93. Tag, Tentsite, Meile 1184.7, Höhe 1968m

Ich habe eine wundervolle Nacht in meinem herrlichen, grossen, weichen Bett verbracht. Ich hatte ein Zimmer ganz für mich alleine😊. Ich bin am Morgen früh schnell aufs Klo und dann gleich wieder in mein Bett gekuschelt. Um 8.00 habe ich es dann endlich aus dem Bett geschafft und mich zum General Store begeben wo ich mir einen Kaffee und ein Sandwich gekauft habe. Um 10.00 ging dann endlich die Post auf und ich konnte meine 4 Pakete abholen. Dann hiess es alles auf mein Zimmer schleppen, Ausrüstung auffüllen, austauschen und den Rest wieder in der Bouncebox versorgen. Mein Zelt, welches ich von Mt. Laguna nach Hause geschickt hatte war ja wieder zurückgekommen und so musste ich es nochmal nach Hause schicken. Hat mich über 60$ gekostet. Hoffe, dass es jetzt auch klappt. 

So um 12.15 war ich fertig und habe meinen Rucksack geschultert. Ich wurde gleich von einem Autofahrer mitgenommen uns so stand ich um 12.30 bereits wieder auf dem Trail. 

Es ging durch den Wald, was angenehm war, da es richtig heiss war. Nach 2 Std. habe ich Mittagspause an einem Fluss gemacht wo gerade eine Gruppe Pfadfinder ihr Nachtlager aufgestellt hat. 

Ich kam an einem Mann vorbei, der so langsam lief, dass ich ihn fragte ob alles ok sei oder ob er Schmerzen hätte. Er verneinte, es sei alles in Ordnung. Bei der nächsten Wasserstelle traf ich dann 4 Männer, die mich fragten, ob ich ihren Freund gesehen hätte. Ich wusste zuerst nicht wen sie meinten aber dann kam mir der Mann in den Sinn der so langsam lief. Er würde immer so langsam laufen, wie wenn er meditieren würde. Sie mussten bestimmt noch eine Stunde auf ihn warten. 

Um 18.00h kam ich zu einer Tentsite wo schon ein paar campieren. Einen kannte ich noch von Kennedy Meadows, ein Münchner, bei dem jedes zweite Wort „Fuck“ ist. Ich entschloss mich trotzdem zu campieren und wir hatten einen schönen Abend am Lagerfeuer. 

Jetzt liege ich im Zelt und stelle mit Schrecken fest, dass meine Luftmatratze ein Loch hat. Auch das noch! Ob ich wohl mit der Eisaxt dran gekommen bin? Das wird eine schwierige Nacht, vor allem da mir mein Rücken eh schon weh tut. Im Moment lässt mich meine Ausrüstung im Stich. Zuerst der Reisverschluss meines Moskitonetzes und jetzt auch noch die Luftmatratze! In Truckee hat es Gottseidank einen Outfitter. Und wenn wir schon dabei sind, das Gas geht mir auch bald aus😖. 

92. Tag, Sierra City, Ruhetag

Ich habe heute mein 3-Monatsjubiläum. Drei Monate unterwegs auf dem PCT! Bisher habe ich 1271 Meilen zurückgelegt, dies entspricht 2033.6 km! Wahnsinn😜!!! Zur Hälfte des Trails fehlen mir noch 54 Meilen! Dies wird bei Meile 1141.4 der Fall sein, 12 Meilen nach Truckee mein nächster Halt in ca. 2 Tagen. Da darf man schon etwas stolz sein oder😊? 

Deshalb wird heute gefeiert: 💃🌮🍔🍺🌮🍟🥂🍾🍷Hicks😋. Nicht zu doll, denn morgen sobald ich alles auf der Post erledigt habe, geht es zurück auf dem Trail👣👣👣👣. 

91. Tag, Sierra City, Meile 1199.9, Höhe 1268m

Als ich am Morgen aufstand war ein Reh in der Nähe und hat mich neugierig angeschaut. Gegenüber von mir stand ein Auto. Muss der Fahrer von gestern Abend gewesen sein. Ich hatte gedacht er sei weitergefahren…

Ich bin dann los und musste als erstes über ein Schneefeld. Es kam der letzte Anstieg auf ca. 2250m bis es endgültig nach Sierra City hinunter ging. Da ich gestern eine lange Etappe gemacht hatte, waren es nur noch 14km. 

Teilweise musste ich mit dem GPS den Weg suchen. Für Leute die nach Süden laufen wie ich, ist der Weg nicht immer optimal gekennzeichnet. 

Ich kam an den Sierra Butes vorbei, dies sind sehr schöne gezackte Bergspitzen. Der Weg verlief genau unten durch auf einem Geröllpfad. Habe ich schon mal erwähnt, dass ich es hasse auf Geröll zu laufen? Erstens tun einem bald die Füße weh und zweitens ist man ständig am stolpern und muss aufpassen, dass man nicht umfällt. Just auf diesem Weg um 10.30 ist mir eingefallen, dass heute Samstag ist und das Postoffice nur bis 12.30 geöffnet hat. Ich habe 3 Pakete zum abholen und wenn ich es nicht schaffe, würde ich bis Montag in Sierra City festsitzen. Schei….! Ich habe versucht mich zu beeilen aber ich befand mich gerade auf dem lägsten Geröllpfad des ganzen Trails. Ich musste dann loslassen, weil es war klar, dass ich das nicht schaffen könnte ohne mir einBein oder sogar den Hals zu brechen. Ich möchte eh seit längerem eine Pause einlegen und das Universum hatte gerade entschieden, dass dies im verschlafenen  der von Sierra City sein soll. Ich bin dann in normalem Tempo den Berg hinunter, bekam sofort einen Ride und war um 13.00 in Sierra City. Knapp verfehlt ist auch verpasst😬. 

Ich konnte die erste Nacht im River Haven am Fluss unterkommen. Ich schlafe auf der Veranda unter freiem Himmel da Susan kein Zimmer mehr frei hatte. Dies stört mich aber überhaupt nicht, ich bin es ja gewohnt, im Freien zu schlafen😉. Die zweite Nacht werde ich im Moose Inn Café verbringen. Kostet mich ein kleines Vermögen da ich seit Idyllwild wieder mal ein Zimmer für mich alleine buchen muss. Aber ich freue mich riesig darauf! 

Ich bin auch den Swiss Boys, Patrick,  Manu und Jan begegnet und die Freude war riesengroß! Sie werden leider gleich wieder raushiken aber es war trotzdem schön sie wiederzusehen. Vielleicht treffe ich sie ja wieder in Oregon oder Wahington. Pascal ist hier, den habe ich zuletzt in Tehachapi gesehen und Saidacho auch. Wir sind dann alle zusammen nach dem obligatem Burger in den Saloon und haben Bier getrunken. Es war ein lustiger Abend und ich hatte soviel Spaß mit den Jungs. Ich erinnere mich gerade an den Lassen Volcanic Park, wo ich die jungen Leute getroffen habe, die einfach Spaß hatten. Genau so war es, ich habe endlich wieder Spaß. Es war so richtig und wichtig wieder meinen eigenen Weg zu gehen. Eine reifere Lady, die im Herbst den Camino Portugues laufen wird, lud uns noch zu einem Absacker ein. Der gab mir dann den Rest und ich habe mich mit Saidacho auf den Weg zurück auf meine Veranda begeben. Da bin ich dann glücklich und zufrieden eingeschlafen. 

90. Tag, Tentsite, Meile 1209.3, Höhe 2157m

Die Tentsite war wirklich nahe an der Straße. Sie wurde vor allem von Trucks befahren, die Baumstämme transportierten. Der Lärm war dementsprechend. Kommt davon wenn man die erstbeste Gelegenheit nimmt sein Zelt aufzustellen. Wir haben es gerade Mal 100m von der Straße weggeschafft. 

Es ging wieder vor allem durch Wald und ein Teilstück war besonders desolat. Ich habe mich gefragt, was hier wohl passiert ist. Vielleicht ist ein Sturm durchgefegt der die Bäume geknickt hat wie Zahnstocher. Sie sind nicht mit den Wurzeln umgefallen, wie man es oft sieht hier, sondern einfach abgebrochen im Stamm. Es war kein schöner Anblick. Zudem war es anstrengend immer über die Stämme zu klettern. 

Irgendwann ist mir Rhino, die Frau welche in Alaska lebt, entgegengekommen. Sie ist auch durch die Sierra gelaufen. Sie ist eine echte Abenteurerin und aus hartem Holz geschnitzt aber selbst sie sagte, dass es tough war und dass sie manchmal sogar richtig Angst hatte. Wenn sie das sogar sagt muss es wirklich hart gewesen sein. Ich brauche unbedingt gute Leute, die mit mir durch die Sierra gehen. 

Ich bin immer wieder Cheese begegnet, die Pause machte. Sie meinte, sie sei heute nicht so fit. Normalerweise läuft sie täglich 26 Meilen (dies sind über 40km!!!). Respekt, das schaffe ich (noch) nicht. Meine längste Etappe war heute mit knapp 23 Meilen, was auch nicht schlecht ist. 

Oben auf dem Berg hatte ich Empfang und konnte wieder mal ein paar Blogeinträge raussenden. Zudem hatte man von hier oben eine gigantische Aussicht, deshalb machte ich hier Mittagspause. 

Heute war der erste Tag seit längerem, wo ich mich wieder so richtig unbeschwert gefühlt habe. Ich fühlte mich voller Energie und zu allem fähig. Ich hatte das Gefühl, endlich wieder mich selber zu sein. Die Situation mit Big Sky hatte mich belastet und auch trauere ich immer wieder um meine Mama. Gestern war ich auch wieder traurig und habe mir das Violinkonzert von Beethoven angehört. Mama hat sich das auch oft angehört wenn sie traurig war. Schon bei den ersten Tönen hatte ich so ein starkes Gefühl, dass sie bei mir ist und ich fühlte mich so glücklich. Ich glaube da ist ein großer Teil der Schwere und der Trauer von mir abgefallen. 

Der Tag heute war auch sehr anspruchsvoll, denn ich musste über viele Schneefelder. Es war aber nichts beängstigendes dabei, man konnte überall ohne Mikrospikes darüber laufen. Zudem sah man die Fussspuren der anderen Hiker sehr gut. Ich gerate auch nicht mehr in Panik wenn ich ein Schneefeld sehe, sondern überlege einfach wie ich am besten rüber komme. Ich hoffe das bleibt so, denn ich werde jetzt immer mehr mit Schnee konfrontiert werden wir näher ich der Sierra komme. Richtig starten wird es am Sonorapass und da bin ich in spätestens 2 Wochen. 

Ich wollte beim Summit Lake Outlet campen aber als ich dort ankam sah es nicht sehr vielversprechend aus. Da war eine Dirtroad und da waren Motocross Fahrer, die ständig vorbeigefahren sind. Vielleicht haben sie ja trainiert. Ich fühlte mich da auf jeden Fall sehr unwohl und verletzlich. Es macht mir weniger Angst mitten im Wald zu übernachten als an einem Ort wo fremde Menschen sind wo man nicht weiß ob es irgendwelche schrägen Vögel darunter hat. 

Ich habe dann dort gegessen und bin ein bisschen zurück gelaufen an eine Campsite wo man mich von der Strasse nicht sehen konnte. Ich habe die Motocross Fahrer weiterhin gehört aber sobald es eindunkelte waren sie weg. Es ist dann auch noch ein Auto vorbeigefahren. Nicht mein bester Zeltplatz bis anhin, ich war immer etwas angespannt. 

Habe dann beschlossen einfach die Ohrstöpsel reinzumachen und meinen Buff über die Augen zu legen. Ich höre nichts, ich sehe nichts und deshalb schlafe ich😉. 

89. Tag, Tentsite, Meile 1232.3, Höhe 1994m

Ich möchte echt mal wissen, wieviele Höhenmeter ich hier ablaufe. Heute ging es auch wieder über 1000m hinauf. Am Morgen war es kalt und ich musste die Leggings unter meinen Jupe anziehen plus langes T-Shirt. Es ging durch dunklen Wald und meine Stimmumg war dementsprechend. 

Am Feather River gabs Frühstück. Anschließend habe ich am Fluss noch meine Socken ausgewaschen. Es ist ja nicht so, dass sie wieder sauber wären aber der feine braune Staub und der Schweiß sind weg. Dann ging es weiter den Berg hinauf. Ein Hiker hatte mich informirt, dass ein Teil des Trails gesperrt sei wegen eines umgestürzten Baumes. Er sei aber trotzdem durchgelaufen und es sei gar nicht so schlimm. Na gut dann bin ich halt auch auf dem Trail geblieben und es war wirklich nicht so dramatisch. Ein riesiger Baum lag auf dem Trail aber ich konnte unten durch kriechen ohne den Rucksack auszuziehen. 

Annika und Jens (Frosty), kamen mir am Nachmittag entgegen und wir unterhielten uns über die Sierra, die sie erfolgreich gemeistert hatten. Sie sagten mir auch, dass ich meine nächste Pause am Trailhead planen solle. Ich fragte noch ob es da besonders schön sei und sie meinten ja. Ob es da wohl Trail Magic gibt😊? Es kamen mir weitere Northbounder entgegen und tatsächlich es gibt Trail Magic mit Hot Dogs und Sodas. Ja und sie seien bis 19.00 da…

Ich wollte einen Gang hochschalten aber leider ging es bergauf und das schaffe ich nachmittags weniger gut als am Morgen. Ich überquerte 2 Straßen und da war nichts. Die dritte Straße führte dann aber in die Quincy Laporta Road und da sah ich schon zwei Pickups stehen. 

Es war ein Ehepaar, dessen Sohn letztes Jahr den Appalachian Trail gelaufen ist. Er hatte soviel Trail Magic erfahren und Hilfe erhalten, dies wollten sie jetzt auf diese Weise zurück geben. Es gab Hot Dogs, Kartoffelsalat, Tomatensalat, Wassermelone, Kuchen, Bier und Sodas😍😍😍😍😍. Ich habe mich sobrichtig satt gegessen. Es kamen noch 3 weitere PCT Hiker dazu und wir beschlossen bald nicht mehr weit zu laufen mit unseren vollen Bäuchen. Cheese, eine Deitsche und ich haben es gerade noch 0.1 Meile den Hügel hoch geschafft. Die anderen beiden sind in die andere Richtung. 

Ich habe noch ein Bier mitnehmen dürfen, welches ich genüsslich vor meinem Zelt getrunken habe. 

88. Tag, Bear Creek Campsite, Meile 1250.5, Höhe 993m

Ich stand heute um 7.00 wieder auf der Straße und habe versucht einen Ride nach Quincy zu kriegen aber es war leider hoffnungslos. Um 8.00 entschied ich mich die Bucks Lake Alternativroute zu nehmen. Die ist zwar länger und geht alles der Strasse entlang aber es gibt 3 Resorts wo man essen kann und in einem soll man sogar gut einkaufen können. 

So startete ich also meinen Roadwalk. Das Lakeshore Resort nach drei Meilen hatte leider noch zu aber im Bucks Lake Resort kam ich endlich zu meinem lang ersehnten Frühstück. Omelette mit Bratkartoffeln und Toast. Dazu drei Tassen Kaffee! Gut schenken Sie einem in Amerika immer nach. Zum Abschied wollte sie mir noch einen Drink spendieren aber ich habe dankend abgelehnt, schließlich muss ich ja noch hiken. Ich durfte mir aber anstatt eine Glace aussuchen. Sie mögen es wenn hier Hiker vorbeikommen😉. 

Dann ging es weiter der Straße entlang zum Haskins Valley Inn. Dort konnte ich dann meinen Resuply bis Sierra City machen, da ich es ja nicht geschafft habe nach Quincy zu hitchen. Der Laden war wirklich gut bestückt mit allem was Hiker so brauchen. Zudem waren die Ladenbesitzer sehr nett. Ich fragte ob es ok ist für sie wenn ich vor ihrem Laden sitze und meinen Ressuply mache. Woraufhin die Frau meinte ich könne es auch in ihrem Garten machen. Das Angebot nahm ich natürlich dankend an. Ich konnte sogar einen Silikonspray kaufen, denn der Reißverschluss meines Innenzeltes macht mir echt Probleme. Er schließt nicht mehr richtig und dann können alle Moskitos rein. Hoffentlich funktionierts. 

Jetzt war es schon fast Mittag und ich musste auf der Strasse zurück zum PCT laufen. Es war mittlerweile furchtbar heiß und wenn ein Baum kam flüchtete ich mich in den Schatten. Als ich endlich wieder auf dem PCT war musste ich erst mal Pause machen. Dies war bis anhin mein anstrengendster Ressuply. 

Ich machte mich dann auf den Weg Richtung Sierra City. Es ging durch endlose Wälder. Irgendwann ging es für mehrere Meilen nur noch den Berg hinunter. Unten angekommen war es auch schon Zeit mein Zelt aufzustellen. Bin direkt am Fluss mit vielen Hikern und Moskitos. Der Reißverschluss meines Zeltes hält bis jetzt…

87. Tag, Bucks Summit, Meile 1265.4 , Höhe 1682m

Sobald ich meinen neuen Purplerain Skirt anhatte, habe ich mich um 6.15 auf den Weg gemacht zum sehr, sehr langen Anstieg. Aber eigentlich war es gar nicht so schlimm. Am Morgen komme ich meistens sehr gut den Berg hinauf, da fühle ich mich fit und ausgeruht. Eigentlich ein Wunder wenn man bedenkt wie schlecht ich schlafe. 

Von oben hatte man immer wieder grandiose Aussichten. Es war wirklich ausgesprochen schön heute. In letzter Zeit bin ich viel im Wald gelaufen, deshalb habe ich die Weitsicht um so mehr genossen. 

Ich habe mir auf einem Plateau einen wunderschönen Lunchplatz ausgesucht. Es war richtig schwer wieder von da wegzugehen und do. habe ich noch ein Nickerchen eingelegt. 

Ich kam gut voran und um 18.00 war ich bereits am Trailhead Bucks Summit. Ich habe mich an die Straße gestellt um nach Quincy zu hitchen, ich wollte mal wieder in einem richtigen Bett schlafen. Leider hatte ich kein Glück und nach einer Stunde stand ich immer noch am Straßenrand. Ich hätte doch von Belden aus zusammen mit Jeff mit dem Barkeeper mitfahren sollen. Im Nachhinein ist man immer klüger aber ich wusste ja nicht, dass das hitchen hier so schwierig ist. 

Nach einer Stunde habe ich dann aufgegeben und habe mein Zelt aufgestellt. Das Dumme war nur, dass ich nicht damit gerechnet hatte zu campen und deshalb hatte ich nicht genug Wasser. Ich musste nochmal ein Stück zurücklaufen um Wasser zu holen. 

Als ich endlich im Zelt war konnte ich das Moskitonetz wieder nicht richtig schließen. Der Reisverschluss ist einfach im Eimer. Ich musste das Aussenzelt aufbauen um besser geschützt zu sein. Gottseidank hatte es hier nicht viele Moskitos. Das Ganze war aber ziemlich nervig um es gelinde auszudrücken. 

Na dann halt doch keine Nacht in einem Hotelbett. Es war nicht so einfach loszulassen. Vor allem soll Quincy eine tolle kleine Stadt sein. So what!

86. Tag, Belden Town Resort, Meile 1284.3, Höhe 674m

Um 6.30 bin ich heute gestartet, es wird immer später. Bin gestern auch erst um 20.15 angekommen, da darf man sich am nächsten Tag schon mehr Zeit lassen. 

Es ging vor allem bergab. Der Weg heute war nicht einfach. Viel Geröll beim hinunter gehen und da muss man immer aufpassen wo man den Fuß hinsetzt. Man rutscht auch aus und stolpert ohne Ende. Zudem war heute der Tag der Flussüberquerungen. Durch einen Fluss bin ich barfuß durchgewatet, anschliessend waren meine Füsse wieder fast sauber. Den größten Fluss musste ich von Stein zu Stein überqueren. Bei einer Stelle war der Abstand zu groß für meine kurzen Beine und dann musste ich springen. Uff, hatte knapp gereicht. Einen nassen Fuß gab es trotzdem. Einen anderen Fluss habe ich auf einem riesigen Baumstamm überquert. Der Durchmesser des Baumes war so groß, dass ich auf der anderen Seite den Rucksack runter lassen musste bevor ich runter klettern konnte. 

Kurz vor Belden ging es dann schattenlos und heiss den Berghang entlang. Gottseidank gab es immer wieder Wasser. Schade, dass mein sonnenreflektierender Schirm in der Bounce Box in Sierra ist. 

Um 18.15 war ich in Belden und habe mir als erstes ein belgisches Bier gegönnt. Blue Moon, einfach köstlich. Es waren noch andere PCT Hiker da und wir saßen auf der Bank und haben uns unterhalten. Spannend ist ja immer, dass sich Nobos und Sobos gegenseitig über den kommenden Trail informieren können. 

Jeff, sein Trailname ist Saidacho oder so ähnlich war auch hier und wir haben dann zusammen auf der Terrasse zu Abend gegessen. War ein richtig schöner Abend, mit guten Gesprächen  und Jeff hat mich sogar eingeladen😊. Er wird heute Abend mit dem Barkeeper mit nach Quincy fahren, der Barkeeper wohnt dort. In Quincy wird er einkaufen und vielleicht noch einen Ruhetag einlegen. Ich werde morgen den Berg hochsteigen und viele Höhenmeter zurücklegen.

Ich habe mir einen neuen Purplerain Skirt und Icebreaker Panties in Größe S (!) zu einem Teailangel hier in Belden schicken lassen. Ja und Mrs. Bratten bringt mir die zwei Pakete morgen früh um 6.00 vorbei. Ich freue mich auf meinen neuen Jupes vor allem muss ich nicht mehr Angst haben den Rock zu verlieren😉. 

Wir campen hinter dem Belden Town Resort direkt am Feather River. Dies ist ein großer Fluss und entsprechend laut. Da ich morgen den Wecker stellen muss gibt es keine Ohropax, sonst höre ich ihn nämlich nicht. 

85. Tag, Cold Spring Tentsite, Meile 1302.9, 1976

Heute war es tierisch anstrengend. Es ging im Grossen und Ganzen nur bergauf. Teilweise über 7000 Fuß. Es hatte auch wieder ein paar Schneefelder aber die waren easy zum drüber laufen. 

Lunch habe ich nach 12 Meilen oberhalb einer Quelle gemacht und prompt kamen D-Hiker und Big Sky auch dahin. Das war ein bisschen komisch für mich. Seabisquit kam aus der anderen Richtung und ich fragte ihn was los sei. Er fühlte sich nicht gut und hatte mehrmals erbrochen. Mittel gegen Uebelkeit hatte er bereits. Habe ihm gesagt er solle viel trinken und wenn möglich Elektrolyte zu sich nehmen. Ansonsten konnte ich ihm nichts anbieten was helfen könnte. Er wollte nach Chester zurück laufen, dies waren 15 Meilen, davon 10 Meilen ohne Wasser. Das ist hart! Am Nachmittag hörte ich dann einen Helikopter und ich fragte mich, ob sie ihn ausgeflogen haben. Gute Besserung Seabisquit! 

Es ging dann wieder ziemlich hoch hinauf aber es war kein Schnee mehr zu sehen. Es kam mir ein leicht lädierter Hiker entgegen, der mich fragte wo die nächste Wasserstelle sei. Er war gestürzt und sein Handy war kaputt. Ohne unsere Guthook App sind wir aufgeschmissen. 

Ich habe beim Aufstieg Musik gehört um mich abzulenken. Kurz bevor ich ganz oben war, war die Luft draußen und ich habe mich nur noch mit meinem Willen den Berg hinauf gekämpft. Mir sind dann zwei junge Hiker begegnet und die haben gemerkt, dass ich am kämpfen war. Sie haben mich ermutigt, dass es nicht mehr weit sei bis zur Campsite. Das war total süß. 

An der Campsite angekommen, hatte ich keine Lust, da alleine zu übernachten. Ich habe dann mein Abendessen eingenommen und bin doch noch die 1,8 Meilen bis zur nächsten  Campsite gelaufen. Kurz davor hörte ich ein Brüllen und habe mich gefragt was für ein Tier das wohl ist. Vielleicht ein Hirsch? Aber nein es waren Kühe! Natürlich ging der Weg direkt an ihnen vorbei. Ein Kalb stand mitten auf dem Weg und alle haben mich angestarrt. Ich habe einen Umweg um sie rum gemacht und als ich am Ende auf den Weg abbiegen wollte sind sie weggerannt. Puh, ich traue diesen Viechern einfach nicht und wie sie einem immer anstarren. 

Die Campsite war gleich um die Ecke und ich hoffte, dass die Kühe nachts nicht vorbeikommen. Ich traf Anne aus Frankreich, sie war gerade dabei sich am Brunnen zu waschen. Sie war auch bei Scout und Frodo als ich dort war. Sie ist einen Tag vor mir gestartet. Sie ist durch die Sierra gegangen, Respekt! Schade, dass sie nach Norden läuft und ich nach Süden, wir waren uns gleich symphatisch. 

Ich bin froh, bin ich die 1.8 Meilen weitergelaufen. Hier war eine sehr schöne Campsite und es ist einfach schön abends nicht alleine campieren zu müssen. 

84. Tag, Soldier Creek Tentsite, Meile 1325.5, Höhe 1667m

Heute habe ich in Chester durch D-Hiker offiziell erfahren, dass Big Sky nicht mehr mit mir laufen will. Eigentlich ist es ja so, dass ich schon seit dem zweiten Tag ab Etna alleine laufe. Er hatte nicht mal den Mut, es mir persönlich zu sagen. Ich müsste lügen wenn ich sagen würde, dass es mir nichts ausmacht. Es tut weh abgelehnt zu werden und nicht mal zu wissen warum. Vielleicht erinnere ich ihn ja an seine Exfrau… Aber es ist besser so, jetzt gibt es einen klaren Schnitt. 

Ich musste nur 15 Meilen bis Chester laufen und war um 14.00 bereits da. Der Trailhead führte zu einem Highway und von da aus konnte man nach Chester hitchen. Ich habe gedacht, dass da bestimmt niemand anhält weil sie so schnell gefahren sind aber nach 10 Min.  saß ich bereits in einem Auto. Der nette ältere Herr fuhr mich auch gleich zur Pizza Factory wo ich mir den Bauch vollschlug und eine große Cola schlürfte. Anschließend wollte ich duschen, es gab eine Dusche wo man Münzen einwerfen konnte, und die Wäscherei befand sich gleich nebenan. Ich stand bereits nackt in der Dusche, hatte meine Kleider auf dem Boden zum waschen und wollte mit dem Prozess beginnen einen schmutzigen PCT-Hiker wieder salonfähig zu machen. Dazu musste ich nur 1/4 Dollar Münzen einwerfen. Der Münzautomat war aber verstopft, vielleicht sollten sie ab und zu die Kasette leeren. Ich war völlig genervt und dann klopfte es auch noch an der Tür weil jemand anders duschen wollte, Arrrghhhh! Also mich wieder anziehen, alles in den Rucksack stopfen und trotzdem schmutzige Kleider waschen. 

Als ich vom einkaufen zurück kam, informierte mich Sherpa, dass man im RV-Park duschen könne. Ich müsse nur im Haus gegenüber 5$ bezahlen. Gesagt, getan und dann stehe ich im RV-Park unter der Dusche und merke, dass ich mein Handtuch vergessen habe🙄. Ich habe mich dann mit der Unterhose (die war sauber😉) abgetrocknet und habe sie dann feucht angezogen. Bei 35 Grad im Schatten sollte dies ja schnell trocknen. 

Dann noch schnell ein paar Energieriegel kaufen, welche es im Dollar General nicht gab und ich war bereit, wieder auf den Trail zurückzukehren. Vor der Laundry war Sherpa im Gespräch mit einer Frau, die sich dann als Vicky vorstellte. Sie arbeitet bei den Fire Fighters. Sie hat ein wunderschönes Büro im Grünen und ihr Job ist es Feuer frühzeitig zu erkennen. Nicky hat mich dann in ihrem Auto zum Trailhead gefahren. Zum Abschied gab sie mir noch getrocknete Bananenchips mit und ein reflektierendes Band der Fire Fighter. Sie war so nett! 

Ich bin dann noch 3 Meilen bis zum Soldier Creek gelaufen. Die Tentsite war komplett überfüllt von Nobos und Sobos! Ich habe mich noch beider Feuerstelle reingequetscht.