Jakobsweg Schweiz von Rorschach nach Nyon

Nyon, 06.06.2009 (8 km und Rückreise)

Heute bin ich bei Regen gestartet, dies hat richtig Seltenheitswert und ist erst das zweite Mal in zwei Wochen!
Der Weg heute führte zuerst durch ein Naturschutzgebiet und dann durch mehrere Vororte von Lausanne. Dann kam plötzlich wieder ein sehr gepflegter Waldweg und eine Schlucht in welcher ein Flüsschen namens Flon floss. Sehr, sehr idyllisch! Am Lac de Sauvabelin habe ich eine Pause eingelegt, dies scheint das Naherholungsgebiet von Lausanne zu sein und man sieht viele Hundebesitzer welche hier spazieren gehen. Den 35 m hohen Aussichtsturm habe ich ausgelassen, da es wettermässig nichts war mit schöner Aussicht.
Beim Aussichtspunkt Le Signal inkl. kleiner Kapelle war dann das Wetter schon wieder besser und die Wolkendecke fing an aufzureissen und man konnte schon wieder blaue Stellen am Himmel entdecken. Lausanne lag zu meinen Füssen!!! Ich liebe diese Stadt, sie ist einfach so speziell angelegt und wunderschön.
Habe mir dann noch gut Zeit genommen Lausanne anzuschauen und irgendwann bin ich dann Richtung Hafen losmarschiert. Es war windig aber die Sonne schien und so habe ich draussen gegessen und um 14.00 Uhr das Schiff nach Nyon genommen wo meine Reise durch die Schweiz zu ihrem Ende kam. Auf dem Schiff habe ich dann noch einen Pilger aus der Schweiz getroffen welcher gerade nach Santiago aufgebrochen ist. Ich habe schon seinen Schuhen angesehen, dass er noch nicht lange unterwegs ist..;-). Mein Gott, wie ich ihn beneide, dass er noch alles vor sich hat…
Ich kann den Jakobsweg durch die Schweiz wirklich nur empfehlen. Er ist wirklich sagenhaft schön und die Leute sind grösstenteils sehr, sehr nett! Klar ist das Preisniveau etwas höher als in anderen Ländern aber mit SFr. 65.- pro Tag bin ich eigentlich immer ausgekommen ausser wenn ich mal im Hotel übernachtet habe. Einziger Wermutstropfen sind die vielen asphaltierten Strassen aber die vergisst man schnell wenn man dafür soviel schönes fürs Auge geboten bekommt. Also, lasst euch vom Weg durch die Schweiz bloss nicht abhalten. Es lohnt sich!!!



























Châlet à Gobet, 05.06.2009 (24 km)

Heute Morgen bin ich früh los. Madame hat mir noch den Weg durch den Wald erklärt und erstaunlicherweise habe ich ihn auch gefunden..;-). Hatte zwar das Gefühl, nicht auf dem richtigen Weg zu sein aber irgendwie hat mich mein Instinkt immer in die richtige Richtung geleitet. Sogar die Abkürzung habe ich gefunden von welcher mir Madame noch erzählt hatte. Der Weg war zwar völlig zugewachsen und wird wahrscheinlich kaum mehr begangen. Schnell war ich dann in Moudon wo ich mir ein zweites Frühstück im wunderschönen, mittelalterlichen Städtchen gegönnt habe. Es hat was dieses Pilgerleben vor allem wenn man nur kurz unterwegs ist und nicht aufs Geld schauen muss…;-).
Dann ging es lange dem Fluss Broye entlang und wen wunderts, natürlich alles asphaltiert! Ich glaube bisher bin ich nirgends so oft auf Asphalt gelaufen wie hier in der Schweiz. Das liegt wohl daran, dass dieses Land soviel Geld hat, alles gut erschlossen ist und sogar jedes Strässchen welches zu einem Bauernhof führt geteert ist. Dafür wird man mit wunderschönen Aussichten entschädigt!
Heute habe ich mir ein Hotelzimmer im Châlet a Gobet geleistet da ich mir unbedingt den Halbfinfal von Feder gegen Haas anschauen wollte. Mein Bericht fällt deshalb auch kürzer aus als sonst..;-). Der Hotelier macht hier auf speziellen Pilgerpreis aber irgendwie habe ich das Gefühl, übers Ohr gehauen zu werden. Das Zimmer ist nicht wirklich sauber geputzt und bei der Bettwäsche bin ich mir auch nicht sicher, ob da nicht schon jemand drin geschlafen hat. Vielleicht ist dass ja das Pilgerzimmer…;-). Habe aber keine Lust mich zu beschweren und geniesse jetzt einfach den Match.

















Lucens, 04.06.2009 (25 km)
Bin soviel auf Asphalt gelaufen, dass mich meine Füsse heute wieder total schmerzen. Dafür wurde ich abends mit einem sehr schönen B&B belohnt mit sehr symphatischen Gastgebern. Zuerst wurde ich zusammen mit meinen Gastgebern von den Nachbarn zum Apero eingeladen und dann zusätzlich noch von meinen Gastgebern zum Abendessen. Wirklich total nett!!! Das war ein **** B&B und das hat man auch gemerkt; Das Bettzeug alleine war eine Klasse für sich, so fein und angenehm, habe so richtig geschwelgt und dann noch ein Badezimmer ganz für mich alleine…;-). Ich wurde auch in Lucens mit dem Auto abgeholt damit ich nicht noch den steilen Weg hinauflaufen musste. Manchmal meint es Gott wirklich sehr gut mit mir und das nicht einmal so selten…;-).
In Posat heute Morgen habe ich die schöne Jakobskapelle besichtigt und meine eigentlich vollen Wasserflaschen nochmals mit frischem Wasser vom Brunnen gefüllt. Es war gut, dass ich meinem Instinkt gefolgt bin denn später habe ich im Reiseführer gelesen, dass dies eine Quelle mit Heilwasser ist..;-).
Anschliessend ging es einen sehr idyllischen Weg runter zu einem Bach, über eine Brücke und auf der anderen Seite wieder steil hinauf.
Ab Autigny bin ich praktisch nur noch auf der Strasse gelaufen und fand es gar nicht mehr idyllisch. Vor allem musste ich dringend pinkeln und ich lief alles der Strasse entlang. Kein Baum, kein Busch und alle paar Minuten ein Auto! So ging das Kilometer für Kilometer, meine Blase wurde immer voller und ich wünschte mir nicht zum ersten Mal, ein Mann zu sein. Wissen die eigentlich was für ein Glück sie haben, dass sie zum pinkeln ihre Hose nicht runterlassen müssen…;-)? Irgendwann habe ich mich hinter einem kleinen Gebüsch hingekniet weil ich es einfach nicht mehr ausgehalten habe und kaum hatte ich angefangen mich zu erleichtern ist natürlich wieder ein Auto vorbeigefahren. Mann!!! Tia und ein paar Minuten später wäre ein kleiner Wald gekommen..ts ts ts.
Dann ging es weiter zur Abtei von La Fille-Dieu. Da kann man als Pilger auch übernachten aber für mich war es natürlich wieder viel zu früh zum ankommen. So habe ich nur die Kirche besichtigt und wurde von einer alten Nonne argwöhnisch beobachtet. Hatte keine Lust länger in der Kirche zu bleiben, da ich das Gefühl hatte zu stören.
Vom Kloster aus hat man einen wunderschönen Blick auf das mittelalterliche Städtchen von Romont welches etwas erhöht auf einem Hügel liegt. In Romont habe ich zuerst einmal Pause gemacht, mir ein Panache gegönnt und dann noch die Burg besichtigt. Für das Vitro Museum fehlte mir die Musse, wollte lieber noch ein Stück weiterlaufen.
Es ging mal wieder in der prallen Sonne der Strasse entlang und ich habe mir das Pilgerleben mit einer Glacé versüsst. Schliesslich muss man das System ab und zu runterkühlen..;-).
Beim Weiler von Hennens hat man eine wunderschöne Rundumsicht auf die Alpen auf der einen und auf die Jurakette auf der anderen Seite bevor es runter nach Lovatens geht.
Eigentlich wollte ich meinen Tag in Curtilles beenden aber leider war meine Info falsch, dass sie im Café Federal Betten an Pilger vermieten. Dann bin ich halt noch 10 Min. weitergelaufen und im wunderschönen Lucens gelandet.
























Posat, 03.06.2009 (25 km)
Bin auch heute wieder weiter gelaufen als ich eigentlich vor hatte und wieder bei privaten Leuten untergekommen. Das gefällt mir einfach am besten.
Bin so um 8.30 los und habe mir nochmals die Jakobskapelle bei Morgenlicht angeschaut und an der Fassade die Legende des Hühnerwunders bestaunt. Dann bin ich zügig los Richtung Freiburg. Kurz vor 10.00 war ich bereits da und habe den Stadtrundgang anhand meines Jakobswegführers gemacht. Dieser Rundgang ist wirklich gut gemacht und innerhalb 2-3 Stunden hat man alles sehenswerte der Stadt gesehen. Freiburg hat mir sehr gut gefallen und bei der Kathedrale habe ich sogar noch die ca. 350 Stufen den Turm rauf erklommen um die geniale Aussicht von dort oben zu geniessen. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt! In Freiburg war gerade Markt und da habe ich mir bei einem Stand was zu Essen geholt und der Musik der Strassenmusikanten zugehört. Nach 3 Stunden hatte ich bereits wieder genug von der Stadt und es hat mich wieder weitergezogen.
Der nächste Höhepunkt war die romanische Brücke über die Glâne und die schöne Kapelle der Ste. Apolline. Habe mich da genüsslich auf die Bank gesetzt und diesen wunderschönen Ort so richtig ausgekostet. Vor der Kapelle standen ein paar Wanderschuhe welche in einem sehr guten Zustand waren. Fand ich irgendwie komisch, normalerweise wenn man Wanderschuhe sieht haben die ihr Leben schon lange ausgehaucht. Vielleicht hat sie jemand hingestellt um sie von der heiligen Ste. Apolline segnen zu lassen..;-).
Als ich mich endlich von dem schönen Ort wegreissen konnte kam ich an ein paar Rindern vorbei die ziemlich angriffslustig drauf waren. Mann, war ich froh, dass da ein elektrischer Zaun zwischen ihnen und mir war. Ganz sicher habe ich mich aber trotzdem nicht gefühlt und ich war froh als ich an ihnen vorbei war. Sie sind mir gefolgt bis sie nicht mehr weiterkonnten. Hatte doch gar nichts rotes an heute..;-).
Dann stand ich plötzlich vor einer Weide und ca. 50 Kühe haben mich angeglotzt. Sie standen direkt am Eingang der Schranke und ich hätte mitten hindurch müssen um dem Weg zu folgen. Nach meiner Begegnung mit den angriffslustigen Rindern vorher habe ich beschlossen einen anderen Weg zu suchen. Da war sie wieder meine Angst vor Kühen und niemand hätte mich in dem Moment überzeugen können da durchzulaufen. Gut hatte ich die Kartenausschnitte der schweizerischen Jakobsgesellschaft mit so konnte ich mir einfach einen anderen Weg suchen. Bin dann der Hauptstrasse entlang bis Hauterive gelaufen. Habe dann nochmal einen kleinen Umweg gemacht weil ich in die falsche Richtung gelaufen bin und dann ziemlich fertig beim Kloster von Hauterive angekommen. Mir war das Wasser ausgegangen und da war ich total erleichtert, dass ich gegenüber einen Brunnen sah und meine Flaschen auffüllen konnte. Leider war es zum übernachten für meine Verhältnisse noch zu früh, es war nämlich erst 15.00 sonst wäre ich gerne im Kloster geblieben. Im Nachhinein finde ich es doof, dass ich nicht geblieben bin aber irgendeine Kraft hat mich einfach weitergezogen.
In Posieux habe ich mich erst einmal vor der Post hingesetzt, mich abgekühlt und ausgeruht. Habe dann versucht ein Nachtquartier zu organisieren aber leider niemanden erreicht. Dann bin ich halt weiter. Von Posieux bis Ecuvillens lief ich vor allem auf der Strasse und das in der prallen Nachmittagssonne. Ich war fix und fertig und in Ecuvillens bin ich in die Kirche und habe Gott auf Knien gebeten mir zu helfen. Es war einfach tierisch heiss und ich wusste nicht recht wohin. Als ich die Kirche verlassen habe, hatte sich eine grosse Wolke vor die Sonne geschoben und ich habe gleich mal ein Dankesgebet Richtung Himmel geschickt. Habe dann einfach darauf vertraut, dass Gott mir auch heute Abend wieder irgendwo ein Bett organisiert hat auch wenn ich immer noch nicht wusste wo. Kurz bevor ich in den Wald kam hat mein Telefon geklingelt und die Dame vom Bed&Breakfast aus Posat hat angerufen und mir mitgeteilt, dass sie noch ein Zimmer frei hätten und ihr Mann mich im Croix d’Or abholen würde, da das Haus etwas ausserhalb läge. Ich war ja sowas von erleichtert doch noch ein Plätzchen für heute Abend gefunden zu haben. Im Croix d’Or habe ich gleich mal ein Panache hinunter gestürzt und ganz entspannt darauf gewartet, dass ich mit dem Auto abgeholt werde.
Habe schon wieder ein eigenes Zimmer und heute Abend esse ich gemeinsam mit meinen Gastgebern. Meine Gastgeber wandern auch gerne und als ich angerufen habe waren sie gerade noch unterwegs. Es war mal wieder so richtig symphatisch! Es gibt Teigwaren, Bratwürste und Salat, ganz wunderbar..;-).



































































Tafers, 02.06.2009 (28 km)
Heute bin ich eine Mammutetappe von 28 km gelaufen (ja für mich ist das viel..;-)). In Rüeggisberg habe ich die „kürzere“ Route nach Schwarzenburg genommen und mich natürlich prompt verlaufen. Die Wegweiser haben irgendwie keinen Sinn gemacht und manchmal hatte ich das Gefühl, dass sie absichtlich verschoben wurden. Einmal war das Jakoswegsymbol abgerissen und ein anderes Mal hatte man die ganze Stange umgehauen. Vielleicht hat da ja jemand etwas gegen Jakobspilger?
Habe dann einen Pöstler gefragt und der hat mir wieder auf den richtigen Weg geholfen. Gut habe ich gefragt, denn ich lief in die völlig falsche Richtung. Bin dann der Strasse entlang und beim Sodbach oder war es die Sense(?) wieder auf den Jakobsweg gestossen. Bei der Sodbachbrücke habe ich dann den Kanton Bern verlassen und den Kanton Fribourg betreten.
Nach dem Sensegraben und vor Heitenried gibt es einen uralten gepflästerten Pilgerweg welcher in den 90er Jahren wieder hergestellt wurde. Die Reisen damals waren schon sehr holperig vor allem wenn man sie nicht zu Fuss sondern in der Kutsche bewältigte..;-). Auf einem Felsbuckel erkennt man noch die Trittlöcher welche die Fuhrleute benutzen um die engen Stellen zu umgehen.
In St. Antoni habe ich mir in einem Bauernladen einen Kaffee und eine Engadiner Nusstorte gegönnt und mich mit der Ladenbesitzerin unterhalten. Habe ihr total begeistert vom Jakobsweg erzählt und es würde mich nicht wundern, wenn ich einen Samen gepflanzt habe welcher irgendwann blühen wird und dann wird sie selber ihr Bündel packen und loslaufen…;-).
Hatte noch keine Lust anzuhalten auch wenn es laut meinem Führer keine Uebernachtungsmöglichkeiten in Tafers gab und ich bis Freiburg hätte durchlaufen müssen. In Tafers habe ich mir die wunderschöne Jakobskapelle angesehen und dann war da noch so eine Liste mit Uebernachtungsmöglichkeiten..;-). War schon ziemlich müde und ich beschloss in Tafers zu bleiben. Bei der ersten Nummer die ich gewählt habe war ich auch gleich erfolgreich.
Jetzt bin ich in einem wunderschönen separaten Studio mit eigenem Bad & WC und das für 30.- inkl. Frühstück! Schon wieder ein totales Kontrastprogramm zu Gestern, wie ich es liebe auf dem Jakobsweg unterwegs zu sein…;-).
Bin mal wieder total fertig und meine Füsse schmerzen mal wieder so richtig gemein. Schaffe es nicht einmal mehr runter ins Restaurant, dieses Haus steht nämlich auf einem Hügel. Heute muss mein Trockenfleisch vom Ballenberg herhalten und dazu gibt es Pumpernickel. Das muss reichen! Möchte nur noch eins, mich hinlegen und schlafen.






















































Riggisberg, 01.06.2009 (24 km)

Was für ein Kontrastprogramm zu Gestern. Jetzt bin ich in einem Pilgerbunker gelandet! Ein Raum im Keller der saukalt ist und erst noch sauteuer! Habe sogar die Elektroheizung eingeschaltet weil ich mir schlicht und einfach den Allerwertesten abgefroren habe. Lag im Bett mit der Decke bis zur Nasenspitze! Alles picobello sauber hier unten aber es ist einfach keine Wärme in diesem Raum und ich meine nicht nur die Temperatur. Man hat das Gefühl, dass man hier an den Pilgern verdienen will, nicht wie Gestern da ging es um Gastfreundschaft. Aber es sind auch genau diese Gegensätze die das Pilgern ausmachen. Man weiss nie was auf einem zukommt und wo man abends landen wird. Man lernt die Dinge so zu nehmen wie sie sind. Das wichtige ist ja immer noch, dass man abends überhaupt ein Bett hat wo man sein müdes Haupt hinlegen kann. Ich werde aber trotzdem Morgen wieder auf einem Bauernhof übernachten..;-).
Habe heute Abend zum ersten Mal im Restaurant gegessen. Das macht mir mittlerweile wenig bis gar nichts mehr aus aber öde war es trotzdem. Es war so eine richtige Dorfkneipe mit Stammtisch und die Männer welche da sassen haben mich immer wieder angestarrt. Hier scheint es halt immer noch exotisch zu sein wenn man als Frau alleine unterwegs ist. Was solls, sollen sie doch kucken. Habe Tagebuch geschrieben, die Route des nächsten Tages studiert und mein gut bürgerliches Essen genossen. Dazu einen Schweizer Rotwein. Trinke ich ehrlich gesagt eher selten, nicht Rotwein aber Rotwein aus der Scheiz. Ich mag lieber schwere Weine und am liebsten die aus Spanien..;-). Cécile meine Freundin auch, da sind wir uns total einig…;-).
Habe heute Morgen in Einigen ein tolles Frühstück bekommen und durfte mir sogar noch ein Sandwich machen als Wegzehrung unterwegs. nicht wie Gestern in der Jugendherberge in Bönigen wo mich eine Frau angepfiffen hat und sagte: „Das kostet dann 3.50“! Manchmal sind die Leute ganz schön kleinlich vor allem wenn man bedenkt, dass ich nie viel frühstücke morgens.
Die Strecke führte oberhalb des Thunersees entlang und die Aussicht war wieder einmal ein Genuss für die Augen. Heute war es so richtig angenehm zum Laufen, schönes Wetter aber nicht zu heiss. Am Nachmittag als ich in Wattenwil angekommen bin haben sich dann drohende Regenwolken vor mir aufgebaut und es hat kräftig gewindet. Habe mich aber trotzdem entschieden weiterzulaufen und die Regenwolken sind dann auch irgendwie an der Bergkette hängengeblieben. Ab Burgistein hat dann sogar wieder die Sonne geschienen und ich bin bis Riggisberg weitergelaufen wo ich in diesem Pilgerbunker gelandet bin.

















































































Einigen, 31.05.2009 (22 km)

Jetzt bin ich schon wieder 10 Tage unterwegs und es ist sowas von entspannt in der Schweiz zu pilgern. Habe überhaupt keinen Uebernachtungsstress es ist einfach kurzfristig etwas zu finden. Meistens rufe ich so um 16.00 Uhr an wenn ich ungefähr weiss wie weit ich noch laufen möchte und frage ob es Platz hat und bist jetzt hat es immer geklappt.

Bin wieder einmal in einem kleinen Paradies gelandet. Mein absolutes Highlight bis jetzt! Habe ein eigenes Zimmer mit Doppelbett, eigener Dusche, das WC ist gleich vor der Tür und die Gastgeberfamilie Loosli unheimlich nett! Dazu kommt noch die wunderschöne Aussicht auf den Thunersee. Wow!!! Es stimmt einfach alles von A-Z..;-). Das Wetterglück verlässt mich auch nicht, ausser ein paar vereinzelten Regentropfen in Spiez und jetzt scheint schon wieder die Sonne und ich kann sogar draussen essen. Fühle mich mal wieder von allen Seiten reich beschenkt. DANKE, DANKE, DANKE!!!
Bin heute früh um 8.00 los und es ging alles der Aare entlang zuerst bis Interlaken und dann durch ein Naturschutzgebiet bis Neuhaus. Wunderschöne Strecke! In Neuhaus habe ich mir zuerst einmal einen Kaffee am See gegönnt bevor ich mich die vielen Treppen bis zu den Beatushöhlen hinaufgequält habe. Kaum oben angekommen ging es gleich mit einer Touristengruppe rein in die Beatushöhlen. Am Eingang der Höhle sieht man die Klause wo der heilige Beatus gelebt oder sollte man besser gehaust hat sagen…;-). Die Grotten haben mich sehr an Orb letztes Jahr erinnert und es war genauso kalt da drin. Die Kälte schleicht sich rein bis auf die Knochen bis man nur noch eines will nämlich raus an die Sonne…;-). Schön und interessant war es aber trotzdem. Wieder draussen habe ich mich zuerst einmal eine halbe Stunde an der Sonne gewärmt und gleich noch meine Lunchpause abgehalten. Dann ging es weiter an einem riesigen Steinbruch vorbei bis Merligen wo ich das Schiff nach Spitz genommen habe. Ich musste mich ziemlich sputen um das Schiff zu erreichen! In Spitz am Thunersee habe ich mal einen Segelkurs absolviert, das war klasse nur habe ich dann leider nicht weitergemacht und träume nun immer noch davon irgendwann einmal den Antlantik mit dem Segelboot zu überqueren. Na ja es gibt halt Träume die bleiben Träume…;-).
In Spiez fielen gerade die ersten Regentropfen und ich habe mich auf eine Bank gesetzt und wusste nicht so recht ob ich noch weiter soll oder nicht. Fühlte mich hin und her gerissen und konnte mich einfach nicht entscheiden. Auch wusste ich nicht wirlich wo der Weg weitergeht. Was tut der Pilger in dieser Situation? Er lässt Gott entscheiden, der weiss es sowieso besser…;-). Tia und dann stand ich halt plötzlich vor der Abzweigung nach Einigen und dann war mir innerhalb einer Sekunde klar, dass ich noch nach Einigen laufen soll. Habe dann noch schnell bei Familie Loosli angerufen und los gings. Die Strecke führte wunderschön oberhalb von Spiez entlang und dann durch den Wald. Unterwegs habe ich noch Günther aus Deutschland kennengelernt und mit ihm einen Schwatz abgehalten. Er wollte in 2 Tagen bis Freiburg kommen, ziemlicher Marathon würde ich sagen aber eben wahrscheinlich nur für mich. So gegen 17.30 bin ich dann angekommen und wurde zuerst freundlich von einem riesigen Wildschwein und dann von Frau Loosli begrüsst.
Jetzt liege ich in meinem grossen Doppelbett und geniesse es soviel Platz zu haben. Habe nur noch eine Woche Ferien, die Zeit vergeht wie im Fluge. LEIDER!
























































































Bönigen, 30.05.2009 (15 km)
Gibt es eigentlich einen Abend wo ich NICHT fix und fertig bin? Wo mich die Füsse nicht schmerzen? NEIN!!!
Bin um 8.15 beim Brünigpass gestartet und der Abstieg nach Brienzwiler war gar nicht so schlimm wie im Reiseführer beschrieben. Ich habe aber auch die Route über den Ballenberg genommen und nicht den Jakobsweg, da ich unbedingt das Freiluftmuseum vom Ballenberg besichtigen wollte. Tia und wie ich mittlerweise weiss, ist der Jakobsweg ja immer noch eine Stufe härter…;-).
Zuerst ging es durch den Wald und war noch ziemlich kalt morgens. Gegen 10.00 Uhr war ich dann bereits beim Ballenberg und habe mich in die Kolonne der wartenden Touristen eingereiht. Zuerst wollte ich meinen Rucksack deponieren habe dann aber die Karte nochmals studiert und gemerkt, dass ich durch das Freilichtmuseum durchlaufen und in Brienz den Weg wiederaufnehmen kann. Bin es ja gewohnt mit dem Gewicht auf meinem Rücken zu laufen..;-).
Für die jene das Ballenbergmuseum nicht kennen der Text von der Homepage (http://www.ballenberg.ch/):
Auf dem Ballenberg ist die Schweiz so, wie sie einmal war. Mehr als 100 originale, jahrhundertealte Gebäude aus allen Landesteilen der Schweiz, 250 einheimische Bauernhoftiere, ursprüngliche Gärten und Felder, sowie Vorführungen von traditionellem Handwerk und Spezialveranstaltungen machen die Vergangenheit zum Erlebnis. Und den Ballenberg einzigartig.
Habe ca. 3-4 Std. da verbracht und nur einen Bruchteil von dem gesehen was angeboten wurde. Um alles zu besichten bräuchte man wahrscheinlich 2 Tage. Es ist wirklich spannend zu sehen wie die Menschen früher gelebt haben und irgendwann werde ich mir einen Tag Zeit nehmen und nochmals zum Ballenberg fahren.
Um 14.30 war ich in Brienz und wusste nicht genau wie weiter. Habe mich dann aber entschlossen um 15.45 das Schiff nach Iseltwald zu nehmen und auf gut Glück bis zur Jugendherberge in Bönigen zu laufen. In Brienz habe ich dann noch die deutsche Pilgerin vom Brünig getroffen (Sorry, ich bin einfach miserabel darin Namen zu behalten!) und wir sind dann bis Bönigen zusammen gelaufen. Der Weg hat sich mal wieder in die Länge gezogen und dazu hat mich noch meine linke Ferse tierisch geschmerzt. Die Pilgerin hat mir dann den Tipp gegeben Breitwegerich in meine Schuhe zu legen. Findet man praktisch immer am Wegesrand und auf Wiesen. Ja und ich fand, dass es wirklich genutzt hat. Diesen Tipp werde ich mir merken!
Die Jugendherberge von Bönigen liegt ausserhalb und schon fast am Weg nach Interlaken. Dafür ist es dann nach Interlaken nicht mehr soweit. Die Herberge war ziemlich voll und wir haben gerade noch Platz gefunden. Essen konnten wir leider nicht mehr da wir zu spät angekommen sind. Wir sind dann zusammen auf den Campingplatz gleich nebenan und haben uns dort mit einer Pizza verköstigt.
Jetzt will ich nur noch eins und das ist schlafen, schlafen, schlafen und hoffen, dass es meiner Ferse morgen wieder gut geht.




































































Brünig, 29.05.2009 (23 km)

Soll ich euch noch verraten, was ich gestern gegessen habe? Es war irre lecker!
Zuerst gab es einen grünen Salat mit Speck und Pilzen, anschliessend eine selbsgemachte Tomatensuppe und dann ein Kalbsteak an Morchelrahmsauce. Dazu einen leckeren spanischen Rotwein. Wir haben zusammen eine 7.5 dl Flasche gekippt und dies haben wir heute etwas büssen müssen auf dem Weg auf den Brünig…Wir waren den ganzen Tag ziemlich schlapp und die schönste Strecke, das letzte Stück bis zum Brünig haben wir uns nur noch mit Müh und Not hingeschleppt. Cécile hat dann von hier aus den Zug zurück nach Basel genommen und ich habe mich ins Massenlager begeben wo ich noch auf eine andere Pilgerin getroffen bin. Mehr kann ich über diesen Tag leider nicht berichten, bin einfach zu kaputt.














































Flüeli Ranft, 28.05.2009 (23 km)

Die letzte Nacht im Stroh war ziemlich hart. Ich habe sogar 6 Militärwolldecken in der Mitte zusammen gefaltet und mich darauf gelegt aber es war immer noch hart..:-(. Nächstes Mal werde ich wieder auf der Matratze schlafen, bin und bleibe halt ein Weichei…;-).
Bin nach gutem Frühstück um 8.00 Uhr losgelaufen und um 9.15 war ich bereits in Stans wo ich mich am Bahnhof in ein Café gesetzt habe und auf Cécile und Wolfgang gewartet habe. Wolfgang musste in der Nähe etwas abholen was er auf Ebay ersteigert hat und hat dann Cécile gleich hierher gefahren. Der Hund von Cécile, Lenny kommt auch mit.
Die Wanderung von heute war wunderschön und nicht so anstrengend wie die gestern. Auf den Weiden waren viel junge Rinder und die haben total aggressiv auf Lenny reagiert. Der arme war schon ganz eingeschüchtert und hat den Schwanz eingezogen wenn er nur schon eine Kuh von weitem gesehen hat. Bin nur froh, dass sie nicht auf uns los sind aber an uns hatten sie absolut kein Interesse..;-).
Unterwegs gab es sogar einen Halt extra für Pilger, mit Getränken, Kaffee und Kuchen und sogar einem Pilgerbuch.
Dann ging es schon bald steil runter zur Kapelle und zum Wohnhaus von Bruder Klaus. Die Kapelle strahlt so eine Ruhe und Kraft aus, dass wir gerne einen Moment länger da geblieben sind. Auf der anderen Seite ging es dann wieder hoch zum Hotel Pax Montana.
Im Hotel wurden wir von einer jungen Frau willkommen geheissen, die uns gleich mal einen abscheulich süss/saures Getränk in die Hand gedrückt hat. Wir haben ihr erzählt , dass wir auf dem Pilgerweg unterwegs seien und dann gibt sie uns eine Prospekt mit Wanderungen welche man von hier aus machen könne. Hören die Menschen einem eigentlich zu? Manchmal eher nicht, leider.
Jetzt liege ich in dem kuscheligen, weichen Bett mit weissen Laken und freue mich auf das Nachtessen zusammen mit Cécile. Wir werden uns so richtig was gönnen und dazu gehört auch eine gute Flasche Rotwein…;-).




























 Ennerberg, 27.05.2009 (24 km)
Es hat die ganze Nacht in Strömen geregnet und es war ziemlich kalt. Das erste Mal, dass ich meine Thermounterwäsche angezogen und den Schlafsack zu machen musste. Brauchte dann sogar noch eine zusätzliche Decke, einer dieser Schweizer Militärdecken…;-). Es war aber trotzdem gemütlich in meinem umgebauten Lastwagen. Der Regen ist auf das Dach geprasselt und ich lag wohlig warm im Bett..;-).
Um 7.00 Uhr gab es dann Frühstück und ich musste mich ziemlich überwinden um aus dem warmen Bett zu steigen. In der Stube von Fam. Schuler war es dann aber wohlig warm mit beheiztem Kachelofen. Das Frühstück habe ich dann auch genüsslich in die Länge gezogen da es mich bei diesem Sauwetter nicht wirklich rauszog, es giesste nämlich immer noch. Fam. Schuler hat mir dann auch noch eine Abkürzung gezeigt und vor allem ein Weg mit etwas weniger Steigung als der offizielle Pilgerweg. Wie immer jagt man die Pilger auf die schwierigste und längste Strecke! Warum das so ist weiss ich auch nicht.
Der Aufstieg zur Hagenegg war aber trotzdem ganz schön steil aber im Grossen und Ganzen ist es sehr gut gegangen. Musste sogar einen kleinen Bach welcher durch den starken Regen angeschwollen ist überqueren aber mit Stöcken war das eigentlich kein grosses Problem. Bei einer kleinen Kapelle habe ich eine kleine Pause eingeschaltet. Ringsum die Kapelle gab es ein Gatter und der Durchgang war so eng, dass ich meinen Rucksack ablegen musste um durchzukommen. Nicht gerade pilgergerecht muss ich sagen…;-).
Auf der Hagenegg gab es dann erst mal eine ausgiebige Pause mit Kaffee und Gipfeli bevor es mit dem steilen Abstieg nach Schwyz weiterging. Es soll ja hier eine sehr schöne Aussicht auf den Vierwaldstättersee geben aber von dem habe ich nicht viel gesehen denn die Wolken hingen immer noch tief und aus dem Tal stieg der Nebel auf aber das Wetter begann sich langsam aber sicher zu bessern. Habe noch eine andere Pilgerin getroffen die bis nach Santiago will. Konnte sie gerade noch davon abhalten wieder auf dem gleichen Weg zurückzugehen…hat wohl etwas die Orientierung verloren die Gute…;-).
Habe mein Knie noch mal gut eingebunden und die Wanderschuhe frisch geschnürt und dann konnte es losgehen. Fand den Abstieg eigentlich gar nicht so schlimm, war schon steil aber auf dem aufgeschütten Kies hatte man einen ganz guten Halt. Mein Knie hat das ganze gut überstanden aber meine Beine fühlten sich etwas gummig an als ich unten war.
In Schwyz habe ich dann die Kirche besichtigt und mir einen schönen Stempel in der Kirche geholt bevor es weiter ging nach Brunnen. Hatte irgendwie keine Lust mich länger in Schwyz aufzuhalten und ich wollte vor allem unbedingt das Schiff in Brunnen erreichen welches um 14.50 Uhr nach Beckenried losfuhr. Habe mich total auf die Ueberfahrt gefreut und die war dann auch schön, kühl und sonnig…;-).
Von Beckenried aus wollte ich eigentlich nur bis Buochs laufen und mir da ein Hotel mit Fernseher gönnen um den Championsleague Final anzuschauen. Gott hatte aber andere Pläne mit mir und so bin ich halt an dem Hotel vorbeigelaufen ohne es zu merken. Habe dann meine Pläne geändert, da ich auf keinen Fall zurück laufen wollte. Bin dann noch bis Ennerberg weitergelaufen und dass war dann noch mal eine richtige Herausforderung weil eigentlich hatte ich in Buochs schon genug vom Laufen. Als ich ankam war ich fix und fertig!
Bin wieder auf dem Bauernhof und die Familie Rölli ist sehr herlzlich und nett. Habe bis jetzt nur gute Erfahrungen gemacht mit Schlafen auf dem Bauernhof und heute Nacht habe ich meine Premiere mit Schlafen im Stroh…;-). Hoffe, dass es nicht all zu hart wird. Es ist wunderschön hier und zum ersten Mal seit St. Gallen bin ich wieder mal alleine. Heinz habe ich leider nicht getroffen heute aber vielleicht Morgen.
Morgen werde ich Cécile in Stans treffen und dann werden wir zusammen bis Flüeli Ranft laufen und dort im Jugendstil-Hotel Pax Montana übernachten. Das Zimmer ist bereits reserviert und ich freue mich total darauf. Dies ist meine Luxusetappe..;-).






























































Alpthal, 26.05.2009 (27 km)
Bin heute Morgen um 7.30 in Rapperswil los und habe mir zuerst einmal am Bahnhof 2 Croissants und einen Cappuchino gegönnt. Nicht gerade billig aber sooooooo gut…;-). Es war mal wieder heiss und schwül und zwar von Beginn weg. Zuerst ging es über den Pilgersteg am Zürichsee und dann der Bahnlinie entlang nach Pfäffikon. In Pfäffikon habe ich mich vor dem Aufstieg zuerst einmal in ein Cafe gesetzt und gestärkt.
Der Aufstieg zur „Luegeten“ war ganz schön steil und ich musste mich immer wieder mal auf ein Bänkchen setzen weil mir die Puste bei der hohen Luftfeuchtigkeit ausging.
In der Schweiz gibt es wirlich an jeder Stelle mit schöner Aussicht ein Bänkchen und das finde ich total symphatisch da man sich da immer so gut ausruhen kann. Da könnten die Franzosen direkt etwas lernen, denn da sucht man eine Sitzgelegenheit meistens vergebens…;-).
Kurz nach der „Luegeten“ geht es wieder in den Wald rein und da ist mir Heinz mit rotem Kopf begegnet und er hatte auch Mühe mit der Hitze. Wir sind dann praktisch den ganzen Weg bis Alpthal zusammen gelaufen und das war sehr easy und angenehm. Er ist letztes Jahr auch den ganzen Weg gelaufen und holt nun die Etappen bis Interlaken nach welche er wegen Schnee nicht laufen konnte.
Der Weg Richtung St. Meinrad verlief oft im Wald und war märchenhaft schön. Beim Restaurant in St. Meinrad war dann mal wieder Pause angesagt und da ist dann auch noch Mike zu uns gestossen. Es fielen die ersten Regentropfen und ich habe schon mal meine Regenrüstung bereit gelegt aber wirlich einsetzen musste ich sie den ganzen Tag nicht. Mike wollte sich schon bei den ersten Tropfen in die Regenpellerine stürzen aber ich habe ihm davon abgeraten weil er sonst verschwitzen würde;-).
In Einsiedeln angekommen haben wir natürlich als erstes die Kathedrale besichtigt. Die war mal wieder eine Wucht im wahrsten Sinne des Wortes! Ganz ehrlich ich mag eher schlichte Kirchen. Meine absolute Lieblingskathedrale auf dem Weg ist immer noch die von Conques und in Spanien Santa Maria de Eunate. Schlicht und schön!
Im Pilgerbüro habe ich mir dann meinen Stempel geholt und die Frau da hat mir geraten entweder gleich weiter zu laufen oder hier in Einsiedeln zu bleiben, denn es sei ein sehr starkes Gewitter im Anzug mit Sturm und Hagel.
Habe dann Heinz im Restaurant wieder getroffen und wir beschlossen zusammen doch noch bis Alpthal weiterzulaufen. Mike ist hier in Einsiedeln geblieben.
Ein bisschen mulmig war es mir schon und ich habe mich ein paar Mal gefragt, ob ich das Glück jetzt nicht zu sehr herausfordere zumal man am Horizont schon die ersten schwarzen Wolken sehen konnte. Wir schienen direkt darauf zuzulaufen und genau dies ist ja meine grösste Angst wenn ich unterwegs bin in so ein Gewitter zu kommen. Wäre ich alleine gewesen wäre ich wohl in Einsiedeln geblieben aber zusammen mit Heinz wurde mein Mut grösser als die Angst. Sieht man doch wieder was für einen beruhigenden Einfluss Männer auf uns Frauen haben…;-).
Aber Gott hat mal wieder sein schützendes Händchen über uns Pilger gehalten und just in dem Moment als wir in Trachslen angekommen sind hat es angefangen zu stürmen und zu regnen. Wir sind dann in das nächste Cafe und haben da gewartet, dass das Gewitter vorbeizieht. Wir haben Reiseführer studiert, Tagebuch geschrieben und dem Wirt zugeschaut wie er hunderte von Fliegen mit der Fliegenklatsche abmurkst. Er hat dann gemeint er müsse wohl als Strafe für das viele Töten auch mal den Weg nach Santiago machen worauf ich gemeint habe, dass da einmal wohl nicht ausreichen würde…;-).
Das Wetter hat sich dann etwas beruhigt und wir beschlossen weiterzulaufen. Es hat geregnet und ab und zu gedonnert aber sonst war es eigentlich OK.
Ich bin hier in einem umgebauten LKW untergekommen, sehr speziell und ich mag ja solche Orte. Heinz hat es vorgezogen in ein Bed & Breakfast gleich nebenan zu gehen.
Seit wir angekommen sind regnet es wie aus Kübeln und ich geniesse es im Trockenen zu sein und dem Regen zuzuhören wie er auf das Dach prasselt. Um 19.00 Uhr gibt es dann Spaghetti mit Tomatensauce bei meiner Gastfamilie und darauf freue ich mich schon.

Dies habe ich unterwegs in einer Kapelle gefunden:
Abendgebet der Pilger
Herr, es ist Abend geworden
nach einem langen Pilgertag.
Wir sind müde und erschöpft.
Wir haben keine Kraft mehr.
Die Knie schmerzen,
die Füsse sind wund.

Lege Du deine Hand
sanft auf unsere Stirn,
dass wir wieder Ruhe finden.
Kühle Du die schmerzenden Knie
mit dem Tau deiner Liebe.
Heile Du die Blasen an den Füssen
mit dem Balsam Deines Erbarmens.

Damit wir morgen wieder
stark und fröhlich weiter gehen,
weiter auf dem Pilgerweg
zum Grabe Deines Apostels,
weiter auf dem Pilgerweg
unseres eigenen Lebens zu Dir.
Autor unbekannt
























































































Rapperswil, 25.05.2009 (22 km)
Was für ein Tag! Wandern bei über 30 Grad, dass ist ja schlimmer als in der Meseta in Spanien!
Bin um 7.45 Uhr losgelaufen, die Sonne schien, der Himmel war knallblau und es war schon heiss! Leider bin ich heute viel auf Asphalt gelaufen aber ansonsten war die Strecke heute wieder wunderschön. Bin sogar an Lamas und Alpacas vorgekommen..;-).
Es ist alles wie am Schnürchen gelaufen bis Neuhausen. Bei der Abzweigung konnte man in beide Richtungen und ich Depp habe den Weg runter nach Schmerikon genommen. Innerlich wusste ich, dass das falsch war aber ich weiss nicht welcher Teufel mich geritten hat trotzdem runter nach Schmerikon zu laufen. Ich habe mich so masslos geärgert, dass sie die Jakobspilger immer auf die längere und schwierigere Route schicken aber vor allem habe ich mich über mich selber geärgert, dass ich nicht auf meine innere Stimme gehört habe und auch vom Wegverlauf her war es eigentlich völlig klar in welche Richtung ich hätte gehen sollen. Es ging dann steil zum See runter und ich habe geflucht wie ein Rohrspatz und mein Knie war natürlich auch überhaupt nicht begeistert. Erst als ich schon unten war kam ich auf die Idee die Karte etwas genauer zu studieren, der Rest ist geschenkt! Grrrrrrr!!!
Bin dann zum Bahnhof und beschloss meinen Frust mit einem Franziskaner runterzuspülen und dann anschliessend den Zug nach Rapperswil zu nehmen.
Habe mich dann wieder beruhigt und dann beschlossen den Bus zurück nach Eschenbach zu nehmen und von dort meine Wanderung nach Rapperswil fortzusetzen. Wäre ich doch nur meiner Eingebung gefolgt und am Seeufer entlang nach Rapperswil gelaufen aber es sollte nicht der Tag sein wo ich auf meine Intuition bzw. innere Stimme höre.
In Eschenbach musste ich mich nach dem Jakobsweg durchfragen und als ich ihn endlich gefunden habe ging der schnurgerade einer Asphaltstrasse entlang, kein bisschen Schatten und zudem standen da noch 10 km! Es war ca. 32 Grad, bereits nach 15.00 Uhr und einfach nicht zum aushalten. Habe kapituliert und mich in den Bus nach Rapperswil gesetzt. War definitiv nicht mein Tag! Habe dann aber ganz schnell losgelassen und in Rapperswil angekommen war ich bereits wieder guter Laune. In der Pilgerherberge von Rapperswil (ganz neu eröffnet seit 10. Mai 2009) ist meine gute Laune erst recht wieder zurückgekommen da die Herberge hier einfach eine Wucht ist. Wunderschön in der Altstadt gelegen und mit viel Liebe renoviert und ausgestattet. Der Herbergsvater Bruno hat mich in Empfang genommen und es war mal wieder richtig symphatisch. Ausser mir war noch Heinz da, mein Tischnachbar vom Gasthaus Churfirsten und Mike ein Pilger der schon 3 Wochen unterwegs ist und bis Santiago laufen will. Wie ich ihn beneide, dass er noch alles vor sich hat. Mike war dann auch der 100. Pilger der Herberge von Rapperswil und dass war Bruno eine Flasche spanischen Rotweins wert (ich glaube es war Rjoja oder Navarra…;-)?). Pilger Nr. 99 (Heinz) und Pilger Nr. 98 (ich) waren auch eingeladen. So waren wir also zu viert und alle sind wir schon den ganzen Weg bis Santiago gelaufen. Was für ein Zufall! Mike war ganz erstaunt, dass ich letztes Jahr in Muxia die Kirche besichtigen konnte. Wusste gar nicht, dass die nur zweimal im Jahr aufmacht. Das Haupttor war auch geschlossen und dann habe ich halt einen Seiteneingang benutzt. Im Nachhinein wird mir zwar bewusst, dass ausser mir nur eine Putzfrau drin war aber scheinbar sollte es einfach so sein.
Bruno ist der Initiant der Pilgerherberge in Rapperswil und ausserdem der Betreiber der Internetseite sinnwaerts.ch sowie der Herausgeber der kleinen spirituellen Pilgerapotheke welche ich immer bei mir trage. Dies ist ein kleines Tarot für Pilger und oft wenn es besonders hart ist ziehe ich mir eine Karte und irgendwie trifft es immer ins Schwarze.
Rapperswil ist übrigens eine wunderschöne Stadt am Zürichsee und unbedingt eine Reise wert. Es hat mir total gut gefallen hier und ich wäre gerne länger geblieben. Werde mal einen Tagesausflug hierher unternehmen.
Morgen geht es dann weiter nach Einsiedeln, da kommt dann ein ganz steiler Abstieg auf mich zu von der Hagenegg nach Schwyz. Werde mein Knie gut einbinden.
In der Jakobskapelle von Neuhaus habe ich folgende Abhandlung über das Pilgern gefunden:

Pilgern
Unterwegs sein
Mit nur dem Nötigsten auf sich
Auf seinen Schritt achten
Sein Tempo gehen
Bergauf
Bergab
in der flachen Talebene
Idyllische Wald- und Wiesenwege
Bächen, Flüssen und Seen entlang
Auf zermürbenden Asphaltstrassen
Unter sengender Sonnenhitze
Im strömenden Regen
Immer weiter
Dem Ziel entgegen
Santiago de Compostela
Zum Grab des Apostel Jakobus

Gehen so weit die Füsse tragen
Den Körper spüren
Ruhig werden im Geist
Im gleichmässigen Schritt die Gedanken ziehen lassen

Beschwerden ertragen
Schmerzende Beine
Wunde Füsse
Die Last des Rucksacks
Einsamkeit
Manchmal Hunger und Durst
Rasten
Etwas einfaches Essen
Still werden in einer Kapelle
Staunen über die Natur
Auftanken im Gottesdienst
Und in der Erholung der Nacht

Verweilen am Etappenort
Die Begegnung und das Gespräch mit anderen Pilgern
Nicht alleine auf dem Weg
Sondern in einem Strom
Durch die Jahrhunderte hindurch
An Zeitzeugen vorbei

Den Weg in Vertrauen gehen
Daran glauben dass Richtung gezeigt wird
Mal um Mal
vom Apostel
Der Vorsehung
Deinem Engel
Von Gott der uns führt und leitet
Auf diesem Weg
Und überhaupt im Leben

Pilger
Dein Weg ist Gleichnis
Du gehst entgegen dem grossen Ziel
Geh, geh mit Gottes Segen
Autor unbekannt












































Laad, 24.05.2009 (23 km)
Bin wieder auf einem Bauernhof, kriege wieder etwas zu Essen und muss schon wieder nicht im Stroh schlafen. Versprochen, irgenwann probiere ich es aus aber solange ich die Wahl habe…;-). Die Bauernfamilie ist sowas von symphatisch und man fühlt sich hier richtig wohl. Ich muss alle neuen Eve-Biere mit meiner Gastgeberin durchprobieren und ausser dem mit Grapefruit sind sie alle nicht geniessbar da einfach zu süss. Richtig ecklig! Da bleibe ich lieber bei einem richtigen Bier oder einem Panache.
Heute war ein irre heisser Tag und ich glaube ich habe einen kleinen Sonnenstich. Die Sehne an meinem linken Knie plagt mich immer noch, es ist vor allem das runter laufen was mir Schwierigkeiten bereitet. Mal sehen wie es Morgen aussieht, nur nicht aufgeben müssen.

Die Schweiz, meine Heimat, ist wirklich traumhaft schön genau wie man sich das als Ausländer so vorstellt und wie es auf der Postkarte aussieht. Wenn mein Knie nicht wäre könnte ich jetzt so langsam durchstarten und längere Etappen laufen denn jetzt bin ich richtig gut eingelaufen.
Wurde heute Morgen von meiner Bauernfamilie zurück nach Schwellbrunn gefahren und habe meine Tagesetappe gleich mit einem steilen Aufstieg begonnen. Musste mehrmals anhalten und verschnaufen, da mein Kreislauf morgens immer etwas Zeit braucht um in die Gänge zu kommen, da ich einen niedrigen Blutdruck habe.
Im Gasthaus Churfirsten habe ich mir bei wunderschöner Aussicht einen Salatteller und ein Bier genehmigt. Am anderen Tisch sass noch ein anderer Pilger aus Deutschland und wir haben uns kurz gegrüsst und dann ist jeder seinen eigenen Gedanken nachgehangen.
Dann ging es runter nach Wattwil, hinkend da meine Kniesehen sich mal wieder bermerkbar machte. In Wattwil habe ich dann ausgiebig Pause gemacht. Es war brütend heiss und ich habe mich dennoch entschlossen noch bis Laad weiterzulaufen. Es ging bergauf und das war wiederum für mein Knie gut, da konnte es entspannen.

Temperaturmässig war es kaum zum Aushalten. Dazu kam noch dass ein gutes Stück auf der Asphaltstrasse verlief und ich dachte jetzt kriege ich dann einen Hitzeschlag und breche auf der Strasse zusammen. Puuuhhhh!!! Endlich bog ein Weg von der Strasse links ab und beim ersten Schatten habe ich mich ins Gras fallen lassen und mich erst einmal abgekühlt. Habe mir Wasser über den Kopf und ins Gesicht gespritzt und auch etwas gegessen. Sass da bestimmt eine halbe Stunde bis ich wieder soweit erholt war um weiterzulaufen. Irgendwann ist mir ein Bauer begegnet der am Heu aufschütteln war und den habe ich ganz verzweifelt gefragt wie weit es denn noch bis Laad wäre. Woraufhin er meinte es sei nicht mehr weit und er fand es gar nicht so heiss heute…;-). Na ja der hat ja auch im Schatten gearbeitet….
Endlich kam ich total erschöpft und nass geschwitzt auf meinem Bauernhof in Laad an und wurde von der Gastgeberin herzlich gegrüsst und bekam auch sofort ein Bier. Habe mich zuerst mal ausgeruht bevor ich die Schlafstätte besichtigt habe.
Das gute ist, dass ich Morgen den Aufstieg schon hinter mir habe, es soll nämlich nochmals ziemlich heiss werden. So um die 32 Grad. Ich werde Morgen schon um 7.00 Uhr frühstücken, damit ich zeitig loslaufen kann.





























Schwellbrunn, 23.05.2009 (18 km)
Konnte mich gar nicht mehr erinnern wie weh einem alles tut nach dem ersten Tag, habe gelitten wie ein Hund heute. Meine Schultern schmerzen von den Rucksackträgern und mein Kreuz fühlt sich an als wollte es gleich auseinanderbrechen. Zudem plagt mich die linke Patellasehne (Knie) beim abwärts laufen. Dieses Problem hatte ich schon lange nicht mehr und auf dem ganzen Weg von Basel nach Santiago gar nie. Hoffe, dass es nicht schlimmer wird und ich meinen Weg nicht abbrechen muss. Wäre schade denn der Weg durch die Schweiz ist wunderschön.
Bin heute Morgen um 8.00 Uhr los und habe mir in der Bäckerei gegenüber mein Frühstück gekauft. In der Pilgerherberge gab es sogar eine Kaffeemaschine und nicht nur dass, es hatte auch Kaffee und Kaffeerahm..;-). Ja die erste Pilgerherberge in der Schweiz welche ich antreffe hat schon mal ein sehr hohes Niveau.
Habe bald gemerkt, dass mein Körper nicht so will und habe mich gefragt, wie ich diese 18 km bis Schwellbrunn schaffen soll. Bin nur sehr mühsam vorangekommen und mein Rucksack hat sich angefühlt wie 100 kg, keine Ahnung wieviel er wirklich wiegt ich glaube zwischen 9 und 10 kg.
Wollte in Herisau eine richtig lange Pause machen aber irgendwie hat mir kein Restaurant oder Café zugesagt und dann war ich auch schon wieder aus Herisau draussen. Habe mich total über mich selber geärgert und gedacht, dass sei wieder typisch!!! Nach Herisau ging es gleich wieder steil den Berg hinauf und bei der erstbesten Gelegenheit habe ich mich ins Gras geknallt und Pause gemacht.
Immer wenn ich das Gefühl hatte nicht mehr weiter zu können habe ich angefangen zu beten und wie man sieht hat es genutzt denn ich habe es tatsächlich bis Schwellbrunn geschafft.
Bin hier etwas ausserhalb von Schwellbrunn auf einem Bauernhof und wollte eigentlich mein erstes Schlafen im Stroh austesten. Als ich dann aber die Wahl hatte zwischen Matratze und Stroh habe ich Weichei doch die Matratze genommen. Tia ich bekomme bestimmt noch einmal die Möglichkeit im Stroh zu schlafen…;-).
Da ich es ja in Herisau vermasselt habe mir etwas zum Essen zu kaufen bin ich jetzt um so glücklicher, dass man hier auf dem Bauernhof auch etwas Essen kann. Es ist ja gerade Auffahrtswochenende und hier ist auch eine Familie mit Kindern welche Ferien auf dem Bauernhof machen. Bestimmt nicht die schlechteste Idee seine Ferien zu verbringen. Morgen ist Sonntag und am besten suche ich mir auch wieder einen Bauernhof mit Verpflegung da ja alle Läden zu sind.
Es braucht ein paar Tage bis man wieder im Pilgeralltag drin ist aber es fühlt sich total gut an durch meine Heimat zu laufen. Nur schon deshalb, da ich mich in meiner Muttersprache unterhalten kann.
Es sind auch noch drei deutsche Pilger hier die erst um 20.00 Uhr hier angekommen und total fertig sind. Der eine ist in die Autotüre gelaufen und hat jetzt eine klaffende Wunde über dem rechten Auge. Das Blut tropft ihm schon bald in den Teller so dass ich anbiete ihn zu verbinden. Bin ja schliesslich fast eine Krankenschwester..;-).






























St. Gallen 22.05.2009 (16 km)
Habe heute Morgen den Zug von Basel nach Rorschach am Bodensee genommen und bin dann, nachdem ich mich mit einem Kaffee und zwei Gipfeli gestärkt hatte, Richtung St. Gallen aufgebrochen. Habe mir heute nur eine kurze Etappe zum Einlaufen vorgenommen da ich ja mal wieder völlig untrainiert bin!
Es war den ganzen Tag total schwül und ich wartete mal wieder auf ein Gewitter welches aber erst kam als ich schon im Vorort von St. Gallen war. Habe auf meinem Handy ein Programm namens Wetteralarm installiert. Dieses Programm ist kostenlos und warnt einem „rechtzeitig“ vor einem nahenden Gewitter. Also als die SMS reinkam ist es auch gleich losgegangen…;-). Habe mich dann in ein Café gesetzt und das Gewitter bei einem Lachsbrötli und Kaffee abgesessen. Das gute in der Schweiz ist ja, dass die Zivilisation ja nie all zu weit entfernt ist..;-).
Um 14.00 Uhr war ich bereits in St. Gallen und habe zwei Stunden mit Stadtbesichtigung verbracht, da die Pilgerherberge erst um 16.00 Uhr aufgemacht hat. Die Altstadt von St. Gallen ist sehr schön und lädt zum verweilen ein. Die Kathedrale ist für meinen Geschmack sehr üppig, so richtig Barock halt mit viel Gold und Engeln. Habe mir dann noch mein Abendessen eingekauft da die Herberge ja eine Küche hat: Pasta mit Thunfisch, Oliven und Tomaten. Hmmmmmmmm, sehr lecker! Bin dann auch ganz herzlich von der Hospitalera empfangen worden (leider konnte ich ihren Namen nicht behalten…) und bei mir kamen schon richtige Pilgerwohlgefühle auf. Sie hat mir sogar ihre Lesebrille dagelassen da meine kaputt gegangen ist. Die Herberge in St. Gallen ist wirklich wärmstens zu empfehlen! Auf meinem Kopfkissen habe ich übrigens diese Zeilen von Anselm Grün vorgefunden:

Der Engel der Wärme
„Der Engel der Wärme wird dich befähigen, dass du schnell mit andern warm wirst und dass andere schnell mit dir warm werden. Da wird Wärme hin- und herströmen. Du wirst davon nicht kalt werden. Im Gegenteil, die Wärme, die hin- und herströmt wird sich verstärken.
Ich wünsche dir, dass du immer den Engel der Wärme um dich spürst und dass du selbst für andere zu einem Engel werden darfst, der Wärme ausstrahlt und anderen das Herz warm werden lässt“.

Bin ziemlich fertig und mir tut alles weh von meiner ersten Etappe auch wenn es nur eine kurze war, mein Körper will nur noch eines: sich hinlegen und schlafen und darauf hoffen, dass er Morgen wieder fit ist. In diesem Sinne Gute Nacht.

Etappen & Uebernachtungen von Rorschach nach Nyon

22.05.09 Rorschach – St. Gallen 16 km
23.05. St. Gallen – Schwellbrunn 18 km
24.05. Schwellbrunn – Laad 23 km
25.05. Laad – Rapperswil 22 km
26.05. Rapperswil – Alpthal 27 km
27.05. Alpthal – Brunnen 17 km, Brunnen – Beckenried (Schiff), Beckenried – Ennerberg 7 km
28.05. Ennerberg – Flüeli Ranft 23 km
29.05. Flüeli Ranft – Brünig 24 km
30.05. Brünig – Brienz 9 km, Brienz – Iseltwald (Schiff), Iseltwald – Bönigen 8 km
31.05. Bönigen – Merligen 16 km, Merlingen – Spiez (Schiff), Spiez – Einigen 6 km
01.06 Einigen – Riggisberg 24 km
02.06 Riggisberg – Tafers 28 km
03.06. Tafers – Posat 25 km
04.06. Posat – Lucens 25 km
05.06. Lucens – Châlet à Gobet 24 km
06.06. Châlet à Gobet – Lausanne 8 km, Lausanne – Nyon (Schiff), Nyon – Basel (Zug)

Total: 16 Etappen ca. 334 km

Übernachtungen

St. Gallen: Pilgerherberge, Linsebühlstrasse 61, Tel. 071 220 00 62 http://www.pilgerherberge-sg.ch, SFr. 20.- (Kochgelegenheit)

Schwellbrunn: Schlafen im Stroh, Fam. Koller, Schwendi 489, Tel. 071 351 45 07, Abholdienst in Schwellbrunn (Abendessen möglich)

Laad: Schlafen im Stroh, Daniela Stark, Tel. 071 988 78 75, ca. SFr. 25.- inkl. Frühstück (Abendessen möglich)

Rapperswil: Pilgerherberge, Seestrasse 5, Tel. 79 886 73 37, SFr. 25.- (Kochgelegenheit)

Alpthal: Pilgerunterkunft, Fam. Schuler-Marty, Dorfstrasse 50, Tel. 055 412 15 61 od. 079 589 69 38, ca. SFr. 25.- inkl. Frühstück (einfaches Abendessen möglich)

Ennerberg: Schlafen im Stroh, Anton & Helen Rölli-Lussi, Tel. 041 620 31 36 od. 079 655 14 10, ca. SFr. 25.- inkl. Frühstück (Abendessen möglich)

Flüeli Ranft: Jugendstilhotel Pax Montana, Doppelzimmer ab SFr. 180.- (als Luxusetappe sehr zu empfehlen auch das Restaurant!)

Brünig: Touristenlager, Restaurant Waldegg, Fam. Kurmann, Tel. 033 971 11 33, ca. SFr. 30.- inkl. Frühstück

Bönigen: Jugendherberge, Aareweg 21 am See, Tel. 033 822 43 53, ca. SFr. 30.- inkl. Frühstück (auf dem Campingplatz gleich neben an kann man günstig essen)

Einigen: Bed&Breakfast, Rosmarie u. Walter Loosli, Höhenstr. 75, Tel. 033 654 34 73 od. 079 659 44 73, e-mail: rw.loosli@bluewin.ch (mein absolutes Highlight!!!)

Riggisberg: Paul Hostettler, Hintere Gasse 3, Tel. 031 809 04 91 (der etwas teure Pilgerbunker)

Tafers: Pilgerunterkunft, Fam. R. + M. PAUCHARD, Juchweg 5,
Tel. 026 494 10 85, ca. SFr. 25.- inkl Frühstück

Posat/Farvagny: Bed&Breakfast, Helene Chofflon, Tel. 026 411 12 85 od. 079 293 41 09 (Abholdienst beim Rest. Croix d’Or in Posat, Abendessen möglich)

Lucens: Bed&Breakfast, Mme Sylviane Liechti, Chemin du Refuge 6, Tel. 021 906 86 29 od. 079 450 05 05, SFr. 50.- inkl. Frühstück (wunderschöner Ort! Abholdienst in Lucens. Abendessen möglich (wurde eingeladen!))

Châlet à Gobet: Auberge du Chalet-à-Gobet, Route de Berne 300, Tel. 021 784 21 31, SFr. 90 inkl. Frühstück (nicht zu empfehlen, hatte das Gefühl übers Ohr gehauen zu werden)

Die Zeit nach dem Camino

Ich will mal probieren die acht Monate nach Rückkehr von meinem Camino zusammenzufassen und berichten wo ich heute stehe.

Als ich am 14. August 2008 nach Hause gekommen bin, konnte ich die ersten paar Monate bei meinen Freunden wohnen. Da fühlte ich mich sehr gut aufgehoben und konnte einfach mal ankommen. Ich war sehr froh, dass ich nicht in meine alte Wohnung, meinen alten Job und mein altes Leben zurückkehren musste. Ich hatte nur ganz wenig Sachen mit mir wie auf dem Camino und lebte sehr bescheiden auch weil meine fianzielle Situation keine grossen Sprünge erlaubte. Als ich zurückkam lag nämlich erst einmal eine Steuerrechung von SFr. 6000.- auf dem Tisch und ich hatte keine Ahnung wie ich die bezahlen sollte. Schlussendlich hat mir Cécile das Geld geliehen und ich konnte etwas entspannen.

Habe mich dann mal arbeitslos gemeldet aber bis zum Tage wo ich wieder angefangen habe zu arbeiten keinen einzigen Rappen bekommen. Die haben mich auf den Tag genau so lange gesperrt bis ich wieder angefangen habe zu arbeiten. War natürlich Zufall die konnten das ja nicht wissen. Für mich war klar, dass ich so schnell wie möglich einen Job will und nicht lange beim Arbeitslosenamt bleiben möchte. Ich hatte einfach keine Lust auf diese Bevormundung und Kontrolle. Mit dieser Energie bin ich dann auf Jobsuche gegangen und fünf Wochen später hatte ich auch schon einen Job in der Tasche.

Ich habe in der Lukas Klinik, eine onkologische Spezialklinik, einen Job als Sekretärin gefunden. Ich habe da schon einmal zwei Monate temporär gearbeitet und das hat sicher geholfen, dass ich den Job bekommen habe.
Es hat sich vom ersten Moment an sehr gut angefühlt auch wenn dies nicht gerade mein Traumjob ist als Sekretärin zu arbeiten. Ich wusste gleich, dass es nur an mir liegt und ich den Job haben kann wenn ich will. Habe mich, so wie ich halt bin, sehr schnell entschieden und zugesagt. Ich musste Abstriche beim Lohn machen aber das war mir egal, hauptsache ich hatte einen Job und konnte mich beim Arbeitslosenamt abmelden. Am nächsten Tag sind dann noch Zweifel gekommen ob ich nicht zu schnell entschieden habe und vielleicht wäre ja noch etwas besseres gekommen. Wie der gute alte Verstand halt ist. Ich kenne das gut von mir, ich entscheide sehr schnell aus dem Bauch heraus und im Nachhinein wird gezweifelt. Meistens sind diese Entscheidungen aus dem Bauch heraus aber richtig, mein Verstand will das nur nicht einsehen…;-).

Da ich mir Geld von Cécile ausgeliehen und auch noch mein Mietzinsdepot zurückbezahlt worden war ging es mir finanziell auch besser und ich habe mir gleich mal eine neue Garderobe gekauft. Das tönt jetzt nach mehr als es eigentlich ist aber ich habe mir schon lange nicht mehr soviele neue Kleider, Schuhe und sogar eine neue Tasche gekauft. Das hat total Spass gemacht und ich konnte gar nicht mehr verstehen warum Kleider kaufen für mich früher so schwierig war. Ich glaube es hat vor allem damit zu tun, dass ich es mir nicht gegönnt habe und ich das Gefühl hatte es nicht wert zu sein. Es war immer alles einfach zu teuer und damit war das Thema abgehakt. Es ist aber so ein schönes Gefühl und vor allem meine innere Frau ist richtig aufgeblüht in den neuen Kleidern.

Am 22. September habe ich dann angefangen zu arbeiten und das war richtig hart! Am ersten Abend als ich nach Hause gekommen bin, war ich fix und fertig und wollte nur noch was Essen und ins Bett. Hätte nicht gedacht, dass der Wiedereinstig in diesen Arbeitsrhytmus so anstrengend wird. Ich arbeite jeden Tag über neun Stunden und am Donnerstag Nachmittag habe ich frei. Es hat mich einen Monat gebraucht bis ich mich an diesen Rhythmus gewöhnt habe und mich nicht mehr so müde gefühlt habe. Ich hatte auch Widerstände mich dieser Routine und dem Alltagstrott hinzugeben. Wenn man auf dem Camino unterwegs ist, ist jeder Tag wieder neu und man weiss nie wo man abends ankommt und wie es da ist. Dass hat mir total gefehlt und ich hätte am liebsten mein Bündel gepackt um wieder auf Wanderschaft zu gehen.

Ende Dezember bin ich dann in meine neue Wohnung nach Arlesheim gezogen und dann erst mal so richtig seelisch abgestürzt. Da war erstens der Umzug vom Stadtkind aufs Land, ich habe mich hier überhaupt nicht zurechtgefunden und dann dazu noch das plötzliche Alleinsein. Ich war total auf mich selber gestellt und vor allem konfrontiert mit meinem negativen Ego. Mein negativer Verstand wurde immer stärker und hat immer mehr Platz eingenommen. Ich hatte nicht mehr den Abstand wo ich weiss, dass ich das gar nicht bin. Ich wurde richtig depressiv und habe mich völlig isoliert und bin fast nicht mehr raus gegangen. Ich wusste, dass ich nach dem Camino wahrscheinlich abstürzen würde aber dass es mit so einer Wucht und erst ein paar Monate später kommen würde habe ich nicht erwartet. Alles was ich auf dem Camino erfahren und erlebt habe, alle meine Einsichten und Erkenntnisse waren überlagert von einer dicken Schicht Illusion. Da war eine riesige Leere in mir, ich hatte mir einen grossen Traum erfüllt und jetzt? Wars das schon? Nächster Traum? Wie weiter?

Ich habe intensiv angefangen zu beten und Gott um Hilfe gefragt: „Bitte lieber Gott hilf mir! Ich muss einfach wissen wer ich wirklich bin, ich muss die Wahrheit wissen und ich will wieder deine Liebe spüren und wissen, dass du an meiner Seite bist wie auf dem Camino“. Ich habe viele spirituelle Bücher gelesen in dieser Zeit, mir viele Fragen gestellt und wusste, dass ich mich wieder vermehrt um mein spirituelles Wachstum kümmern muss. Meine Seele will Gott und nach Hause, wo immer das ist und dazu brauche ich Hilfe von jemandem der/die diesen Weg schon gegangen ist.

Habe mich dann entschieden, dass Seminar zu wiederholen. Dies ist ein Prozess wo das Ego sehr stark konfroniert wird und man all die Seiten die man an sich nicht mag und hasst ans Licht bringt um sie dann loszulassen. Man durchbricht innere Mauern und fühlt den Schmerz den man nie mehr spüren wollte. Leider gibt es keinen anderen Weg wenn man mit dem Teil in Kontakt kommen will der man wirlich ist, muss man sich zuerst durch den Schlamm wühlen. Man fühlt sich dann wieder verbunden mit sich selber und Gott. Eigentlich sind wir wie ein klarer Spiegel aber mit der Zeit häuft sich immer mehr Staub und Schmutz auf dem Spiegel an und verdeckt wer wir wirlich sind. Dann ist es wieder Zeit den Spiegel blank zu putzen!

Für mich ist jetzt wieder klar wo der Weg für mich weitergeht. Ich möchte immer wie mehr alles aus dem Weg räumen was mich von Gott trennt. Ja und was mich trennt ist mein Ego, alles was ich glaube zu sein und nicht bin. Ich habe mich lange gegen die Sehnsucht meiner Seele gewehrt, ich wollte ein ganz normales Leben führen, wie alle anderen auch. Als ich auf dem Camino unterwegs war konnte ich schon spüren wie die Wiederstände gegen Gott langsam dahinschmelzen und wie mein Ja immer grösser wurde. Auf der letzten Etappe habe ich sogar „Thy will be done gesungen“, dein Wille geschehe und für immer Dein. Vor ein paar Jahren wäre dies unvorstellbar für mich gewesen. Irgendwann wird aber jeder Krieger müde gegen seine Seele anzukämpfen.

Nächste Woche werde ich in der Lukas Kinik meinen neuen Job anfangen. Ich habe nämlich intern gewechselt. Ich werde jetzt neu die Ambulanz der Aerzte übernehmen, d. h. ich habe wieder vermehrt Kontakt zu den Patienten und werde Blutentnahmen, Röntgenaufnahmen und EKGs (Elektrokardiogramm = Gerät mit welchem man das Herz kontrolliert) durchführen. Gleichzeitig muss ich noch bis Mitte Juli das Sekretariat weiterführen bis meine Nachfolgerin kommt. Habe also im Moment zwei Jobs wenn man so will. Die Stelle die ich antrete die ist ganz neu geschaffen worden und ich muss mir alles zuerst so einrichten, dass es funktioniert. Es ist niemand da der mich einarbeitet oder mir sagt wie ich es machen soll. Vor dem Seminar hätte mich das völlig gestresst aber jetzt nehme ich es als Herausforderung und weiss, dass ich alles kann wenn ich in meiner Stärke und mit Gott verbunden bin.

Ich fühle mich in der Lukas Klinik übrigens sehr wohl, auch weil die Leute hier offen sind gegenüber Spirituellem und ich diese Seite in mir nicht mehr verstecken muss. Ich will sie auch nicht mehr verstecken weil ich mittlerweile weiss, dass ich auch viel in dieser Richtung zu geben habe. Also fertig mit der vornehmen Zurückhaltung.

Ich geniesse es mittlerweile auch hier in Arlesheim auf dem Land zu wohnen und merke immer wie mehr was für eine Qualität es hat auf dem Land zu wohnen. Möchte im Moment überhaupt nicht in die Stadt zurück. Meine Wohnung ist wunderschön und lichtdurchflutet, ich fühle mich hier richtig glücklich.
Jeden Morgen stehe ich um 06.15 auf und dann wird erst einmal eine halbe Stunde meditiert, dann gibt es Frühstück und dann mache ich meinen täglichen Spaziergang zur Arbeit. Dies ist nämlich auch etwas ganz neues für mich: ich kann zur Arbeit laufen!

Acht Monate nach meinem Camino kann ich sagen, wow, was für eine innere und äussere Reise! Ich fühle mich so dankbar, dass ich diese Erfahrungen machen durfte und dass alles genaus so ist wie es sein soll. Ich fühle mich unendlich dankbar und weiss, dass meine Reise weitergeht und ich noch lange nicht angekommen bin. Ja und andererseits bin ich so weit gelaufen um schlussendlich bei mir selber anzukommen.

In anderthalb Wochen gehe ich übrigens auf meine nächste Wanderschaft. Ich werde die Schweiz auf dem Jakobsweg durchqueren und in Rorschach beginnen. Freue mich darauf endlich wieder unterwegs zu sein. Auf die Stimmung am frühen Morgen, auf jeden Tag der immer wieder neu ist, auf die Ungewissheit wo ich am Abend sein werde, sogar auf das Alleinsein und vielleicht treffe ich ja auch den einen oder anderen Pilger und habe schöne Begegnungen mit Land und Leute.

Ich wünsche allen Pilgern, dass sie genau das finden was sie tief in ihrem Inneren suchen, was auch immer das für jeden Einzelnen ist.

In Liebe Françoise