Von La Verna (Toskana) über Assisi (Umbrien) nach Poggio Bustone (Latium)

Eremo di Montecasale

30.08.2013 Arezzo
Nach einem langen, langen Tag im Zug (Basel – Zürich – Mailand – Florenz – Arezzo) bin ich gegen 17.00 endlich in Arezzo angekommen. Ich hatte mir bereits zu Hause eine Wegbeschreibung ausgedruckt und nach dem ich gesehen habe, dass der nächste Bus noch lange nicht kommt bin ich per pedes zum B&B marschiert. Hat ehrlich gesagt auch gut getan nach dem ich den ganzen Tag im Zug sitzend verbracht habe. Ich habe die Casa di Ellide auch auf Anhieb gefunden, es waren nur ca. 15 Minuten. Im B&B bin ich dann herzlich und lautstark von der Gastgeberin empfangen worden. Sie sprach Gott sei Dank französisch weil mein italienisch ist ja eher rudimentär und hätte mich bei ihrem Wortschwall auch glatt überfordert. Sie hat mir dann noch ein gutes Restaurant in der Innerstadt empfohlen, dass ich dann auch aufgesucht habe. Zuerst war aber mal Rucksack auspacken, duschen usw. angesagt. Dann habe ich mich in die Altstadt begeben und eine kurze Besichtigung gemacht. Ausserdem habe ich mir eine italienische SIM-Karte gekauft. Die hat mich 20€ gekostet, 300 Inlandtelefonate und 300 SMS inklusive!!! Das ist ja mal ein guter Deal! Ich werde nie mehr mein Smartphone mitnehmen. Zuerst musste ich mich aber wieder an mein altes Sony Ericson Handy gewöhnen, am Anfang war das gar nicht so einfach wenn man an Touchscreen gewöhnt ist. Na ja, irgendwann haben sich meine Finger aber wieder daran erinnert wie das funktioniert wenn man Buchstaben mühsam einzeln eintippen muss. Anschliessend ging es in das Restaurant, es lag an einer schönen Piazza und davor hat eine Band geübt. Dieses Wochenende ist in Arezzo ein grosses Fest, das zweimal im Jahr stattfindet. Leider kriege ich nur die Vorbereitungen mit da ich morgen schon nach La Verna fahren werde. Ich habe auf jeden Fall vorzüglich gegessen, der Tipp war wirklich gut. Zuerst gab es Primo Piatti: Tagliatelle an Tomatensauce und zum secondo Hackbraten und als Contorni Salat. Wow, wenn ich drei Wochen so weiter esse bin ich nach diesem Camino wahrscheinlich das erste Mal schwerer wenn ich zu Hause auf die Waage stehe. Bisher habe ich auf meinen Caminos immer abgenommen aber ich glaube dies ist in Italien nur schwer oder mit Diät möglich. Was ich keinesfalls tun werde! Schliesslich habe ich Ferien und bin auch zu meinem Genuss hier! Anschliessend habe ich noch einen Nachtspaziergang durch das wunderschöne Arezzo gemacht und bin dann langsam nach Hause geschlendert. Schliesslich habe ich morgen noch bis Mittag Zeit Arezzo zu besichtigen. Mein Zug fähr erst gegen 12.00h.

In den Gassen von Arezzo
Bücher- und Papierflut
Piazza Grande (hier wurden Sequenzen für den Film „La vita e bella“ gedreht)

Vorbereitungen für das Fest & den Umzug „Giostra del Saracino“

Das Fest findet 2 x im Jahr im Juni & September statt

Morgen werden 8 berittene Vertreter der Stadt um die goldene Lanze kämpfen

Dabei gilt es den Schild eines hölzernen Sarazenen zu treffen

31.08.2013 La Verna
Heute morgen habe ich noch ausgiebig Arezzo besichtig aber ich war dann echt froh, dass ich den Zug Richtung Bibbiena nehmen konnte. Ich bin einfach nicht der Besichtigungstyp oder besser ich habe einfach ziemlich schnell genug mich als Tourist durch die Strassen zu bewegen. Viel lieber bin ich mit Rucksack als Pilger unterwegs. In Bibbiena musste ich auf den Bus umsteigen der mich nach La Verna gebracht hat. Eigentlich wollte ich in Chiusi de la Verna aussteigen um noch 2 Std. hoch zu laufen aber der liebe Busfahrer hat mich woanders abgesetzt und von dort waren es dann nur noch 20 Minuten bis zum Kloster. Im Kloster angekommen fühlte ich mich erst einmal erschlagen von den vielen Leuten, Gläubiger und Touristen, die da waren. Eine Volontärin des Klosters hat mich dann bald gesichtet und mich freundlicherweise zur Reception der Forestiera gebracht. Da hat man mir dann zuerst mal zu verstehen gegeben, dass alles tutto pieno, d.h. alles besetzt sei. Ich habe dann mit meinen mickrigen Italienischkenntnissen versucht der Dame mitzuteilen, dass evt. eine Freundin von mir angerufen hat um für mich ein Bett zu reservieren. Schlussendlich hat Teresa tatsächlich angerufen und es war ein Bett für mich reserviert worden. Puuhhh, ich hörte mich ausatmen. Habe mich schon gesehen wieder zurück nach Chiusi de la Verna zu laufen. Meine SIM-Karte, die ich gestern gekauft habe war 24 Std. gesperrt und so wusste ich nicht, ob Teresa hatte reservieren können oder nicht. Die symphatische Volontärin hat mich dann gleich noch in den Schlafsaal gebracht, der komplett leer war! Ich konnte mir also mein Bett aussuchen. Ich habe wie immer ein Bett in der Nähe des Fensters ausgesucht damit ich zu etwas frscher Luft komme. Dann habe ich mir La Verna angeschaut. Wirklich beeindruckend dieses Kloster. Man hatte auch ein wunderschöne Aussicht von da oben ins ganze Tal. Ich bin dann auch noch zum Sasso Spicco runter wo Franziskus gerne meditiert und gebetet hat. Er war ja magisch angezogen von Felsspalten, Abgründen und Höhlen. Auf dem Klosterplatz sind mir dann zwei deutsche Frauen aufgefallen, die mit dem gleichen Reiseführer von Angela Maria Seracchioli unterwegs waren wie ich. Habe mich gefreut, dass noch andere Pilger unterwegs sind. Vor dem Essen bin ich dann noch an den Gottesdienst. Bin zwar weder Katholikin noch religiös aber an speziellen Orten wie diesem mag ich diese Rituale auch wenn ich leider nicht wirklich mitsingen kann. Aber nur schon zuzuhören und einfach da zu sein finde ich sehr inspirierend. Anschliessend habe ich mich dann in den Speisesaal begeben und die zwei deutschen Mädels an einem Tisch sitzen sehen. Ich habe sie dann gefragt, ob ich mich zu ihnen setzen dürfe was sie freundlich bejaht haben. Sie sind beide Hebammen, was wieder mal bestätigt, dass viele helfende und Pflegepersonen auf Pilgerwegen unterwegs sind. Es sind dann noch zwei deutsche Männer reingekommen die Ulla und Imken bereits in Arezzo kennengelernt haben. Sie haben sich scheinbar ihnen gegenüber komisch verhalten. In der Tabaccheria am Bahnhof, wo man die Zug und Bustickets bekommt, haben sie sie gefragt ob man hier die Ticket für La Verna kaufen könne. Dies hätten sie bejaht und dann noch gemeint, dass sie aber das Gleis wo der Zug abfährt schon selber finden müssten. Die beiden waren etwas konsterniert.Wir wurden dann von einem unfreundlichen Kellner gefragt, ob wir Pilger seien und dass wir hier nicht am Tisch sitzen dürften. Für uns gebe es einen speziellen Raum abseits des Speisesaals. Als wir nicht gleich reagiert haben hat er uns schier vom Tisch gescheucht. Wir sind dann in den Raum für Pilger und da sass bereits eine Gruppe Italiener aus Torino. Wir haben uns dann dazugesetzt und schon ging es los auf italienisch. Nach einem Glas Rotwein ging es schon ganz gut mit dem palavern. Nach dem Essen bin ich dann noch mal auf den Klosterplatz und habe mich auf die Mauer gesetzt. Im Schlafsaal war jetzt jedes Bett besetzt und die Italiener haben alle Fenster geschlossen. Ich habe dann schüchtern angefragt, ob man vielleicht das Fenster einen kleinen Spalt öffnen könne, worauf mich die Italiener ganz entsetzt angeschaut und gefragt haben: „die ganze Nacht“? Eh ja, die ganze Nacht. Wir haben dann noch mal gelüftet und dann wurden die Fenster wieder geschlossen aber ein klitzekleiner Spalt blieb offen..;-).

Das Kloster La Verna auf dem Fels
Der schöne Klosterplatz mit grandioser Aussicht
Hier werden wichtige Stationen aus Francescos leben bildhaft dargestellt
Wahnsinns Aussicht! Ich freue mich darauf in dieser schönen Gegend zu wandern!
Besser nicht zu weit über die Brüstung hinauslehnen…man fällt sehr tief!
In der Cappella delle Stimmate
Sasso Spicco
In der Höhle wo Francesco geschlafen und gebetet hat
Das schlichte Holzkreuz auf dem Klosterplatz
Abendstimmung in La Verna. Morgen geht es los!

01.09.2013 Pieve Santo Stefano
Heute morgen bin ich ca. 9.00h von La Verna los. Der Weg war sehr schön und auch gut ausgeschildert. Am Schluss kam eine abenteuliche Strecke, eine sogenannte Abkürzung. Es ging die ganze Zeit hin und her und zudem ging mir langsam das Wasser aus. Ich fragte mich, ob ich es doch noch geschafft habe mich zu verlaufen. Doch dann bin ich doch noch beim B&B angekommen. Der Camino di Francesco ist wunderschön und ich bin sehr froh hier zu sein! Es hat auch viel mehr Pilger unterwegs als ich gedacht habe und alleine war ich bisher nur bei der Anreise bis zum Abendessen in La Verna. Heute habe ich zum ersten Mal auf italientisch reserviert und es hat ganz gut geklappt. Teile mein Zimmer mit zwei deutschen Mädels, Katia und Violeta, die heute ohne Proviant und Wasser unterwegs waren. Sind zum ersten Mal auf dem Pilgerweg. Erinnert mich irgendwie an meinen ersten Camino von Le Puy noch Conques als ich auch zu wenig Proviant mit mir hatte, da ich als völliges Greenhorn gedacht hatte, man komme ständig an Dörfern vorbei wo man was einkaufen könne. Dem war aber leider nicht so und ich sehe mich noch heute weinend und verzweifelt in der kleinen Kapelle von Saint Roche vor Montbonnet sitzen bei Wasser und Brot. Das Essen ist natürlich kein Vergleich zu Spanien, es ist einfach köstlich! Und da man auf so einem Weg viele Kohlenhydrate und Kalorien braucht, kann ich nach Herzenlust schlemmen! Ich bin heute morgen die Variante um den Monte Penna gelaufen, durch einen wunderschönen alten Buchenwald. Beim Croce della Calla, da wo man wieder auf den Hauptweg trifft, bin ich den beiden deutschen Pilgern begegnet von denen mir Imken und Ulla erzählt haben. Habe sie angesprochen und gesagt: „Hallo, ihr sprecht doch auch deutsch oder“? Woraufhin der eine geantwortet hatte, „Nein, wir sind Inkognito unterwegs“! Ich habe dann nur lakonisch geantwortet: „Ok, dann seid ihr halt inkognito unterwegs“ und habe mich wieder verabschiedet. Habe ihnen dann einen kleinen Vorsprung gelassen da ich keine Lust hatte hinter ihnen her zu wackeln. Später sind mir dann noch Imken und Ulla begegnet, die ganz gemütlich unterwegs waren. Habe dann mit ihnen abgemacht, dass ich für sie am Valico di Viamaggio mitreservieren würde. Die beiden Jungs sind mir dann ständig über den Weg gelaufen und abends waren wir im gleichen B&B. In Pieve Santo Stefano haben wir dann bereits Bier getrunken und sind abends zusammen essen gegegangen. Es gab leckere Pasta, Vongole e Cozze, pro Person bestimmt 500g, für eine Person eigentlich nicht zu schaffen. Die einzige Person, die es geschafft hat war Horst, inzwischen nicht mehr inkognito unterwegs, da mir die beiden beim Bier ihre Namen verraten haben. Anschliessend hat Horst sogar noch einen Strudel gegessen. Kai, sein Freund und ich waren platt und haben schon bei der Pasta kapituliert. Wer jetzt denkt Horst sei evt. etwas rundlich, weit gefehlt, er ist lang und dünn! Die beiden sind eigentlich ganz nett wenn man darüber hinwegsieht, dass sie am Anfang etwas abweisend rübergekommen sind. Aber ich habe schon zu Imken und Ulla gesagt, dass die in den nächsten Tagen wohl noch auftauen werden. Denn niemand läuft einen Camino ohne dass sich etwas verändert. Das B&B ist ein Bauernhof und direkt unter unserem Zimmer ist der Schweinestall!!! Schon als wir ins Zimmer reingekommen sind hat es fürchterlich gestunken! Als wir das Fenster und die Läden aufgemacht hatten wussten wir wenigsten warum es so stinkt. Katia hat gemeint, dass nachts der Geruchssinn ausgeschaltet wird und irgendwie hatte sie recht, denn nachts hat es mich nicht so gestört. Dafür bin ich morgens schier aus dem Zimmer geflüchtet, da ich den Gestank nicht mehr ausgehalten habe. Ich habe dann ausserhalb des Schlafzimmers meinen Rucksack gepackt. Die erste Nacht bin ich fast erstickt weil ich das Zimmer mit frierenden Italienern geteilt habe und die zweite wurde mir schier schlecht vom Gestank der Schweine! Bin ja mal gespannt, was mich nächste Nacht erwartet. Habe die Mädels gefragt wo sie den am nächsten Tag hinwollen und sie haben gemeint, dass sie sich ans Buch von Angela halten. Ich wusste ja bereits, dass das B&B von Montagna geschlossen hat, da ich es schon von zu Hause aus über das Internet habe reservieren wollen. Daraufhin haben sie sich auf dem Pass von Viamaggio das letzte Zimmer reservieren lassen. Somit sind wir morgen wieder alle vereint, denn Horst und Kai werden auch dort übernachten.

Licht & Schatten
Meinen kleinen Helfer unterwegs
Unser Zimmer oberhalb des Schweinestalls im …
…B&B Il Castellare
Pieve St. Stefano

02.09.2013 Valico di Viamaggio
Heute waren es gemäss Reiseführer nur 10 km, was ich schlichtweg nicht glauben kann! Es war sehr anstrengend und ging vor allem bergauf. Habe den ganzen Tag niemanden getroffen ausser die Italiener aus Torino in der Eremo di Cerbaiolo, die gerade am aufbrechen waren. Bin um 11.30 angekommen und die Besichtigungsdauer war nur bis 11.45. Mir blieben also genau 15 Minuten um die Eremo zu besichtigen. Ich war ein bisschen enttäuscht da ich mir das Ganze etwas anders vorgestellt hatte und ausser der Kirche durfte man nichts besichtigen. Habe mich dann draussen auf die Bank gesetzt und eine Kleinigkeit gegessen. Dann kam Francesco raus, der Hausmeister, Pater oder Mönch(?) und wollte die Adresse des Verlegers des Reisefühers von Angela wissen. Er scheint ein echtes Problem mit Angela zu haben, denn er ist die ganze Zeit über sie hergezogen. Er hat sich darüber beschwert, dass die Oeffnungszeiten nicht im Reiseführer vermerkt sind und dass soviele Touristen hierher kämen wo dies doch ein Platz der Stille sei. War echt komisch. Anschliessend hatten wir dann aber noch ein gutes Gespräch. Wir haben über die Verbindung zu Gott gesprochen, den Camino und die Zeichen die wir erhalten. Er hat gemeint, es sei gut wenn man nicht wisse warum man auf dem Weg sei. Es bedeute, dass Gott einen gerufen habe und es immer klarer werden würde warum man unterwegs ist. Dies ist ja auch meine persönliche Erfahrung. Ich habe mich schon oft gefragt warum ich mir das antue und es sind die kleinen Momente wo ich diese Verbindung spüre. Wo ich mich mit allem verbunden und geführt fühle. Ich weiss dann, dass etwas Grösseres da ist, dass über mich wacht und micht führt. Eigentlich hätte Francesco viel zu geben nur schade, dass er seinen Frust an allen auslässt, die die Eremo besuchen. Es ist so ein spezieller Platz und es wäre schön, wenn die Ermitage im Sinne von Chiara weitergeführt würde, nämlich offen für alle. Er ärgert sich, dass soviele Touristen kommen aber entweder hat man offene oder dann halt geschlossene Türen. Man kann die Türe nicht nur einen Spalt für ein paar Auserwählte öffnen, die spirituell oder religiös sind und den Rest draussen lassen. Ich bin dann bald weitergelaufen und es ging stetig bergauf. Es war ein schöner Weg durch Eichenwälder und an einem schönen Ort mit Brunnen habe ich noch mal Rast gemacht. Ich brauchte einfach einen Moment der Stille. Vor allem nach der Eremo und dem Gespräch mit Francesco. Gegen 14.00h kam ich dann am Pass an. Ich war die Erste, von den anderen keine Spur. Als ich ankam sass eine Gruppe Motorradfahrer aus Bayern draussen an den Tischen. Die haben irgendwelche blöden Sprüche über meinen Sonnenhut gemacht aber ich habe einfach so getan, als verstehe ich kein Deutsch und bin einfach reingegangen. Ich hatte ein schönes Einzelzimmer mit Bad auf dem Gang. Zuerst musste ich noch das Klo flicken, da die Spülung nicht funktionierte. Als ich gemütlich vor dem Hotel beim Bier sass, kamen die Italiener aus Torino, die sich völlig verirrt hatten und völlig am Ende waren. Ein netter Herr vom Hotel hat sich dann anerboten, sie mit seinem Landrover nach La Spinella, ihrem Zielort zu fahren. Da sie als Gruppe unterwegs sind hatten sie alle Nächte schon vorreserviert. Kai und Horst sind dann auch eingetrudelt und haben gleich mal ein Bier getrunken und mich noch zu einem weiteren eingeladen. Dann kamen Ulla und Imken und es fehlten nur noch Katia und Violeta. Die wurden dann von einer Frau im Auto hergefahren, da sie sich auch komplett verlaufen hatten. Horst, Kai, Imken, Ulla und ich haben dann beschlossen am nächsten Tag die ersten paar Kilometer zusammen zu laufen, damit wir uns nicht verirren. Habe nämlich keine Lust da oben alleine herum zu irren! Hatte noch nicht reserviert für morgen, da ich dachte, dass Imken und Ulla kein italienisch sprechen und ich für sie mitreservieren wollte. Jetzt hat aber Horst schon für sie reserviert und für mich hat es jetzt keinen Platz mehr in Montecasale. Scheisse! Wollte so gerne beim Kloster übernachten. Meine Moral ist einen Moment lang in den Keller gerutscht aber ich werde schon was finden zum übernachten morgen. Dieser Spruch hat mich heute begleitet, weiss auch nicht wie ich darauf gekommen bin: „Wenn ich Durst habe, trinke ich, wenn ich Hunger habe, esse ich und wenn ich müde bin, raste ich. So einfach kann das Leben sein“.

Dem gelben Tau werde ich auf meinem Wege folgen
Das Grab der Eremitin Chiara in Cerbaiolo
In der Kirche von Cerbaiolo
Eremo di Cerbaiolo
Aussicht von der Eremo di Cerbaiolo
Abendstimmung am Valico di Viamaggio
Ulla vor dem Albergo Bar Imperatore

03.09.2013 Sansepolcro
Gestern habe ich es nicht mal mehr geschafft Tagebuch zu schreiben, so fix und fertig war ich. Um 21.00h lag ich bereits auf dem Bett, habe Musik gehört und wollte mich nicht mehr bewegen. Wir sind morgens um 8.00 alle zusammen losgelaufen, ausser Katia und Violeta wollten sich uns nicht anschliessen. Wir haben ziemlich bald gesehen, wo die Italiener aus Torino sich verlaufen haben. Es war gleich am Anfang, da hätten sie den Weg durch den Zaun nach rechts nehmen sollen anstatt noch tiefer in den Wald zu laufen. Ein Vater mit drei Kindern lief vor uns und wir wären ihnen auch fast einfach hinterher gelaufen. Wie so oft warnte mich mein Instinkt oder meine innere Stimme die immer wieder sagte wir sind falsch, umkehren! Was wir dann auch getan haben und bald schon haben wir auch den entsprechenden Pfeil gesichtet. Den Papa mit den zwei Teenagern haben wir dann weiter vorne wieder getroffen als sie gerade über einen Zaun kletterten um wieder auf den richtigen Weg zu gelangen. Wenigstens hatte der Vater einen guten Orientierungssinn und sich nicht verirrt. Oben auf dem Hügel mit grandioser Aussicht sind wir dann auf Violeta und Katia gestossen, die es sich auf der Wiese gemütlich gemacht haben. Wir haben uns natürlich gleich dazu gesellt, eine kleine Pause war uns ganz recht. Wir haben dann noch eine Fotosession angehängt, da man ja nie weiss, ob man alle Pilger noch einmal so zusammen hat wie da auf dem Hügel. Von da an sind wir alle wieder alleine oder zu zweit weitergegangen, die schwierigen Stellen waren ja vorbei. Ich war ganz froh, wieder alleine unterwegs zu sein, da es für mich nicht so einfach ist in einer Gruppe zu laufen und zu warten bis alle Schäfchen beisammen sind. Aber ich habe es ganz gut gemeistert muss ich sagen, bin überhaupt nicht ungeduldig geworden. Es war ein richtige Bergetappe und um 13.00h war ich erst in Montagna, der Zielort der gestrigen Etappe! Horst, Kai, Imken und Ulla habe ich bald aus den Augen verloren dafür habe ich Violeta und Katia immer wieder getroffen. Auch den Vater mit den drei Kindern, die unheimlich flott unterwegs waren, sind mir immer mal wieder begegnet und die Kinder haben mich dann immer ganz herzlich begrüsst. Es ist schön zu sehen, wenn ein Vater so etwas zusammen mit seinen Kindern unternimmt und die sind richtig gut gelaufen! In Montecasale bin ich um 15.00h angekommen und habe erst mal Rast gemacht vor der Herberge. Da gab es Picknick-Tische und Hunger habe ich ja immer. Ich habe dann noch mal in der Herberge nachgefragt ob nicht doch noch jemand abgesagt hätte aber es blieb beim: Mi dispiace, sono tutto pieno! Habe mir dann 1.5 Std. genommen um die schöne und spezielle Eremo von Montecasale zu besichtigen. Gegen Abend habe ich mich dann auf den steilen Abstieg nach Sansepolcro begeben. Dies war wirklich ein Härtetest, hat unheimlich viel Kraft gekostet und ging total in die Beine. Meine Knie haben mit der Zeit richtig geschlottert und ich musste mich unheimlich konzentrieren um nicht umzufallen und mir das Bein zu brechen. Zum krönenden Abschluss durfte ich dann noch mehrere Kilometer auf der Strasse laufen, da ich nicht der Route folgen und noch mal steil rauf und runter gehen wollte. Ich bin dann so um 18.00h ziemlich fertig in Sansepolcro angekommen und habe mich gleich in die erste Bar gesetzt wo ich mein schon lange ersehntes Bier getrunken habe. Einigermassen gestärkt bin ich dann noch die paar Schritte bis zur Albergo Fiorentina mitten im Zentrum gelaufen. Das Zimmer hat mich 50€ gekostet mit Frühstück aber das war mir so ziemlich egal, hauptsache ich konnte meine schmerzenden Glieder ausruhen und mein Haupt auf ein Kissen sinken lassen. Habe schnell geduscht und bin dann in die Pizzeria gegangen, die man mir im Hotel empfohlen hatte. Sie war auch gar nicht weit und darüber war ich sehr froh. Ich war so müde, dass ich kaum am Tisch sitzen konnte. Sobald ich mit dem Essen fertig war habe ich mich zurück ins Hotel begeben. Wollte eigentlich noch einen kleinen Stadtrundgang machen aber meine Beine waren damit überhaupt nicht einverstanden. Sie haben mich subito zurück ins Hotel geschickt. Sansepolcro ist ganz bestimmt eine wunderhübsche kleine Stadt, leider habe ich ausser der Hauptstrasse in der Altstadt absolut nichts gesehen!

Schöne Aussicht in der Nähe des Monte Verde
Kleine Fotosession mit Katia & Violeta
Die Katze ist mit Katia & Violeta vom Pass bis hierher gelaufen
Ulla, Violeta, Horst, Kai, Katia & Imken
Der Fotograf wird selber zum Sujet
Der Schlafplatz von Francesco
Eremo di Montecasale
In der Kirche von Montecasale
Francesco blickt in die Ferne
Eremo di Montecasale
Das Albergo Fiorentino in Sansepolcro

04.09.2013 Burgne
Habe mal wieder super schlecht geschlafen. Morgens habe ich dann noch Geld rausgelassen und da der Bancomat gleich gegenüber der Kirche war, habe ich auch noch schnell die Kirche besichtigt. Dann habe ich doch zumindest etwas gesehen von Sansepolcro. Anschliessend habe ich mir in einem Laden ein leckeres Panini für unterwegs machen lassen. Ich bin in den Laden rein und habe gesagt ich hätte gerne ein Panini. Dann hat mich der nette junge Herr gefragt welches Brot ich den möchte, dieses, dieses oder dieses? Dann konnte ich auch noch den Belag wählen und am Schluss hatte ich ein leckeres Panini mit Rohschinken und Käse. Proviant einkaufen in Italien macht richtig Spass. So um 9.00 habe ich dann die Stadt durch das Tor Fiorentina verlassen wo ich auch gleich schon auf Violeta und Katia gestossen bin die gerade nach dem Weg fragten. Ich bin ihnen einfach hinterher gelaufen wobei ich natürlich wusste, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Habe sie dann auch schon bald eingeholt. Sie haben im gleichen Hotel übernachtet wie ich und sind auch in der Pizzeria gewesen aber gesehen habe ich sie nicht. Heute war die erste Etappe, die praktisch nur auf der Strasse verlief. Die ersten drei Tage bin ich kaum auf der Strasse gelaufen. Meinen Füssen geht es aber trotzdem verhältnismässig gut. Die Landschaft war wunderschön und ich habe mich ein bisschen in Italien verliebt. Heute bin ich auch in Umbrien angekommen, die ersten drei Etappen waren in der Toskana. Gegen 13.00h war ich in Citerna und es ist sehr schade, dass man hier nicht mehr übernachten kann seit das Hotel zugegangen ist. Habe mir dann fast zwei Stunden Zeit genommen um die Altstadt zu besichtigen. Citerna ist von einer Stadtmauer umgeben und das spezielle an der Stadtmauer ist, dass es darin wie Laubengänge hat. Teile davon werden als Restaurants oder Cafes genutzt andere einfach als Parkplätze oder als Hinterhof. Dann ging es weiter Richtung Burgne. Habe mir gewünscht, einen Ort zu treffen wo es einen Fluss hat und ich meine Füsse baden könnte. Ich bin dann tatsächlich an einem Fluss vorbeigekommen aber auf der einen Seite konnte man nicht runter und auf der anderen glaubte ich Fischer gesehen zu haben und da wollte ich nicht die Fische vertreiben. Habe mich dann von einer Wässerungsanlage bespritzen lassen, dass hat mich auch abgekühlt. Später habe ich rausgefunden, dass die zwei Personen die ich am Fluss gesehen und für Fischer gehalten hatte, Katia und Violeta gewesen sind, die da tatsächlich ihre Füsse gebadet haben. Na ja ich kam mir dann etwas blöd vor, dass ich daran vorbeigelaufen bin aber manchmal macht man aus komischen Gründen nicht dass was man eigentlich will oder vor hatte. Was solls. Das letzte Stück nach Burgne war mal wieder sehr anstrengend. Mir kam ein Bagger entgegen, der den Weg verbreiterte und alles wurde richtiggehend umgepflügt, es kam mir vor als würde ich im Neuschnee laufen. Ziemlich anstrengend das Ganze und dann noch alles bergauf. Um 17.00 bin ich in Burgne im Agroturismo angekommen. Die Signora hat mich gleich gefragt was ich denn trinken möchte und schon sass ich bei Chips und Bier und habe mit der Signora gequatscht. Dann hat sie mir mitgeteilt, dass es einen Pool hätte woraufhin ich gesagt habe, dass ich gar keine Badekleid mithabe. Sie hat mir dann eines ausgeliehen. Der Schwimmanzug war wirklich zum schreien und vor allem habe ich es oben nicht ausgefüllt. Ich bin echt froh, dass mich niemand fotografiert hat. Mut zur Peinlichkeit kann man da nur sagen aber ich wollte unbedingt in den Pool. Dazu mussten wir Frauen auch noch eine schicke lachsfarbene Bademütze aus Plastik anziehen. Ein Bild für Götter und niemand hat fotografiert, hoffe ich auf jeden Fall. Die Signora hat mir noch gesagt, dass Katia und Violeta ca. 1/2 Std. vor mir angekommen seien und gleich in den Pool gesprungen seien. Habe mich dann zu ihnen gesellt und meinen schicken Badeanzug vorgeführt. Am Pool habe ich dann einen Italiener gesehen, der ist einfach mit der Unterhose schwimmen gegangen. Das hätte ich doch auch machen können schliesslich ist meine Unterhose und der BH schwarz, wäre glatt als Bikini durchgegangen. Um 19.00h sind dann noch Horst und Kai angekommen. Kai mit hochrotem Kopf! Die Freude war beiderseits gross, hatte sie schon richtig vermisst. Wir haben einen unterhaltsamen Abend mit vorzüglichem Essen zusammen verbracht und jetzt kommt mir gerade in den Sinn, dass ich vergessen habe bei der Signora ein Panini zu bestellen. Imken und Ulla sind in Montercchi geblieben bei der schwangeren Madonna und machen dort einen Ruhetag. Sie haben letzte Nacht in Montecasale das Zimmer mit Horst und Kai geteilt und waren anfangs darüber nicht sehr erfreut, gemäss den beiden Jungs. Uns hätten sie da nicht so schockieren können, Violeta, Katia und mich.

Oft habe ich mich von diesen Wassersprengern erfrischen lassen
Benediktinerinnen Kloster kurz vor Citerna
Aussicht von Citerna
Laubengänge entlang der Stadtmauer
Citerna
Abendstimmung in Burgne
So schön kann das Pilgerleben sein! Agriturismo Le Burgne

05.09.2013 Citta di Castello
Das Frühstück der Italiener ist ja nicht gerade mein Ding! Man bekommt vor allem Süssigkeiten und kein Brot. Oft gibt es Zwieback, kleine Kuchen, grosse Kuchen, manchmal Toastbrot aber kein richtiges Brot. Heute morgen hatten wir zudem das Problem, dass wir nur entweder den Toaster oder die Heizplatte einstecken konnten aber nicht beides zusammen. Ein Italiener aus einer Reisegruppe, wollte uns helfen und hat gemeint wir müssten nur den Stecker da rausziehen und auf der anderen Seite einstecken. Ich glaube er hat unser Problem nicht wirklich verstanden. Wir sind dann um 7.45h relativ früh los, Kai und Horst waren gerade erste beim Frühstück, und zuerst ging es mal wieder runter und wie könnte es anders sein auf der anderen Seite gleich wieder steil hoch. Um 8.30h war es irgendwie schon wieder heiss. Die Italiener haben gleich mal eine Pause eingelegt um Mozarella di Buffalo beim Bauern einzukaufen. Die haben uns dann noch gefragt warum wir nichts gekauft hätten aber ich hatte genug Proviant und wollte einfach nicht noch mehr Gewicht in meinem Rucksack. Die Reisegruppe aus Italien ist aber tatsächlich den ganzen Weg gelaufen, zwar ohne Rucksack aber doch alles zu Fuss. Wir haben sie ganz zu unrecht verdächtigt Autopilger zu sein. Die Eremo di Buon reposo war wunderschön und der private Eigentümer hat sogar eine Führung mit uns gemacht. Es war zwar auf italienisch aber das eine oder andere habe ich trotzdem verstanden. In der Kirche gab es eine kleine Seitenkapelle, die ein Kraftort sein soll. Wir haben uns dann alle einen Moment hingesetzt und ein paar Minuten still meditiert oder gebetet. Für ein paar Minuten waren sogar die Italiener mucksmäuschen still. Anschliessend ging es nur noch bergab und beim Campingplatz ca. 4 km vor Citta di Castello haben wir dann noch eine schöne lange Pause eingelegt. Wir wollten ja nicht zu früh in der Stadt ankommen. Habe mit den Mädels ein Zimmer geteilt im Hotel Umbra. Nach der Dusche habe ich erst mal ein Panini verdrück, denn ich war total ausgehungert. Bald sind auch schon Katia und Violeta dazugestossen und Elody, eine Französin aus Toulouse, die wir heute kennengelernt haben als wir in Citta di Castello angekommen sind. Sie hat drei Mammutetappen hinter sich, denn sie ist in drei Tagen von La Verna hierher gelaufen wobei sie aber nicht genau die Strecke gelaufen ist wie wir. Nach dem Einkaufen bin ich dann noch auf dem grossen Platz Horst und Kai begegnet, die scheinbar gerade angekommen waren. Habe dann mit ihnen noch ein Bierchen getrunken. Wir haben uns dann alle für 19.30 zum essen verabredet. Zuerst hat mich der eine Italiener aus der Reisegruppe aber noch zu einem Aperitivo eingeladen. In der Trattoria Lea waren wir zuerst einmal überfordert mit primo, secondo, cotorni usw. Am liebsten hätte ich einfach einen grossen Teller Pasta gegessen. Ist manchmal ganz schön kompliziert in Italien. Morgen werde ich wahrscheinlich bis Pieve di Saddhi laufen, da die ganze Etappe bis Pietralunga einfach zu lange ist (28 km). Ausserdem soll die Pieve di Saddhi ein sehr spezieller Ort sein. Es fällt mir schon etwas schwer, dass ich Kai, Horst, Violeta, Katia und Elody dadurch wahrscheinlich aus den Augen verlieren werde. Aber vielleicht halten sie ja auch da an oder ich hole sie dann wieder irgendwo ein.

Am frühen Morgen kurz nach Burgne
Der wunderschöne Innenhof…
… der Eremo di Buon Riposo

Manchmal gab es verwirrend viele Wegweiser
Kurz vor Citta di Castello
Citta di Castello
Da waren wir alle wieder zusammen

06.09.2013 Pietralunga
Es kommt meistens anders als man denkt! Bin bis Pietralunga weitergelaufen! In Pieve die Saddhi angekommen war ich nicht mehr sicher ob ich dableiben will oder nicht. Hatte wahrscheinlich auch damit zu tun, dass ich meine Freunde nicht verlieren wollte, aber ich habe mir die Lage dieser Kirche auch viel einsamer vorgestellt, nämlich einsam auf einer grossen Wiese! Aber jetzt erst mal der Reihe nach! Morgens musste ich erst mal fragen bevor ich den Weg raus aus der Stadt gefunden habe. Dann ging es auf schönen Feldwegen bis Il Sasso wo ich mir gleich mal einen Kaffee und einen süssen Gipfel gönnte. Dann ging es zuerst der Strasse entlang und später kurvenreich nach Collevecchio hinauf. Als ich mir beim Anstieg mal eine kurze Pause gönnte, gesellten sich auch schon bald Violeta und Katia zu mir. Sie erzählten mir dann von ihrem erfrischenden Bad bei der Ortschaft von Il Sasso. Ich habe das mal wieder nicht mitgekriegt, da ich nur eines gesehen habe: eine BAR! Die bunten Liegestühle im Park waren mir schon aufgefallen aber ich habe mir das halt nicht näher angeschaut. Auf jeden Fall soll Gerhard, der Oesterreicher, auch da gewesen sein und sich nackig in die Fluten gestürzt haben. Er ist dann auch noch bei uns vorbei gelaufen, bis dahin war er mir noch gar nicht begegnet. Es ging dann wieder der Strasse entlang und plötzlich lag da Gerhard am Strassenrand drapiert, nur leicht bekleidet und wir haben ein paar Sätze gewechselt. Irgendwie ein komischer Kauz und ich glaube, dass er durchaus für nackt wandern zu haben wäre;-). Kurz darauf habe ich beschlossen die Variante nach San Martino zu nehmen, die gemäss meinem Reiseführer 30 Min. länger war. Da ich zu diesem Zeitpunkt immer noch vor hatte in Pieve di Saddhi zu übernachten war das für mich ganz ok. Für Katia und Violeta war dies aber kein Thema, da für sie klar war, dass sie bis Pietralunga laufen werden. Wir haben uns mal wieder zum Abschied gewunken und ich habe mich schon gefragt, ob und wann ich sie wieder sehen würde. Das Ganze fing ganz harmlos an auf einem Kiesweg Richtung San Martino. Dann kamen immer wieder Abzweigungen und ich war mir nie ganz sicher ob ich auf dem richtigen Weg bin. Habe mich bei Abzweigungen immer gut umgesehen damit ich weiss wo es durchgehen würde falls ich umkehren müsste. Beim verlassen Hof von San Martino wurde es dann richtig abenteuerlich. Zuerst ging es ein Bachbett steil hinunter, dann musste ich den Fluss überqueren und auf der anderen Seite wieder aufsteigen. In meinem Reiseführer stand nur den Fluss überqueren und dann Richtung Westen laufen. Es kamen wieder Abzweigungen und ich bin einfach den rot/weissen Schildern gefolgt obwohl ich nicht wusste ob das die Richtigen waren. Ich bin dann zu einer Wiese gekommen und habe gar keine Zeichen mehr gefunden. Ich habe mich erschöpft hingesetzt und war am Rande der Verzweiflung. Es ist schon verrückt was für Aengste hochkommen können wenn man das Gefühl hat sich verlaufen zu haben. Zudem ging mir mal wieder das Wasser aus und ein Telefonnetz gab es auch nicht. Habe mich ziemlich beschissen gefühlt. Ich habe dann nur mit den Beschreibungen in Angelas Buch aber trotzdem den Weg gefunden. Am Schluss musste ich noch einen Stacheldraht überqueren und dann war ich auch schon wieder auf der Strasse. Puuuhhh!!! Kurz vor Pieve bin ich Horst und Kai wieder begegnet, ich kam gerade vom verlassenen Friedhof, wo man eine wunderschöne Aussicht geniessen konnte, und wir sind zusammen bis zur Kirche gelaufen. Am Brunnen bei der Kirche kam uns mal wieder Gerhard entgegen, der gerade daran war aufzubrechen. Das Wasser war kalt und schmeckte so richtig gut. War mir nicht mehr sicher ob ich hier bleiben soll und ich wollte zuerst einmal Pause machen, einen Apfel essen und dann entscheiden ob ich hier bleibe oder weiterlaufe. Dann ist der Herbergsvater mit dem Auto vorgefahren und hat mir die Entscheidung abgenommen. Sein Sohn sei verunfallt und er müsse mit ihm ins Spital fahren. Ich könne nicht da übernachten aber er würde mich bis Pietralunga fahren wenn ich nicht mehr laufen möge. Dieses Angebot habe ich dankend abgelehnt aber dann hat er noch vorgeschlagen alle unsere Rucksäcke bis ins Hotel Tinca von Pietralunga zu fahren und da haben wir sofort eingeschlagen! Zuvor durften wir aber noch die Kirche von innen besichtigen und das war dann richtig schön. Von aussen ist sie gar nicht speziell aber von innen schon, schlicht und einfach aber wunderschön! Dann hat uns Andrea noch zu Kaffee und Kuchen eingeladen und unsere Rucksäcke anschliessend in sein Auto eingeladen. Andrea war wirklich sehr, sehr nett und der Ort ist doch sehr speziell auch die Herberge. Es hätte sich wohl doch gelohnt hier zu bleiben. Wir sind dann ganz beschwingt und leichten Schrittes der Strasse entlang nach Pietralunga gelaufen. Trotzdem, dass wir keine Rucksäcke tragen mussten, war der Weg doch sehr lang und beschwerlich. Ich glaube mit Rucksack wäre ich wohl erst um 20.00 Uhr angekommen. Ich war an diesem Abend auch fix und fertig und bin beim Essen fast am Tisch eingeschlafen. In Pietralunga haben wir dann die Gruppe Italiener aus Torino wieder getroffen, die sich am Viamaggio verlaufen hatten. Grosses Hallo von beiden Seiten, ach leider ist mein italienisch immer noch nicht viel besser, hätte mich gerne mehr mit ihnen unterhalten. Sie sind auf jeden Fall sehr symphatisch. Elody schläft am gleichen Ort wie sie beim Pfarrer. Das Hotel Tinca war toll und ich hatte ein Zimmer nach hinten raus, relativ ruhig. Ein schönes Zimmer ganz für mich alleine! Die anderen haben ich nicht sehr gut geschlafen, da ihre Zimmer direkt über der Bar waren und um 4.30 morgens bereits die ersten Italiener mit grossem Palaver ihren Morgenkaffee oder ihr letztes Bier getrunken haben.

San Martino
Pieve di Saddhi
In der Herberge von Pieve di Saddhi
Rückblick auf Pieve di Saddhi
Mal ohne Rucksack unterwegs, da könnte man sich doch glatt daran gewöhnen!
Pietralunga
Die verwinkelten Gassen von Pietralunga
Wir sehen doch alle ganz zufrieden aus, trotz der Anstrengungen

07.09.2013 Gubbio
Heute war Familientag! Wir sind die ganze Strecke zu sechst gelaufen! Horst, Kai, Katia, Violetta, Gerhard und meine Wenigkeit! Beim Bergauf gehen hat Gerhard ohne Punkt und Komma geredet und dumme Sprüche geklopft. Habe mich dann ziemlich schnell abgesetzt in dem ich langsamer wurde oder schneller ging. Ich habe Mühe mit Menschen, die ununterbrochen reden und nie still sein können. Auch geht es mir auf die Nerven, wenn man immer bemüht gut drauf ist. Das fühlt sich für mich einfach nicht echt an, so ist das Leben nun mal nicht! Aber abgesehen davon war es ein perfekter Tag mit meiner symphatischen kleinen Pilgerfamilie! Heute mussten wir zum ersten Mal die Regenpellerine auspacken als wir noch ganz gemütlich auf einer Wiese gelagert haben. Da waren drei wunderbare Esel, die bereits laut „Iaaahh“ gerufen haben als sie unsere Aepfel und Birnen rochen, die wir kurz vorher von einem Bauern geschenkt bekommen haben. Wir haben alles an die Esel verfüttert oder besser Kai und Gerhard. Die waren aber auch wirklich total süss und ich hätte sie mal wieder am liebsten mitgenommen! Wir mussten dann plötzlich ziemlich schnell zusammenpacken, da ein richtiger Wolkenbruch auf uns hernieder prasselte. Es dauerte aber Gott sei Dank nicht sehr lange und kurz vor Gubbio war es auch schon wieder vorbei. Gubbio ist eine wunderschöne mittelalterliche Stadt, natürlich wieder mal auf einem Hügel, wie könnte es auch anders sein. Ich habe gelesen, dass in Umbrien fast alle Dörfer auf einem Hügel und/oder an einem Bergrücken liegen. Es ist auch touristisch aber nur am Tag. Abends sieht man vor allem Einheimische rumflanieren und ein paar Pilger. Wir haben im Hotel das Pilgermenu gegessen was im Nachhinein leider ein Fehler war. Es war bis anhin das schlechteste Essen in Italien! Anschliessend habe ich mit Violeta und Horst noch einen Abendspaziergang durch Gubbio gemacht und wir haben uns noch ein Gelato gegönnt: Himbeere und Rosmarin! Eine sehr interssante Mischung, hat gut geschmeckt. Morgen werden wir nur eine halbe Etappe bis Valdichiasco laufen damit wir morgens noch Gubbio besichtigen können aber auch weil die letzten Etappen ziemlich anstrengend waren. Kai hat was von einer Gondelbahn erzählt wo man auf einen Berg hochfahren kann und Violeta und ich sind natürlich dabei! Katia und Horst wollen es lieber etwas gemütlicher angehen..;-).

Kai versteckt sich, mag wohl nicht fotografiert werden
Katia, Kai und Gerhard
Nicht schlecht diese Villa, oder ist es ein Palazzo?
Kai: Der mit den Eseln spricht…
Gemütliche Rast vor dem Platzregen
Gubbio

08.09.2013 Valdichiasco
Habe heute Morgen bereits eine schöne Besichtigungstour durch Gubbio unternommen und werde jetzt dann gleich mit Kai und Violeta mit den Gondeln auf den Berg hochfahren. Habe die Gondeln bereits gesehen und es sieht ziemlich abenteuerlich aus, ich würde es eher als Papageienkäfig bezeichnen. Fortsetzung folgt…
Kai hat mit mir einen Papageienkäfig geteilt und Violetta ist alleine hochgefahren damit wir nicht sehen können wieviel Angst sie tatsächlich hatte. Es war ein kurze und schöne Fahrt zusammen mit Kai und mit wunderschöner Aussicht. Kai hat immer versucht ein Foto von uns beiden zu machen aber meistens war nur ich drauf oder er nur halb. Oben angekommen habe ich gleich mal Hunger bekommen und eine Piadina verdrückt. Ist ja auch anstrengend so eine Stadtbesichtigung inkl. Bergtour. Als ich aus dem Restaurant kam haben sich Kai und Violeta gerade so gefährlich aussehende Messer angeschaut. Kai hatte ein Messer in einer ganz schwarzen Scheide in der Hand und ich dachte noch, dass sieht ja aus wie aus dem dritten Reich. In dem Moment hat er die Klinge aus der Scheide gezogen und da stand doch tatsächlich: „Alles für Deutschland“! Wir wollten es dann noch fotografisch festhalten aber die Besitzerin des Ladens fand das gar nicht lustig und Kai hat dann das Messer wieder schön brav zurückgelegt. Wir mussten total lachen auch wenn es eigentlich mehr zum heulen war, dass solche Waffen an einem so schönen Ort verkauft werden. Echt schräg! Anschliessend sind wir weiter den Berg hochgelaufen und haben ganz oben die Basilika Sant’Ubaldo besichtigt. Auf dem Hof vor der Basilika posierte eine Italienerin in schönem grünen Kleid und ich wollte Kai zu verstehen geben, dass er sich doch auf die andere Seite des Brunnen stellen soll damit ich ihn zusammen mit der Italieniern ablichten könnte aber leider hat er meine Zeichen nicht verstanden. Dann habe ich ihn halt zusammen mit Violeta abgelichet was natürlich auch ein sehr schönes Foto ergab..;-). Wir sind dann in Kehrtwenden den Weg runtergelaufen bis zum Tor von Sant’Ubaldo wo wir dann wieder in die Stadt reingekommen sind. Auf der Piazza haben wir auch gleich Katia und Horst wieder getroffen und uns vor unserem Abmarsch Richtung Valdichiasco nochmals gestärkt. Gegen 13.30 sind wir dann endlich los, nach dem noch alle schnell Geld am Bankomaten rausgelassen haben. Ich hatte ehrlich gesagt null Bock und absolut keine Energie weiter zu laufen, habe mich nur so dahin geschleppt. Halbe Etappen sind einfach nicht mein Ding, da habe ich einfach nicht die richtige Einstellung dazu. Man denkt dann immer es sind ja nur so und soviele Kilometer, ein Klacks aber diese wenigen müssen auch erst gelaufen werden.
Horst, Katia und Violeta waren weit voraus und sind einfach an allen Bars vorbeigelaufen. Als Kai und ich vor dem schönen Agritourismo Ponte di Rocchio standen und das Schild sahen wo Paninis und Bibite darauf stand, war für uns der Fall bald klar, dass wir hier nicht vorbei laufen können und eine schöne Rast einlegen. Die anderen können ja von mir aus durchlaufen, wenn sie wollen. Bei Speis und Trank sind Kai und ich uns dann näher gekommen und wir hatten ein sehr persönliches berührendes Gespräch. Wir waren sehr ehrlich miteinander und er hat mein Herz berührt. Kai wollte Horst gerade eine SMS schicken um zu sagen wo wir sind und da hat Horst auch schon angerufen. Ich glaube sie wollten bereits eine Vermisstmeldung abgeben, war aber nicht nötig denn uns ging es blendend..;-).
Wir sind dann anschliessend schweigend weitergelaufen, jeder mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. Meine Energie war auf jeden Fall wieder zurück, ich hatte jetzt wieder genug Benzin im Tank! Gegen 17.30 sind wir dann in Valdichiasco angekommen. Katia, Violeta und Horst lagen schon lange am Pool. Den Pool habe ich dieses Mal ausgelassen, denn erstens war es mir schon zu kühl und zweitens hatte ich keine Lust mich in Unterwäsche in den Pool zu begeben. Wir hatten zu dritt ein tolles Zimmer auf zwei Stöcken. Hatte mich schon oben eingerichtet und dann hat Violeta gemeint, dass man das obere Bett nicht benutzen könne da es nicht bezogen sei. Dann bin ich halt wieder runtergeklettert und habe mich im Separée eingerichtet. Dieses Agritourismo ist wirklich wärmstens zu empfehlen, ganz toller Platz! Das Essen war hervorragend und wir haben einen sehr lustigen und unbeschwerten Abend zusammen verbracht. Der nette Herr aus Holland, der uns fotografiert hat, hatte leider immer den Finger auf dem Objektiv!

Fresko in der Kathedrale
Das Tor Sant’Urbano
In den Gassen von Gubbio
Hier links haben Katia und Violeta übernachtet
Violeta im Papageienkäfig
Adrett posiert, leider ohne Kai…
…dafür hier mit Violeta…
Francesco spricht mit dem Wolf
Gubbio ist die Stadt vom Wolf
Das Agritourismo, wo ich mit Kai wieder volltanken konnte
Kai hat den Pool auch zu später Stunde noch ausgenutzt
Unsere feucht fröhliche Runde in sehr guter Stimmung
Agrotourismo von Valdichiasco

09.09.2013 Valfabbrica
Heute war ein langer, wunderschöner aber auch sehr anstrengender Tag. Gegen Morgen gab es ein starkes Gewitter und der Regen ist nur so heruntergeprasselt. Ich musste sogar aufstehen und das Fenster schliessen, da es herein regnete. Dann lag ich aber wohlig im Bett und habe es genossen, dass ich im Trockenen bin. Um 8.00h gab es Frühstück und vorher hatte ich bereits meinen Rucksack gepackt, so dass ich anschliessend gleich losmarschieren konnte. Ich bin alleine gestartet da ich keine Zeit verlieren wollte und die anderen wegen dem Regen rumgetrödelt haben. Der eine oder andere überlegte noch einen Ruhetag einzulegen, da das Wetter nicht gerade vielversprechend aussah. Ich liess mich aber nicht beirren und bin zügig losmarschiert, da ich wusste, dass es ein langer Tag wird. Zu Beginn hat mich noch ein kleiner Hund begleitet, der dann aber plötzlich verschwunden war und schon bald fing es wieder an zu regnen. In der Ferne hörte man Donnergrollen, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass das Gewitter auf mich zusteuert und deshalb hatte ich auch keine Angst. Wenig später kam ich beim Tor der Einsiedelei San Pietro in Vigneto vorbei. Hier lebt ein Einsiedler hinter verschlossenen Toren, der nicht gestört werden will. An der Mauer, die bemalt ist, kann man seinen Tagesplan studieren. Den Picknickplatz, der direkt gegenüber dem Tor liegt, musste ich leider links liegen lassen, da es regnete. Der Weg war teilweise ziemlich rutschig und da es auch bergauf ging, fand ich manchmal fast keinen Halt. Ich war mal wieder richtig froh darüber Stöcke dabei zu haben. Gott sei Dank waren es nur wenige Stellen wo es wirklich schwierig war. Bei der Kirche von Caprignone habe ich dann endlich angehalten und Pause gemacht, da es mittlerweile aufgehört hatte zu regnen. Leider wird der Rastplatz von Caprignone auch als Müllentsorgung genutzt, es hat zwar Schilder, die darauf hinweisen, dass dies keine Abfallhalde ist aber dies wird einfach ignoriert. Ich habe immer einen kleinen Plastiksack bei mir wo ich meine Abfälle sammle und abends werden sie dann entsorgt. So trage ich wenigstens nicht noch zur Umweltverschmutzung bei. Bei der Burg von Biscina wollte ich eigentlich eine weitere Rast einlegen aber es hat so penetrant nach Kuhmist gestunken, dass ich keine Lust hatte mein Panini auszupacken. Ich bin dann noch ein Stück weiter gelaufen und als man eine schöne Aussicht auf den Stausee von Valfabbrica hatte, habe ich mich einfach am Wegesrand hingesetzt. Es sind dann drei Pilger an mir vorbeigelaufen, die ich schon mal kurz nach Gubbio gesehen habe. Von meinen Freunden war aber weit und breit keine Spur. Der Weg führte dann zu einem Bach runter, den ich überquerte und auf der anderen Seite wieder hinauf führte. Auf der linken Seite war ein Schild wo „Fonte“ darauf stand. Ich habe mich dann mit Rucksack unter dem Stacheldraht hindurch gezwängt und habe meine Wasserflaschen mit klarem frischem Wasser aus der sprudelnden Quelle aufgefüllt. Als ich zurück auf den Weg kam sah ich gerade noch Kai um die Ecke biegen. Habe ihn gerufen und bin dann wieder mit Horst und Kai ein Stück zusammengelaufen. Gerade wollte ich mich wieder absetzen, da ich einfach flotter unterwegs war, als eine grosse weisse Kuh mitten auf dem Weg stand und Gras frass. Habe versucht an ihr vorbei zu laufen aber dann kam sie ziemlich angriffslustig auf mich zu. Habe auf Kai und Horst gewartet und zusammen sind wir dann an ihr vorbeigelaufen wobei ich mich hinter Kai versteckt habe. Ja, ja ich weiss aber ich habe einfach Angst vor Kühen weiss auch nicht warum. Bin dann flott weitergelaufen und bald schon hatte ich Kai und Horst wieder abgehängt. Die Aermsten hatten auch den ganzen Tag keine richtige Pause gemacht, da sie Angst hatten, dass es wieder anfäng zu regnen und dementsprechend müde. Auf einer schönen Wiese am Wegesrand habe ich mich dann dekorativ unter einen Baum gelegt, die Schuhe ausgezogen und auf sie gewartet. Bald schon sind sie eingetrudelt und ich musste sie nicht lange bitten anzuhalten. Dann kamen auch noch Violeta und Katia und schon war die Pilgerfamilie wieder vollständig. Kai ist halb nackig in Unterhosen rumgelaufen da er immer so schwitzt und seine Wanderklamotten zum Trocken am Baum hingen. Wir sind dann das letzte Stück alles der Strasse entlang bis Valfabbrica gelaufen. Gegen Ende wurde ich immer langsamer und ich bin dann auch als Letzte in Valfabbrica eingetroffen. Ich hatte eigentlich für uns alle im „Il Pioppo“ reserviert als ich aber auf dem Dorfplatz ankam wurde ich sogleich von einem älteren Herrn angesprochen, der mir mitteilte, wo ich das Ostello Francescana finde. Ich meinte daraufhin, dass ich im „Il Pioppo“ reserviert hätte worauf er meinte, dass sich das noch 3 km weiter ausserhalb von Valfabbrica befinde. Ich war ziemlich erschöpft und absolut nicht dazu in der Lage noch 3 km weiterzulaufen. Ich habe dann schnell die anderen gefunden, die schon beim Bier sassen. Der Herr von vorher kam nun mit dem Auto vorbei und hat uns angeboten uns ins Ostello zu fahren. Wir haben dankend abgelehnt aber die anderen wollten dann doch dort anfragen ob es noch Platz habe. Dies wurde bejaht und ich hatte nun die unangenehme Aufgabe im „Il Pioppo“ abzusagen. Die Dame dort war natürlich sehr enttäuscht, sie hätte uns auch abgeholt und ich fühlte mich dementsprechend schlecht. Ich mag solche krummen Sachen nicht. Im Ostello war mir dann schnell klar, dass wir einem Bauernfängertrick auf den Leim gegangen waren, denn der nette ältere Herr von vorhin war nämlich niemand anders als der Herbergsvater. Ich war ziemlich sauer, vor allem auf mich selber, dass ich darauf hereingefallen war. Aber ein müder Pilger ist halt auch leicht beeinflussbar. Wir hatten dann aber trotzdem einen sehr schönen Abend in grosser Runde. Wir sassen draussen an einem grossen Tisch vor der Herberge. Die 6 Italiener aus Torino waren auch da und dann noch die 3 Deutschen, die mir heute unterwegs begegnet waren. Es war richtig lustig und nach ein paar Gläsern Wein war mein Italienisch ganz passabel. Die Italiener haben mich dann noch gelehrt wir man mit den Händen spricht und wann man welche Geste macht. An diesem Abend habe ich mich so richtig überessen und auch zu viel getrunken, es gab sogar noch einen Grappa zum Abschluss. Anschliessend haben Kai, Katia und ich noch einen Verdauungsspaziergang gemacht aber der Bauch war immer noch viel zu voll als ich mich dann ins Bett gelegt habe. Am nächsten Morgen habe ich dann erfahren, dass Katia auf das Sofa im Gang geflüchtet ist, da ich so laut geschnarcht hätte! Man war mir das peinlich! Habe mir geschworen, weniger zu trinken vor allem wenn ich das Zimmer teile.

Am Morgen früh nach Valdichiasco
Santa Maria della Ripa
Vita dell’Eremo
Eremo di San Pietro in Vigneto
Kleines Hindernis am Weg
Einer der sieben Zwerge kurz vor Biscina
Die Burg von Biscina aus der Ferne
Unser schöner Rastplatz…
…auf der Wiese unter Bäumen
Kai wird langsam wieder trocken
Der wunderschöne Stausee von Valfabbrica
Ostello Francescana

10.09.2013 Assisi
Frühstück gab es keines im Ostello dafür haben wir uns in der Bäckerei ein leckeres Panini und einen Kaffee zum mitnehmen geholt. Wir haben uns auf die Piazza gesetzt und dort gefrühstückt. Horst und Kai wollten noch einen Kaffee aus einer richtigen Tasse trinken und haben sich in die Bar begeben. Wir Mädels haben uns auf den Weg gemacht und da es in der Nacht noch geregnet hatte beschlossen wir auf der Strasse zu bleiben, da der Camino nach Regen sehr rutschig sein soll. Am Ende des Dorfes ist uns ein Mann begegnet, der immer nur von Horst geredet hat. Scheinbar hat er ihn gesehen als wir auf der Piazza beim Brunnen gefrühstückt haben und er war total beeindruckt von seiner Grösse. Er hat von ihm geschwärmt als sei er der neue Messias. Wir haben dann gewitzelt, dass Horst mit einer langen weissen Robe und wenn er sich noch die Haare wachsen liesse, glatt als Jesus durchgehen würde. Wir sahen uns schon als seine ersten Jünger, wie wir ihm die Füsse küssen und wie wir nächstes Jahr die Via Horst laufen würden. Wir haben uns gekrümelt vor lachen.
Wir sind dann bei „Il Pioppo“ vorbeigelaufen und es war höchstens eine halbe Stunde nach Valfabbrica. Es gab da auch einen Swimmingpool und wahrscheinlich wäre es da auch sehr schön gewesen. Von dort ging es steil die Strasse hinauf nach Pieve San Nicolo. Wenn man zurückschaute hatte man immer wieder wunderschöne Rückblicke ins Tal nach Valfabbrica und sogar bis zur Staumauer. Bei einer wunderschönen kleinen Kirche in Pieve San Nicolo haben wir eine Pause gemacht und ich habe nochmals die beiden Mädels fotografiert, da es das letzte Mal war, dass wir zusammen unterwegs waren. Anschliessend haben wir uns dann noch kurz verlaufen und wir mussten nach dem Weg fragen. Danach habe ich die Mädels kurz aus den Augen verloren. Ich sass mal wieder alleine am Wegesrand und habe eine Schafherde beobachtet. Dann fuhr plötzlich ein Traktor auf die Weide und ich fragte mich bereits was er wohl vorhatte als ich realisierte, dass er die Schafe zusammentrieb und auf eine andere Wiese führte. Katia und Violeta kamen auch gerade angelaufen und die meinten hinter dem Steuer sei ein kleiner Junge gesessen. War irgendwie eine lustige Szene. Kurz vor Assisi sind dann auch wieder Horst und Kai zu uns gestossen. Wir haben den neuen Weg durch den Wald zur Kathedrale von San Francesco genommen und standen schon bald überwältigt vor der grossen Kirche. Für Kai, Horst und Katia war es das Ende des Pilgerweges und wir haben ein paar Erinnerungsfotos geschossen. Leider ist das Foto auf meiner Kamera nichts geworden weil der junge Mann, der für mich das Foto machte, die Kamera abgeschaltet hatte. Anschliessend gab es ein überteuertes Bier in der sehr touristischen Altstadt von Assisi bevor wir uns zur Jugendherberge begaben, die ausserhalb der Tore Assisis in einem Olivenhain lag. Da haben wir zum ersten Mal alle zusammen ein Zimmer geteilt. Das war irgendwie der passende Abschluss.

Schöner Blick ins Tal nach Valfabbrica und bis zur Staumauer
Rast bei der kleinen Kirche in Pieve San Nicolo
Wunderschöne Wegmarkierung
Da hat wohl jemand was verloren
Ich liebe Zipressen
Kai mit seinem unnachamlichen Schritt
Erster Blick auf den Monte Subasio
Padre Pio
Violeta durchschreitet das Tor
Die Friedensglocke der 4 Weltreligionen
Für die einen Ankunft am Ende der Pilgerreise…
…für die anderen nur Zwischenstation
Der Kreuzgang der Kathedrale San Franceso
Die Mädels auf dem Weg zur Jugendherberge
Cathedral by night
Das untere Tor der Kathedrale
Stilleben in der Jugendherberge

11.09.2013 Assisi
Heute gegen Morgen wurde ich von Kai, der oben an mir schlief, sanft geweckt und er hat mich gebeten ich solle mich auf die Seite drehen. Uuups! Scheinbar habe ich wieder geschnarcht. Aber eigentlich sind die Jungs selber schuld wenn sie es doch sind, die immer mein Weinglas auffüllen. Dies muss jetzt ein Ende haben! Die arme Katia! Na ja, die nächste Nacht wird sie ruhig im Zug verbringen ohne schnarchende Mitpilgerin. Von jetzt an werde ich schön brav nur noch ein Glas Wein trinken, hochheiliges Pfadfinder Ehrenwort!!! Meinen Mitpilgern zu liebe…:-(.
Violeta hat heute Morgen Katia zum Bahnhof von Santa Maria degli Angeli gebracht. Kurz nach dem sie gestartet sind hat es wie aus Kübeln angefangen zu regnen. Violeta ist zurück gerannt und hat schnell noch die Regenpellerine geholt aber es war bereits zu spät sie war klitschnass. Ich habe für Violeta und mich im Hotel Posta ein Zimmer reserviert, da ich keine Lust hatte noch eine Nacht in der Jugendherberge zu verbringen. Das Hotel liegt zentral an der Piazza San Ruffino und da heute Stadtbesichtigung auf dem Programm steht finde ich das angenehmer. Der liebe Kai hat meinen Rucksack quer durch Assisi getragen und es ging steil bergauf. Der Arme musste richtig hart arbeiten und ich kam mir fast ein bisschen schlecht vor wie ich leichtfüssig vor ihm hergegangen bin und er sich da hoch gequält hat. Auf halbem Weg sind wir dann noch Horst und Violeta begegnet. Horst, natürlich auch ganz Gentleman, hat den Rucksack von Violeta getragen. Anschliessend bin ich mit Kai durch die Stadt gezogen und Horst mit Violeta. Die beiden scheinen richtig verliebt zu sein. Kai und ich haben als erstes eine Führung in der Kathedrale San Francesco gemacht. Wir hatten ein Gerät und zwei Kopfhörer und Kai hat mich immer ganz fest an sich gedrückt. War total süss! Anschliessend hatten wir wieder Hunger und da gerade Siestazeit war mussten wir mit Pasta aus Plastiktellern vorlieb nehmen. Plötzlich sah ich zwei Frauen vorbeilaufen, die mir sehr bekannt vorkamen. Das waren Imken und Ulla die gerade in Assisi ankamen. Wir haben dann noch zusammen was getrunken und ich habe mich abends mit Ihnen zum Essen verabredet. Dann war es auch schon Zeit die beiden Jungs bis zum Stadttor zu begleiten und zu verabschieden. War schon traurig, es war schön mit meiner kleinen Pilgerfamilie, die sich jetzt leider auflöste. Nur Violeta und ich sind übrig geblieben. Wir haben unsere trübe Stimmung gleich mit etwas nützlichem überspielt und haben alle unsere Kleider in meinen Kleidersack gestopft und sind damit zur Wäscherei gegangen. Ich habe dann auf einem Platz mit wunderschöner Aussicht auf die Basilika von Santa Maria degli Angeli ein Bier getrunken, mein Tagebuch nachgeführt und nach einer Stunde konnten wir bereits unsere frisch gewaschenen Kleider abholen. Was für eine Freude! Alles hat frisch und rein geduftet, da ging es uns gleich wieder besser. Anschliessend habe ich Ulla und Imken getroffen und wir haben uns ein tolles Restaurant in der Nähe ausgesucht wo zufällig später auch noch die Italiener aus Torino reingekommen sind. Ich nehme an, dass es in Assisi viele, viele Restaurants gibt aber die Pilger scheinen sich magisch anzuziehen. War auf jeden Fall sehr symphatisch so konnten wir uns noch alle von allen verabschieden. Violeta ist zu Hause geblieben, ich glaube sie hatte Liebeskummer. Ich musste ihr dann auf das Handy anrufen damit sie mir die Türe aufmacht damit ich ins Zimmer reinkomme.

Kai schleppt meinen Rucksack quer durch Assisi
Durch dieses Tor haben wir Kai und Horst hinaus begleitet
Kathedrale San Francesco
Krigsmüder Francesco
Wunderschöne Stimmung
Kai hat Blasen an den Füssen
Abendstimmung an der Piazza del Comune
Hier haben Violeta und ich die 2. Nacht übernachtet

12.09.2013 Spello
Heute morgen haben wir in Assisi noch Proviant eingekauft und als wir starten wollten hat sich der Himmel mittels eines heftigen Gewitters über uns entleert. Wir standen im Türrahmen des Lebensmittelgeschäfts und haben gehofft, dass es bald aufhört. Das Wasser ist in Bächen die Strasse runtergekommen. Wir haben unsere Regenpellerinen angezogen und als der Regen etwas nachliess sind wir losgegangen. Anfangs war mir etwas mulmig zu mute wegen dem Gewitter und auch weil ich wusste, dass wir heute mit dem Monte Subasio eine Bergetappe vor uns haben. Es ging anfangs steil bergauf und wir kamen ganz schön ins Keuchen und Schwitzen. Das Donnergrollen lag stetig vor uns und wurde dann immer weniger. Dann kamen wir schon bald zu der einsamen und wunderschön gelegenen Eremo della Carceri was Kerker bedeutet. Da leben auch heute noch Nonnen und es ist ein ganz spezielles Fleckchen Erde. Leider kam eine Reisegruppe nach der anderen, was mich etwas gestört hat, da ich diesen stillen Platz gerne eine Weile für mich alleine gehabt hätte. Egoistisch wie ich halt bin..;-). Nach einem kurzen Espresso ging es wieder steil bergauf bis wir auf ein Hochplateau kamen. Da machten wir erst mal Pause und genossen die vorerst noch nicht vorhandene Aussicht. Das Wetter wurde aber immer besser und der Nebel lichtete sich langsam. Man sah schon fast zurück bis Assisi als wir uns wieder auf den Weg machten. Vor uns muss ein riesiger Hirsch unterwegs gewesen sein, der sich immer wieder erleichtet hat, der Weg war übersät mit riesen Haufen. Der Boden war so aufgeweicht vom vorangegangen Regen, dass wir die ganze Zeit dicke Stollen unter den Sohlen hatten, die wir immer wieder abstreifen mussten, sonst wurden die Schuhe ziemlich schwer und man hatte keinen Halt. Wir sahen Spuren von einem anderen Wanderer, Gerhard oder vielleicht Elody? Dann ging es durch einen zauberhaften Märchenwald stetig hinunter bis Spello. Es war eine sehr schöne Etappe fast ohne Asphalt.
Eigentlich wollten wir im ersten Kloster in der Stadt übernachten aber da machte uns niemand auf als wir läuteten. Habe dann im Franziskanerkloster Piccolo San Damiano angerufen, welches etwas ausserhalb von Spello lag. Als wir beim Kloster ankamen standen wir zuerst mal vor einem grossen Sicherheitstor und wir fragten uns schon mal wer den bitte schön die Nonnen hier stehlen soll. Wir haben dann geläutet, das Tor ging langsam auf und wir wurden von einer handvoll betagter Nonnen begrüsst. Die eine war total herzlich und hat uns immer die Backe getätschelt. Eine andere Nonne mit einer dicken Knollennase war ziemlich grantig und hat uns bei jeder Gelegenheit gerügt. Wir wollten vor dem Essen noch nach Spello um ein Bier zu trinken und baten Schwester Knollennase uns das Tor zu öffnen. Wir haben ihr gesagt, dass wir Proviant für morgen brauchen woraufhin sie gemeint hat, dass wir doch im Kloster essen würden somit würden wir kein Proviant benötigen. Sie hatte dann aber doch Erbarmen mit uns und hat uns rausgelassen. Violeta hatte Angst, im Kloster nicht genug zu essen zu bekommen und hat gleich ein ganzes Panini verdrückt. Ich habe mich mit meiner Piadina etwas zurückgehalten, man kann ja nie wissen und verhungert bin ich im Kloster eingentlich noch nie. Um 19.00h hat uns Schwester Knollennase zum Essen beordert indem sie kräftig in die Hände geklatscht und streng „Mangiare“ gerufen hat. Da waren wir schon wieder ziemlich eingeschüchtert, anschliessend hat sie dann noch mit uns geschimpft, da wir scheinbar vergessen hatten das Licht im Gang auszuschalten. Im Speisesaal mussten wir erst mal hinter unseren Stuhl stehen und mit den anderen Nonnen gemeinsam das „Vater unser“ beten. Dann wurde das Essen aufgetragen und Violeta meinte, dass wir alles aufessen müssten, da wir sonst wieder zusammengeschissen werden. Knubbelnase hat die ganze Zeit grantig zu uns rüber geschaut und wir mussten aufpassen, dass wir nicht losprusten. Zuerst gab es eine Minestrone, dann Fleisch, Bohnen und eine Piadina gefüllt mit Schinken und zum Dessert ein abgelaufenes Yoghurt. Wir haben uns wacker gehalten und brav aufgegessen ausser ein Stück von der Piadina habe ich liegen lassen sonst wäre ich geplatzt. Prompt wurde ich von Knubbelnase gerügt! Dann war da noch die Mutter Oberin, die so laut sprach oder besser schrie, da alle Nonnen wahrscheinlich schwerhörig waren! Was für eine skurille Szene. Sie hat dann während dem Essen den Fernseher angestellt und über Berlusconi referiert. Scheinbar funktionerte etwas mit dem Ton nicht und der einzige Mann im Raum der anwesend war musste dann den Fernseher flicken. Nach dem Essen gab es dann noch ein Abschlussgebet während dem Knubbelnase gelangweilt und desinteressiert mit ihrer Wasserflasche rumspielte. Violeta und ich konnten uns fast nicht mehr beherschen und hätten fast losgeprustet. Das Ganze war einfach zu komisch! Wir hatten dann noch Ausgang bis 21.00h und fragten die Mutter Oberin ob sie uns rauslässt. Sie meinte dann es sei dunkel, woraufhin wir meinten Nein, nein. Wir wollten aber einfach raus aus dem Gefängnis. Wir sind dann nach Spello gespurtet und haben Assisi aus der Ferne betrachtet. Pünktlich um 21.00h standen wir wieder am Tor um nicht vor geschlossnen Türen zu stehen. Wir wollten nicht noch mal von Knubbelnase gerügt werden.

Aufstieg zum Monte Subasio

Kapelle in der Eremo della Carceri

Santuario della Carceri

Die Nebel auf dem Monte Subasio lichten sich

Auf dem Hochplateau

An der Fonte Bregno

Der Mächenwald

Runter nach Spello

Das Ziel vor Augen

Spello

Die verwinkelten Gassen von Spello

Aussicht von Spello

Aussicht vom Kloster Piccolo San Damiano

13.09.2013 Trevi
Morgens um 8.00h gab es Frühstück, dieses Mal durften wir selbständig zum Speisesaal gehen und dann wurden wir mit dem Pilgersegen der Mutter Oberin und einem missbilligenden Blick auf Violetas kurze Hosen sowie der Bemerkung es sei kühl auf den Weg entlassen. Puuhh, endlich wieder frei..;-). Zuerst haben wir in einer Bar in Spello, mit wunderschöner Weitsicht auf dem Hinterhof, einen guten Kaffee getrunken und unsere wieder gewonnene Freiheit genossen. Es ist wirklich das erste Mal, dass ich mich in einem Kloster eingesperrt fühlte. Muss wohl an dieser Sicherheitstüre liegen die eher an ein Gefängnis erinnert. Dann ging es etwas eintönig der Strasse entlang bis Foligno wo wir vor der Kathedrale die nächste Pause gemacht und anschliessend die Kirche besichtigt haben. Es ging weiter der Strasse entlang und war ziemlich heiss. Unterwegs hat Violeta noch eine Kamera gekauft, da nur Katia eine dabei hatte und sie nach Hause gereist ist. Am Schluss ging es dann noch steil hinauf nach Trevi wo wir mit hochrotem Kopf ankamen. Auf dem grossen Platz vor der Altstadt gab es auch sogleich mein Feierabendbier. Es war wirklich eine sehr, sehr langweilige Etappe und ich war total unmotiviert. Ich habe kurz im Kloster Santa Lucia angerufen und uns angemeldet. Eine ältere Frau hat uns netterweise mit viel italienischem Palaver und Handzeichen den Weg dorthin erklärt. Dann standen wir auch schon vor dem Tor und haben geläutet. Es geschah zunächst mal gar nichts und wir haben uns hingesetzt. Dann ging kurz die Klappe auf und wir haben uns lautstark bemerkbar gemacht. Die Klappe ging wieder zu und nichts geschah. Dann ging die Klappe wieder kurz auf und nochmal zu. Vielleicht wollte die Nonne nachsehen ob es uns auch wirklich ernst ist und wir noch da sind. Dann endlich ging das Tor auf und wir durften eintreten. Die Nonne hat uns mit kritischem Blick gemustert und nach längerem Palaver hat sie uns dann endlich in den Schlafsaal gebracht wo wir sogleich von gierigen Moskitos gefressen wurden. Sie hat uns noch mit strengem Blick darauf aufmerksam gemacht, dass um 8.00 morgens die Messe stattfindet und ob wir kommen würden. Auch unsere zweite Erfahrung mit übernachten im Kloster in Italien war sehr speziell. In Spanien und Frankreich ist das irgendwie unkomplizierter und weniger moralisch. Als sie draussen war haben wir schnell alle Fenster geöffnet und ich bin mit dem Moskitospray durch den Saal gelaufen. Wir hatten den ganzen Schlafsaal für uns alleine, sehr schön war er nicht aber die Aussicht war sensationell! Man hat weit über das Land gesehen bis zu unserem nächsten Etappenziel Spoleto. Nach der täglichen Dusche und dem Kleiderwaschen haben wir uns ein richtig gutes Essen im Ristorante Vecchia Posta auf dem Dorfplat gegönnt. Die besten Nudeln bisher und ein sensationelles Carpaccio! Trevi hat einen wunderschönen alten Dorfplatz und überhaupt ist die Altstadt sehr sehenswert!

Unterwegs nach Foligno
Rastplatz vor der Kathedrale
Kirche Santa Maria Infraportas
Fotoshooting
Unser schöner Rastplatz unter Olivenbäumen
Trevi aus der Ferne
Das Kloster Santa Lucia
Der schlichte Schlafsaal im Kloster
Die geniale Aussicht aus dem Schlafsaal
Das Ristorante La Vecchia Posta auf dem Dorfplatz
Aperitivo auf dem Dorfplatz
Meine Schuhe geniessen die schöne Aussicht auch

14.09.2013 Spoleto

Heute war der erste Teil Hui und der zweite Pfui. Zuerst kommen wir an einer der schönsten Renaissance Kirchen Umbriens vorbei, die wir leider nur von hinten sahen. Dann ging es weiter durch Olivenhaine und in Bovera haben wir dann den ältesten Olivenbaum Umbriens bestaunt. Er soll 1700 Jahre alt sein und hat einen Umfang von ca. 9 Meter (mit vielen Löcher und Spalten). Das durchschnittliche Alter eines Olivenbaums liebt bei 30 Jahren!!! Der nächste Höhepunkt waren die Fonti del Clitunno. Ein wunderschöner idyllischer Park wo die Quellen des Clitunnos entspringen. Wir haben hier ausgiebig Pause gemacht, gerne wären wir aber noch länger hier geblieben. Dann ging es lange und öde einen Veloweg entlang, alles Asphalt und schrecklich heiss. Der Einmarsch nach Spoleto und auch die Zimmersuche waren eine richtige Herausforderung. Zuerst hat im B&B niemand das Telefon abgenommen, dann war die Jugendherberge bis auf das letzte Bett besetzt und zuletzt sind wir dann noch herumgeirrt und haben das Gästehaus von San Ponziano gesucht. Dort haben wir dann aber ein wunderschönes Zimmer erhalten. San Ponziano liegt oberhalb der Stadt mit schöner Aussicht. Leider hatten wir nicht mehr viel Zeit um das wunderschöne Spoleto zu besichtigen. Als wir runter in die Stadt kamen wurde es bereits dunkel und wir mussten noch für den nächsten Tag einkaufen. Es hat gerade noch gerreicht, den Dom von Spoleto von aussen zu bestaunen mit seiner schönen Beleuchtung. Anschliessend haben wir beschlossen essen zu gehen und dann ab ins Bett. Meine Füsse und Beine waren total im Eimer! In Spoleto sollte man unbedingt einen Ruhetag einplanen, es lohnt sich, die Stadt ist einfach toll!

Die schönste Renaissance Kirche Umriens, leider nur von hinten

Der älteste Olivenbaum Umriens mit 1700 Jahren

Die Quellen des Clitunno

Kleine Ruhepause im wunderschönen Park

San Sabino, kurz vor Spoleto

Ankunft in Spoleto. Kräftigung vor der Zimmersuche

Blick auf Spoleto

Unsere bescheidene Unterkunft in San Ponziano

Die engen Gassen von Spoleto

Der Dom beim Eindunkeln

15.09.2013 Romita di Cesi
Wir haben Spoleto kurz vor 8.00 verlassen und sind zügig losmarschiert. Bis Madonna die Baiano ging es alles der Strasse entlang. Um der Strasse zu entfliehen haben wir die Variante über Perchia genommen, wo es zuerst hoch und auf der anderen Seite wieder runter ging. Wir waren nicht ganz sicher auf dem richtigen Weg zu sein aber wir sind einfach unserem Instinkt gefolgt und alles ging gut. In Fogliano haben wir dann bei der Kirche eine schöne Rast eingelegt und anschliessend noch die Kirche besichtigt. Bis hierher hatten wir Glück mit dm Wetter aber ab Marenno hat es dann richtig angefangen zuu regnen, dafür mussten wir nicht mehr auf Asphalt laufen. Es ging viel durch Wald und man hätte wohl teilweise eine wunderschöne Aussicht geniessen können aber das Wetter wollte nicht. Wir haben zwei Pässe überwunden und am Schluss sind wir völlig durchnässt wie nasse Katzen in der Romita angekommen. Dort wurden wir dann aber sehr herzlich aufgenommen und Fra Bernardino hat gleich ein Feuer im Kamin gemacht und uns zwei Stühle davor platziert. Da durften wir dann erst mal sitzen und trocknen. Da waren 3 grosse weisse Hunde, sie sahen aus wie Hirtenhunde, eindrückliche Erscheinungen! Der eine hat sich gleich mal vor den Kamin gesetzt und ins Feuer gestarrt. Es war ein Bild für Götter. In den Schlafzimmern gibt es kein elektrisches Licht und auch kein fliessendes Wasser aber wir hatten nach dem ganzen Regen sowieso keine Lust auf eine Dusche. Haben wir einfach ausgelassen, geht auch mal ohne. Die Romita ist ein bezaubernder Ort mit sehr herzlichen Menschen. Rosmarie, eine Muttenzerin (also fast eine Nachbarin von mir), hat uns Tee zubereitet und sich liebevoll um uns gekümmert. Um 19.30 gab es Abendessen und anschliesend habe ich mich noch lange mit Rosmarie unterhalten. Ich würde gerne mal länger an diesen Ort kommen. Zu lange warten sollte ich besser nicht, den Fra Bernardino ist nicht mehr der Jüngste. Bestimmt ist er über 70. Leider konnte ich nicht gut schlafen, da es an diesem Ort einfach zu viel Energie hat. Aber ich wäre gerne länger geblieben. Angela Maria Seracchioli, die unseren Reiseführer geschrieben hat, war am Tag vorher noch in der Romita. Wäre schön gewesen sie hier zu treffen. Dann hätten wir uns bei ihr für diesen tollen Reiseführer bedanken können! Das hat sie wirklich toll hingekriegt.

Hübsches Dorf Rapicciano

Wie wänn die Katze posiert hätte
Richtung Perchia, der Regen fängt langsam an

So schön grün

Kleine Rast in Fogliano

Wir sind auf dem richtigen Weg

Ankunft in der Romita

Der Aufenthaltsraum der Romita

In der Bibliothek kann man nur bei Tageslicht lesen, es hat keinen Strom

Gesellige Runde mit Fra Bernardino

Bei schönem Wetter isst man im Hof

Der Garten der Romita

16.09.2013 Collescipoli

Ich musste mich heute Morgen von der Romita losreissen aber Violeta drängte zum Aufbruch! Ja und wie es halt so ist man will halt nicht alleine weiter und auf die gute Gesellschaft verzichten. Alexandra hatte sich schon auf den Weg gemacht, wir haben sie am letzten Abend auf der Romita kennengelernt, sie ist Oesterreicherin. Zunächst ging es steil bergab durch den wunderschönen alten Wald. Ich war noch ganz erfüllt von den Eindrücken in der Romita und in Cesi habe ich dann beschlossen zunächst den Bus nach Terni und dann nach Collescipolli zu nehmen. Ich hatte einfach keine Lust auf eine Etappe der Strasse entlang, die in unserem Reiseführer auch noch als gefährlich bezeichnet wurde. Um 13.30 war ich bereits da, habe gerade vor dem Schliessen der Bar noch ein Bier bekommen und habe dann für Violeta und mich ein Zimmer in einem B&B mit wunderschöner Aussicht reserviert. Alexandra ist dann auch noch in unserem grossen Zimmer untergekommen. Ich habe mich genüsslich im Doppelbett ausgebreitet, da ich ja die Erste war..;-). 
Aussicht von der Romita vor dem Start ins Tal

Der Nebel lichtet sich

Durch den alten Wald

Die Gassen von Collescipoli

Collescipoli

Wunderschöner Olivenbaum

Aussicht mit Regenbogen von der Terasse des B&Bs aus

Collescipoli by Night
17.09.2013 Stroncone
Heute morgen sind wir zu dritt gestartet, Alexandra hat sich uns angeschlossen. Wir sind zügig vorangekommen, zuerst auch wieder der Strasse entlang. Dann wurde es aber immer schöner un der Höhepunkt der heutigen Etappe war vor allem der Sacro Speco di Narni. Den mussten wir uns aber zuerst mit einem sehr steilen Anstieg von einer Stunde hart verdienen. Oben angekommen haben wir uns Zeit gelassen das wunderschöne Kloster zu besichtigen. Die Aussicht war grandios! Wir haben dann noch gerastet und zu Mittag gegessen. Was ich schade fand, ist dass die Mönche den Kontakt mit den Pilgern nicht suchen. Man kann das Kloster zwar besichtigen aber man trifft niemanden. Man hört nur Stimmen hinter verschlossenen Türen. Wir sind dann in stetigem Auf und Ab weiter bis Stroncone gelaufen. Ich liebe diesen Namen: STRONCONE! Musste ihn immer und immer wieder aussprechen..;-). Dort angekommen haben wir die Kirche des Franziskanerklosters besucht wo die nicht verweste Leiche des seligen Antonio Vici aufbewahrt und ausgestellt wird. Schon ein bisschen gruselig… Auch Stroncone ist ein sehr schönes sehenswertes mittelalterliches Dorf und es lohnt sich durch seine verwinkelten Gassen zu streifen. Anschliessend haben Violeta und ich uns ein richtig gutes Abendessen in einem schönen Restaurant gegönnt. Alexandra hatte Schmerzen und wollte nach Hause. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass sie sich zuviel zumutet und auch zu streng mit sich selber ist. Sie wiegt ganze 40kg und schleppt einen Rucksack von 10kg. Ihre Füsse sehen dementsprechend schlimm aus und sie hat starke Kreuzschmerzen.  Das Mädel tut sich wirklich nichts gutes damit aber das muss sie wohl selber rausfinden. Denn wenn man was sagt stosst man auf taube Ohren. 

Alexandra qüalt sich den Olivenhain hinauf

Violeta folgt ihr auf dem Fuss

Der heilige Franziskus in Sacro Speco di Narni

Sacro Speco di Narni

Der Kreuzgang

Lo Speco del Santo, eine der Felsspalten die Francesco aufsuchte

Und noch ein Anstieg

Der Tod läuft immer mit

Stroncone

Das Franziskanerkloster von Stroncone

Der selige nicht verweste Antoni Vici

Schöner Platz in Stroncone

Relaxen beim Sonnenuntergang

Taverna da Porta Nova
18.09.2013 Greccio
Das Hotel San Frencesco Inn ist auf unserer Hitliste ganz weit unten, wenn nicht zuunterst. Hotel darf es sich eigentlich gar nicht nennen. Zum Frühstück gab es wenigstens Brot aber der Kaffee war für italienische Verhältnisse einfach sciffo! Der zweite Kaffee wurde mir noch von La Mamma persönlich zubereitet, dass war der schlimmste… So um 8.45 sind wir los und dann ist uns doch tatsächlich der Signore vom Hotel hinterher gefahren weil ich vergessen habe das Bier zu bezahlen, wobei ich eigentlich gedacht hatte das es offeriert war. So kann man sich täuschen.
Dann haben wir noch kurz den Weg suchen müssen aber dann ging es zügig voran durch eine wunderschöne Landschaft. Wir kamen über ein Plateau mit Wiesen, Kühen, Farn, Ginster und Zelte die von weitem aussahen wie Mongolenzelte. Es waren eindeutig wieder mehr Pilger oder Wanderer unterwegs. Wir trafen ganze Gruppen und auch 3 Männer, die mit dem Zelt unterwegs waren. Dann kam uns ein Paar entgegen und der Mann fragte uns ganz aufgeregt ob wir eine Gruppe Oesterreicher gesehen hätten. Ich bejahte und er beschwerte sich darüber, dass dieser Weg ja wie eine Hauptstrasse wäre. Ich habe ihn etwas verdutzt angeschaut und erwiedert, dass es hier doch wunderschön sei. Es gibt Menschen die hetzen durch die schönste Landschaft und merken es gar nicht.
Im Sanctuario di Greccio haben wir ausgiebig Pause gemacht und das Kloster sowie das Krippenmuseum, welches in der Kirche auf der Galerie ist, besichtigt. Man konnte sogar die ehemaligen Mönchszellen besichtigen und warhlich diese Mönche hatten nicht viel Platz. Das waren höchstens 3m2 pro Zelle! Die konnten sich nicht mal ausstrecken…
Im Museum waren Krippendarstellungen aus aller Welt ausgestellt, sehr schön!
Wir trafen uns dann alle wieder auf dem Hof und dann übermannte uns der Hunger woraufhin wir uns in einen kleinen Park zurückzogen und auf der Mauer unsere Paninis vertilgten. Die 3 Männer, welche übrigens aus Oesterreich kamen, waren gerade dabei ihr Zelt auf der Mauer trocknen zu lassen. Anschliessend sind wir noch kurz in die falsche Richtung gelaufen und ca. 15.00 in Greccio angekommen. Wir sind in einem sehr schönen 3 Sterne Hotel direkt an der Piazza untergekommen. Greccio ist ein kleines aber sehr hübsches Dorf mit einer schönen grossen Piazza.

Mongolei?

Hier sieht man schon Poggio Bustone…

Santuario di Greccio

Eine der vielen Krippendarstellungen

Lichtspiele in der Kirche

Freske im Kloster

Das Santuario di Greccio klebt am Fels

Greccio mit der grossen Piazza

Hier haben wir gegessen…

Diese Bilder konnte man an den Hauswänden bewundern

Nostalgie pur…

19.09.2013 Rieti
Heute habe ich mich zum ersten Mal so richtig verlaufen! Wir sind nach dem Frühstück gleich los und zügig bis zum Convento di San Pastore gelaufen. Dieses ehemalige Kloster ist heute in privater Hand und wird für Events und Hochzeiten genutzt. Die Aussicht ist wie bei fast allen Klöstern unbeschreiblich schön.
Von dort hätten wir dann geradeaus am Kloster vorbei gehen sollen aber ich war mir so sicher, dass der Weg weiter runter geht, dass ich mich verlaufen habe. Alexandra ist mir einfach hinterher gelaufen und ich dachte Violeta sei schon weiter gegangen, dabei hat sie sich noch mit dem Besitzer unterhalten. Es war ein wunderschöner Waldweg und ich bin ganz beschwingt und guter Laune bis runter zur Strasse gelaufen. Da war mir dann schnell klar, dass wir falsch waren. Ein freundlicher älterer Herr, der auf dem Balkon sass, hat uns dann den Weg zurück nach Contigliano erklärt. Wir sind dann halt der Strasse entlang zurückgelaufen. In Contigliano habe ich erst mal einen Espresso getrunken und Violeta eine SMS geschickt, dass wir uns verlaufen hätten. Wir haben sie dann erst wieder nach dem steilen Anstieg nach Sant ‚Elia getroffen, wo wir uns gerade völlig erhitzt und ausgepumpt zu einer Rast niedergelassen hatten. Violeta hatte auch die Variante über den Berg genommen, da sie wie wir genug von der Asphaltlauferei hatte. Dann ging es wieder zu dritt weiter zum Kloster von Fonte Colombo, dass wir eingehend besichtigt haben. Nach Rieti rein war es dann noch mal so richtig anstrengend. Rieti ist doch schon ein grössere Stadt mit 150’000 Einwohnern und wir hatten einfach keine Lust auf „Grossstadt“. Wir waren deshalb nicht sehr positiv eingestellt und uns einig, dass man Rieti einfach hätte auslassen können! In der ersten Bar haben wir uns gleich mal hingesetzt und ein Bier getrunken und Chips gefuttert. Dann haben wir in der Casa Simonietta angerufen, die am anderen Ende der Stadt in der Nähe des Bahnhofs lag. Wir sind dann mehr oder weniger missmutig durch die Stadt gestapft, wurden dann aber von einem älteren italienischen Ehepaar, in der Casa Simoniette herzlich und lautstark empfangen und mit guten Empfehlungen wo wir essen gehen können nur so überschüttet. Das Lokal, das sie uns empfohlen hatten war leider zu. Violeta und Alexandra hätten sich mit einem Stück Fertigpizza zufrieden gegeben aber ich wollte unseren letzten gemeinsamen Abend stilvoller verbringen. Deshalb habe ich sie noch mal durch die halbe Stadt gejagt bis wir endlich, endlich ein Restaurant gefunden haben. Irgendwie gab es in dieser Stadt nur Fastfoodläden oder Bars. Wir sind dann fix und fertig im Restaurant Tito gelandet und haben noch mal richtig gut gegessen. Als kleinen Verdauungsspaziergang durften wir dann die Stadt nochmals durchqueren. Als wir endlich im Bett lagen waren wir auch richtig schön müde und ich habe diese Nacht richtig gut geschlafen!

Schöne Morgenstimmung kurz nach Greccio

Die schöne Aussicht vom Convento

Convento di San Pastore

Wer versteckt sich denn da?

Contigliano

Kleine Rast in Sant Anna

Kloster Fonte Colombo

Kurz vor Rieti

Eingang in die Stadt, hier tranken wir das Bier..;-)

20.09.2013 Poggio Bustone
Heute hatten wir noch mal eine richtig schöne Etappe! Wir waren so froh aus der Stadt rauszukommen, dass wir sogar ein Foto vom Schild gemacht haben als wir Rieti verliessen. Dann ging es alles der Strasse entlang bis zu Foresta. Die Foresta sieht aus wie ein schönes grosses Landhaus mit grossem Gemüsegarten, der wie ein Ziergarten aussieht. Die Foresta wird von Jugendlichen der Organisation Mondo X betreut und verwaltet. Die jungen Menschen die hierher kommen sind ehemalige Drogensüchtige. Sie arbeiten hier in der Gemeinschaft und dürfen kein TV schauen, keine Musik hören, keinen Alkohol oder Drogen konsumieren. Zur Zeit sind ausser dem Pfarrer nur 3 Jugendliche hier. Sie haben ein richtiges Schmuckstück aus der Foresta gemacht. Es hat ganz viele süsse Katzen auf dem Areal, die einem schon begrüssen wenn man von der Strasse her kommt.
Einer der Jugendlichen hat uns dann rumgeführt und uns alles gezeigt. Habe leider nicht all zu viel verstanden, da alles auf italienisch war. Wir hatten Mühe diesen wunderschönen Ort wieder zu verlassen, so dass wir uns gleich mal verlaufen oder besser in die falsche Richtung gelaufen sind. Es war aber auch richtig schlecht signalisiert. Wir mussten wieder alles zurücklaufen bis zur Foresta wo der Weg gleich hinter der Kirche runter ging.
Dann ging es weiter zum wunderschön gelegenen Cantalice. Das Dorf klebt förmlich am Felsen und man fragt sich, wie man das überhaupt hat bauen können. Am Anfang des Ortes gab es eine Bar und wir haben die Gelegenheit natürlich gleich genutzt. Man fackelt nicht lange wenn man 4 Std. am Stück unterwegs war ohne Möglichkeit einen Kaffee zu trinken..;-). Der Mann hinter der Bar war ein komischer Kauz und schon von der Bestellung von 2 Capuccinos total überfordert. Wir haben uns aber nicht beirren lassen und draussen gemütlich unsere Paninis verdrückt.
Nach Cantalice kam ein wunderschöner Weg, es ging alles den Hang entlang auf einem sehr schmalen Pfad. Da es trocken war und die Sonne schien war dies aber überhaupt kein Problem.
Der Anstieg nach Boggio Bustone war dann noch mal ein Härtetest und wir kamen ganz schön ins Schnaufen. Es ging scheinbar endlos steil hinauf. Um 13.30 sind wir angekommen und sassen dann auch schon beim Abschiedsbier. Violeta nahm gleich den ersten Bus um 15.30, da sie abends in Rom sein musste um Horst abzuholen. Der Abschied war kurz und ja schaaaade, dass es schon vorbei war.
Ich habe mich dann ins Ostello Francescana begeben, in der Meinung, dies sei eine kirchliche Institution. Aber weit gefehlt, es ist eine ganz tolle Pilgerherberge! Ich hatte seit langem ein Zimmer ganz für mich alleine mit einer grandiosen Aussicht über das ganze Tal. Ich habe noch ca. 50 Fotos verschossen, einfach weil ich nicht genug sehen konnte von dieser wunderschönen Aussicht. Fühlte mich wie im siebten Himmel! Frisch geduscht und gestärkt habe ich mich dann auf den Weg gemacht zur Einsiedelei die oberhalb des Dorfes liegt. Ich wollte eigentlich bis zur oberen Einsiedelei und zum Sacro Specco laufen aber leider hat das Wetter nicht mitgespielt. Es kam ein richtiger Platzregen und in den Trekkingsandalen und ohne richtige Regenausrüstung machte es einfach keinen Spass. Auf dem Schild standen noch 45 Min. und leider musste ich kapitulieren. Das hebe ich mir dann halt für ein anderes Mal auf..;-). Es soll nämlich einen anderen schönen Weg geben von San Benedetto, der auch hier in Poggio Bustone vorbeikommt. Ich bin dann noch lange in der unteren Einsiedelei gesessen und habe dem Regen zugehört. Der Himmel war auch fantastisch mit den dunklen Wolken und vom Tal her schien schon wieder die Sonne. Leider habe ich keine Pilgerurkunde erhalten wie Kai in Assisi.
Abends bin ich dann zum ersten Mal seit langem alleine ins Restaurant gegangen und habe mich an einen Tisch gesetzt. Der Restaurantbesitzer ist der gleiche wie im Ostello Francescana. Dann kamen noch zwei Pilger dazu, die einen anderen Weg gelaufen sind. Sepp aus Oesterreich und eine Dame aus Deutschland. Wir haben uns noch lange unterhalten, gelacht und viel Wein getrunken! Habe ihnen auch noch viele Tipps gegeben für die morgige Etappe, da sie nach Rieti gehen werden. Vielleicht machen sie ja bessere Erfahrungen mit der „Grossstadt“. Der Restaurantbesitzer hat mir dann noch ein tolles Panini gemacht und einen Orangensaft dazu gelegt für mein morgiges Frühstück, da mein Bus Richtung Rieti und Rom schon um 7.00 losfuhr. Poggio Bustone war ein würdiger Abschluss für diese sehr schöne Pilgerreise in Italien!

By, By Rieti

Die Foresta

Eine der vielen Katzen…

Kreuzgang in der Foresta

Sieht so ein Wachhund aus?

Violeta auf Nahrungssuche

Cantalice

Auf dem schmalen Pfad den Hang entlang

Glück soll es bringen!

Poggio Bustone: das Ziel vor Augen

Abschiedsfoto

In den Gassen von Poggio Bustone

Es braut sich was zusammen: wunderschöne Stimmung

Zimmer mit Aussicht

Pilger unter sich

Am Morgen der Abreise

Das war der Franziskusweg…

21.09.2013 Rom
Bin heute morgen um 6.30 aufgestanden, habe meine Sachen gepackt und bin zur Busstation gelaufen. Dort gab es noch einen schnellen Espresso und schon sass ich im Bus Richtung Rieti. In Rieti ging es sogleich weiter Richtung Rom Tiburtina wo ich dann den Zug nach Roma Termini genommen habe. In Rom wollte ich eigentlich meinen Rucksack deponieren aber die Schlange war so lange und die Arbeiter dort so langsam, dass ich meinen Rucksack wieder geschultert und die Metro in die Stadt genommen habe. Vor zwei Tagen hatte ich noch das Gefühl, Rieti sei eine grosse Stadt! Pfffffff….. Rom ist einfach unglaublich! Ich glaube ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viele Touristen auf einem Haufen gesehen. Das war schlimmer als bei uns am Morgestraich an der Fasnacht. Weiss echt nicht, wie die Römer das aushalten. Ich habe in zwei Stunden die Fontana di Tevi besucht, bin auf der Piazza Navona gesessen, dann noch das Pantheon und die spanische Treppe. Dann hatte ich die Schnauze echt voll und ich bin mit der Metro an den Bahnhof geflüchtet. Eigentlich wollte ich ja noch Violeta und Horst auf einen Kaffee treffen aber die waren zu weit weg nämlich beim Petersdom.

Fontana di Trevi

In dieser heruntergekommenenen Pension habe ich vor Jahren mal übernachtet

Piazza Navona

Piazza Navona

Piazza di Spagna

Eine Antwort auf „Von La Verna (Toskana) über Assisi (Umbrien) nach Poggio Bustone (Latium)

  1. Hallo, liebe Francoise,ich finde alle Berichte äußerst interessant und aufschlussreich, nachdem ich mich gerade für den Franziskusweg interessiere. Selbst werde ich nach mehreren kürzeren Pilgerwegen in Deutschland im nächsten Jahr von Stuttgart nach Taizé pilgern. Auch ihr Weg von Le Puy bis St. Jean hat mir sehr gut gefallen – auch mit den vielen Tips. Herzlichen Dank und weiterhin alles Gute auf ihen Pilgerwegen.

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