde wobei ich den Jurahöhenweg bevorzuge.

3 Antworten auf „Vorbereitung meines Caminos April 2008

  1. Dein Blog ist faszinierend fuer uns, da wir auch von Basel aus Richtung Santiago \’unterwegs\‘ sind. Unsere Wanderung begann im September 2006 als wir vom Aeschenplatz mit dem Tram nach Aesch fuhren und von dort per pedes ueber Kloster Beinwil, Gaensbrunnen, Solothurn, Burgdorf nach Bern. Naechsten September planen wir von Bern bis in die Gegend von Lyon vorzustossen.Nach meiner Pensionierung in 2009 werden wir die Zeit haben, nach Santiago zu gelangen.Ultreia and Merry Christmas from California.

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  2. Hallo Françoise,Ich habe mit Begeisterung Deine Beiträge gelesen, und es hat mich berührt, wie du von Deinen Erlebnissen schreiben kannst. Im Sommer, so hoffe ich, kann ich mit meiner Frau das bekannte Wegstück von Le puy bis nach Conques gehen. Selber war ich mit dem Rennvelo im Herbst 07 in 14 Tagen von Basel bis nach Finisterra unterwegs und sah vieles wie im Zeitraffer, dass mich mit einer beinahe unerträglichen Sehnsucht infiszierte.Ich beglückwünsche Dich in Deinem Mut und dem inneren Feuer nun alle Zelte hier in Basel ab zu brechen und den ganzen Weg mit deinen Füssen zu gehen.(Diesen wünsche ich besonders viel Durchhaltevermögen und gesegnete Führung)Bis zu meinen Sabbatjahren dauert es noch einige Zeit, aber vielleicht komme ich etappenweise dem Westen näher ohne der Erneuerung des Ostens und der Ernüchterung des alltäglichen Mittags zu entfliehen. Es wäre schön, immer wieder etwas von Deinem Unterwegs zu lesen. Gruss Michael

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  3. Hallo Françoise,Mich haben deine Beschreibungen der inneren Stimme sehr motiviert und zum Lächeln gebracht. Du gibst mir das Gefühl, dass es das wichtigste im Leben ist auf seine Stimme zu hören, was ich leider allzu oft vergesse oder mich von der Vernunft überzeugen lasse.Ich möchte im Sommer 2010 auch loslaufen, habe aber noch ein Problem: ich bin erst 18 Jahre alt und muss meine Idee meinen Eltern irgendwie beibringen…. Aber durch deine innere Kraft, die du sehr schön zum Ausdruck bringst, gibst du mir immer ein Stückchen mehr Mut, sodass ich auch diese Zweifel überwinden kann.Vielen Dank. Mach\’s gut. Freundliche GrüsseDaniela

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